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Brandenburg/Havel Die unglaubliche Odyssee eines 3-Jährigen
Lokales Brandenburg/Havel Die unglaubliche Odyssee eines 3-Jährigen
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12:48 19.11.2015
Taylor Joel ist am Montag aus der Kita stiften gegangen. Quelle: MAZ
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Brandenburg an der Havel

Auf jedem Meter Wegstrecke lauerten Gefahren. Auch zwei Tage nach dem gefährlichen Vorfall ist noch unklar, wie und wann Taylor Joel (3) seine Kita „Klein und Groß“ in Hohenstücken unbemerkt verlassen konnte und welche Wege er mutterseelenallein zurückgelegt hat. Es gibt Hinweise, dass er mindestens 40 Minuten auf sich allein gestellt war. Die Jugendämter der Stadt und des Landes sind eingeschaltet.

Der Fall des kleinen Jungen, den seine Kita-Erzieherinnen am Montagnachmittag aus dem Auge gelassen haben, beschäftigt die Brandenburger. In sozialen Netzwerken diskutieren sie über die Gefahr, in welcher der gerade drei Jahre alt gewordene Junge über einen relativ langen Zeitraum schwebte.

Niemand weiß, wie der Junge so weit laufen konnte

Die Gefahr kann sich jeder vergegenwärtigen, der auf den Brandenburger Stadtplan schaut. Die Kita in der Gertraudenstraße 53, also der Startpunkt der kleinen Odyssee, und der Rewe-Markt am Tschirchdamm 8 liegen zu Fuß knapp 700 Meter auseinander, falls jemand den kürzesten Weg nimmt.

Der kürzeste Weg ist fast 700 Meter lang, aber ist Taylor Joel ihn gelaufen? Quelle: Google

Wie Taylor Joel am Montag gegen ungefähr 14 Uhr oder früher gelaufen ist, das weiß im Augenblick niemand. Sein Vater Peer Winterfeldt rätselt auch, wie der Kleine es geschafft hat, die relativ stark befahrenen Straßen, nämlich die Sophienstraße und den Tschirchdamm, unbeschadet zu überqueren.

Für die nächste Woche hat die Polizei Zeugen geladen, die vielleicht wichtige Hinweise geben können, was der kleine Mann gemacht hat, nachdem er durchs Kita-Tor unbemerkt nach draußen gelangte. Eine Mutter, deren Kind in die gleiche Kita wie Taylor Joel geht, hat den Jungen gegen 14.20 Uhr auf dem Rewe-Parkplatz am Tschirchdamm gesehen, berichtet Peer Winterfeldt.

Der Träger „Independent Living“

Die gemeinnützige Gesellschaft „Independent Living“ betreibt vier Einrichtungen für Kinder. Sie ist seit 2002 in der Stadt Brandenburg aktiv.

Die Kita „Klein und Groß“ in der Gertraudenstraße 53 betreut bis zu 250 Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder. Ebenso groß sind die Kita „Menschenskinder“ in der Warschauer Straße und das Kinderhaus „Mittendrin“ in der Schleusener Straße. Hinzu kommt der Kinderhort „Entdeckerfreunde“ in der Felsbergstraße.

Das städtische Jugendamt bestätigt, dass es in der Vergangenheit bezogen auf die Kita „Klein und Groß“ zu Nachfragen, Beschwerden oder Klärungsbedarfen von Eltern gekommen ist. Doch bleibe so etwas in Anbetracht der Größe auch nicht aus.

Bei Klein und Groß seien die Auffälligkeiten nicht überdurchschnittlich höher als in anderen Einrichtungen, teilt das Jugendamt mit.

In der Vergangenheit hat es sich nach Auskunft von Fachbereichsleiterin Kerstin Schöbe bewährt, dass in besonderen Einzelfällen das Sachgebiet des Jugendamtes Elternbeschwerden gemeinsam mit der Einrichtung bearbeitet.

Obwohl dort etliche Passanten unterwegs waren, hatte sich offenbar niemand sonst für das einsame Kind zuständig gefühlt. Zur Erinnerung: Erst gegen 15 Uhr fiel in der Kita auf, das Taylor Joel verschwunden war. Und das auch nur, weil die Mutter ihren Sohn abholen wollte und er nicht da war. Die Kripo wusste bis Mittwoch nicht, dass das Kind offenbar mit einem älteren Mann gesehen worden ist. Der Vater des Jungen hat die Beamten darüber in Kenntnis gesetzt und bezieht sich dabei auf Informationen der Kita-Leiterin.

Die Eltern des Jungen haben inzwischen zugesichert bekommen, dass ihr Sohn in seiner Kita eine neue Bezugsperson erhält. Nur mit ihr zusammen darf er künftig auf den Hof der Einrichtung, den er am Montag selbstständig verlassen hatte.

Mit dem Krisenmanagement des Kita-Träger Independent Living ist Peer Winterfeldt zufrieden, auch wenn er bedauert, dass die Kita-Leiterin sich bisher mit keinem wort bei den Eltern entschuldigt habe. Bei Geschäftsführerin Rita Rüter habe er jedoch den Eindruck, dass sie stark engagiert an der Aufklärung beteilige und Vorkehrungen trifft, eine Wiederholung zu vermeiden.

Jugendamt prüft die Sicherheit

Der Träger hat allerdings auch die Jugendämter von Stadt und Land im Nacken. „Das Jugendamt prüft, wie der Träger den Vorfall bearbeitet und ob dabei alle notwendigen Schritte und Maßnahmen eingeleitet werden wie die Meldung an das Landesjugendamt und die lückenlose Klärung des Sachverhalts in Zusammenarbeit mit Eltern, Polizei, Leitung der Einrichtung, und Team“, teilt die städtische Fachbereichsleiterin Kerstin Schöbe mit. Der zuständige Bereich halte persönlich Kontakt zum Vater und zum Träger, um zu beraten und im Zweifelsfall selbst geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Gemeinsam mit dem Träger prüft das Jugendamt nun, ob die Sicherheit der Kinder im Haus gewährleistet ist oder ob bauliche Veränderungen notwendig sind, um solche Vorfälle zu vermeiden. Organisatorische und personelle Abläufe würden mit dem Ziel geprüft ,die Aufsichtspflicht kontinuierlich sicher zu stellen.

Von Jürgen Lauterbach

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