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Dribbeln und Disziplin auf zwei Rädern

Brandenburg an der Havel Dribbeln und Disziplin auf zwei Rädern

Vor zwei Jahren hatten Michael Heise und Bernd Schwinning die Idee, Rollstuhlbasketball in die Stadt Brandenburg zu bringen – noch immer gibt es nicht genug Spieler, um in den aktiven Spielbetrieb einzusteigen. Dabei steht die Sportart längst nicht nur Menschen mit einer körperlichen Behinderung offen.

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Szene einer Trainingsstunde der Rollstuhlbasketballer.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Michael Heise und Bernd Schwinning haben es geschafft, neue Perspektiven für Behinderte in Brandenburg an der Havel zu schaffen. Vor zwei Jahren saßen die beiden Arbeitskollegen bei Fliedners Wohn- und Werkstätten in der Havelstadt zusammen und überlegten, wie sie Rollstuhlbasketball hier etablieren können. Mit ihren Ideen und ihrem Engagement haben die beiden inzwischen eine eigene Sparte im Verein Sportfreunde Brandenburg 94 etabliert.

Doch der Reihe nach: Der 32-jährige Bernd Schwinning ist schon von Geburt an querschnittsgelähmt und war schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Sport. Seit seiner Kindheit war ihm Rollstuhlbasketball ein Begriff, in Berührung kam er jedoch nie damit. „Für mich war es schon immer das Fußball der Rollifahrer“, sagt er.

So wirklich aufgeben konnte er die Vorstellung nicht, vielleicht doch noch einmal diesen Sport anzufangen – und als er auf Michael Heise traf, nahmen die Dinge ihren Lauf. Seit seinem Unfall am 4. Februar 2010 war der 57-Jährige ebenfalls auf der Suche nach einer sportlichen Erfüllung – im Rollstuhlbasketball hat er diese nun gefunden. Zunächst kam er in seiner Reha in Beelitz mit dem Sport in Berührung und war seitdem Feuer und Flamme.

Schnell fühlte er sich mit der Sportart wohl: „Im Handumdrehen bildet der Spieler mit dem Rollstuhl eine Einheit. Es ist ein anstrengender Sport und geht auf die Arme. Aber ich mag es, mich richtig auszupowern und meinen Geist frei fliegen zu lassen“, sagt er. „Ich würde mir auch zutrauen, zu einem Turnier zu fahren, da ist ordentlich Bewegung im Spiel.“ Aber auch der Kontakt mit anderen Sportlern ist ihm sehr wichtig.

Im Oktober 2015 trat Michael Heise zusammen mit Bernd Schwinning an den Verein Sportfreunde Brandenburg 94 heran. Doch bevor es an die Umsetzung einer Rollstuhlbasketballmannschaft ging, mussten noch einige bürokratische Hürden überwunden werden. Es dauerte einige Zeit, bis sich die Sportart herumsprach. Doch das Engagement war von Erfolg gekrönt: Seit Januar werden die Spieler wöchentlich trainiert, organisiert wird das immer wieder neu in einer Whatsapp-Gruppe. Zwar gibt es ein Stammteam von etwa sechs Spielern, doch die Anzahl variiert stark. 90 Prozent der Spieler sind Arbeitskollegen der beiden Gründer – Bernd Schwinning wünscht sich mehr Interessierte, damit überhaupt ein richtiges Spiel möglich wird.

„Wir brauchen mindestens zehn Leute, wenn wir gegeneinander spielen wollen“, sagt er. Im Moment trainieren die Sportler vor allem ihre Fangsicherheit, sie üben dribbeln, Körbe werfen und Abwehr. „Wir versuchen, ein Gefühl für den Ball zu entwickeln“, sagt Schwinning, der schon seit zehn Jahren in der Havelstadt wohnt. Für ihn ist der soziale Kontakt durch den Sport nach der Arbeit sehr wichtig. „Aber auch das Auspowern und die Disziplin, die man für das Training aufbringen muss, treiben mich an“, erzählt er. „Als Anfänger hat man beim Rollstuhlbasketball nach kurzer Übungszeit Erfolgserlebnisse, weil man schnell Fortschritte macht.“

Der Leiter der Mannschaft ist Benjamin Keidel aus Brandenburg an der Havel: Er trainiert die Mannschaft ehrenamtlich. Der Informatik-Student an der TH Brandenburg ist selbst querschnittsgelähmt und inzwischen professioneller Rollstuhlbasketballer beim SV Pfeffersport in Berlin. Bevor er diese Leidenschaft entdeckte, übte er sich im Bogenschießen: „Doch da fehlte mir der soziale Aspekt, es ist ein Einzelsport“, sagt er. „Beim Rollstuhlbasketball lernt man viele Leute kennen und es ist leistungsorientiert.“

Der 24-Jährige liebt den Sport und fährt regelmäßig zu deutschlandweiten Spielen: „Ich hoffe, dass auch in der Havelstadt mehr Menschen diesen Sport annehmen werden“, sagt er. Sein größtes Ziel: Der Aufstieg in die zweite Bundesliga.

Von Melanie Höhn

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