Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Ebay-Betrüger benutzt Brandenburger (29)

Der dicke Fisch badet im Pazifik Ebay-Betrüger benutzt Brandenburger (29)

Er postet Bilder von sich, wie er unter Palmen entspannt. Währenddessen muss sich im fernen Deutschland ein 29-Jähriger gegen Betrugsvorwürfe wehren. Vor dem Amtsgericht Rathenow ist jetzt ein Fall verhandelt worden, der zeigt, wie schnell man dank Ebay Probleme mit der Justiz bekommen kann, obwohl man dort nicht aktiv ist.

Voriger Artikel
Zukunft des Stadtmuseums bleibt weiter offen
Nächster Artikel
Diamant-Paar lernte sich am Bahnhof kennen

Uwe S. in für ihn noch besseren Zeiten.

Quelle: Facebook

Rathenow/Brandenburg/H. Uwe S. führt ein schönes Leben in Fernost. Ein Foto auf seiner Facebookseite zeigt ihn fröhlich grinsend unter reifenden Ananasfrüchten. Der Mann lacht sich auf Kosten seiner Opfer in Deutschland ins Fäustchen. Mario M. (29) saß wegen Uwe S. sogar auf der Anklagebank des Amtsgerichts Rathenow.

Der Rathenower Mario M. hatte bis Dienstagnachmittag drei Probleme. Am Ende des Prozesstages vor dem Schöffengericht Rathenow hatte der junge Mann mit Hilfe seiner Strafverteidigerin Bettina Holstein aus Brandenburg/Havel zumindest zwei der drei Probleme vom Hals. Ein Anklagepunkt endete mit Freispruch, der zweite wurde fallengelassen, nur der dritte brachte ihm eine Strafe ein.

Vor einigen Jahren lernte der Rathenower Uwe S. in einem Spielsalon seiner Stadt kennen. Man freundete sich an und bald war es Ehrensache, dass Mario M. seinem neuen Freund einen Gefallen tun würde, zumal er dafür noch hundert Euro bekommen sollte. Er eröffnete für den Freund auf den Namen Mario M. ein Konto bei der Deutschen Bank, auf das Uwe S. Zugriff hatte. Wegen seine Schulden bekomme er bei keiner Bank ein Konto, hatte Uwe S. erklärt.

Der dicke Fisch badet im Pazifik

Der neue Freund hatte somit eine Bankverbindung mit dem Namen Mario M. Nun meldete er außerdem noch eine E-Mail-Adresse an und benutzte dabei ebenfalls den Namen des jungen Rathenowers. Dann machte er sich auf die Reise in fernöstliche Länder wie Thailand und Philippinen.

Vermutlich von dort bot er mit der von ihm eingerichteten falschen Mario-M.-E-Mail-Adresse wertvolle Dinge wie Tablets und Smartphone im Internetauktionshaus Ebay zum Verkauf an, ließ sich den Kaufpreis auf das Konto bei der Deutschen Bank überweisen und schaffte es bei kritischen Kundennachfragen sogar, sich als Mario M. auszuweisen.

Mit Mario M.’s unfreiwilliger Hilfe hob Uwe S. sechsmal Geldbeträge in Höhe von mehr als 15.000 Euro ab, lieferte die versprochene Ware jedoch nicht. Deutschlandweit 52 Ebay-Kunden erstatteten Anzeige, der Betrugserdacht fiel natürlich zunächst auf Mario M. aus Rathenow, da nur dessen Name immer wieder auftauchte. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn daher als Alleintäter an.

Mario M. – nicht mehr als ein Handlanger

Die Brandenburger Strafanwältin Holstein stellte beim ersten Prozesstag im März einen Beweismittelantrag, weil sie herausgefunden hatte, dass ihr Mandant nur als Handlanger missbraucht wurde, der wahre dicke Fisch aber mit dem Geld seiner Opfer im Pazifik planscht, entspannte Fotos von sich ins Netz stellt und inzwischen von mehreren Staatsanwaltschaften in Deutschland per Haftbefehl gesucht wird.

In der Verhandlung am Dienstag war Mario M. nur noch der Beihilfe angeklagt. Das Schöffengericht stellte das Verfahren ein. Verteidigerin Holstein findet, ihr Mandant hätte gar nicht angeklagt werden dürfen, weil der wirklich Schuldige ein anderer sei.

Angeblich das Baby aus dem Bauch getreten

Auch die weitere Anklage wegen Körperverletzung und Schwangerschaftsabbruch hält die Brandenburger Verteidigerin für unnötig. Mario M. wurde vorgeworfen, er habe seiner früheren schwangeren Freundin in den Bauch getreten. An dem Vorwurf war offensichtlich nichts daran, wenngleich die vierfache Mutter und frühere Partnerin von Mario M. ihr Baby im Mutterleib tatsächlich verloren hatte.

Die Schuld daran wurde Mario M. nachträglich in die Schuhe geschoben. Der aktuelle Freund, der Bruder von Joyce H. und weitere Männer hatten Mario M. in eine Wohnung gelockt und ihm dort Schläge angedroht, wenn er nicht eine Erklärung unterschreibe, dass er das „Baby aus dem Bauch getreten“ habe. Mario M. flüchtete aufs Klo, rief die Polizei und erstattete Anzeige wegen Freiheitsberaubung.

Verurteilung wegen Bankbetruges

Die beschuldigten jungen Leute aus Rathenow erstatteten nur ihrerseits Anzeige wegen des mutmaßlichen, durch die Tritte verursachten Schwangerschaftsabbruches. Die betroffene junge Frau verhedderte sich als Zeugin im Prozess aber derart in Widersprüche, dass Richter Robert Ligier sich an eine Doku-Soap erinnert fühlte und den Angeklagten in diesem Punkt freisprach.

Eine Strafe erhielt Mario M. dennoch. Er räumte ein, seine EC-Karte gestohlen gemeldet zu haben. Das stimmte jedoch nicht. In Wirklichkeit hatte er damit noch fleißig Geld von seinem Konto abgehoben, wie Bilder aus der Überwachungskamera zeigten.

Das Schöffengericht Rathenow rechnete vorhandene Strafen ein und bildete eine neue Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten Haft. Bettina Holstein und die Staatsanwaltschaft können gegen das Urteil Berufung einlegen.

Von Jürgen Lauterbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg