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Eichen müssen nach 191 Jahren weichen

Baumfällungen in Brandenburg Eichen müssen nach 191 Jahren weichen

Keine Alternative gebe es zu den Baumfällungen in der Ziesarer Landstraße in Brandenburg, sagt die Stadtförsterin Kornelia Magritz. Zwölf Eichen fallen den Arbeiten zum Opfer. Noch bis Freitagnachmittag wird es an der Straße zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen kommen, bis das Dutzend der 191 Jahre alten Bäume gefällt ist.

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Die Fällung der alten Eichen wird vorbereitet. Die 12 Bäume sind krank und nicht mehr zu retten.

Quelle: Jast

Brandenburg/H. „Es tut mir selber weh. Aber es gibt keine Alternative“, sagt die Brandenburger Stadtförsterin Kornelia Magritz, angesprochen auf die Fällung von 12 riesigen Eichen in der Ziesarer Landstraße.

Noch bis zum Freitag um 15 Uhr wird es dort zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen kommen, bis das komplette Dutzend der 191 Jahre alten Eichen gefällt ist.

Die Arbeiter rücken den Bäumen zu Leibe

Die Arbeiter rücken den Bäumen zu Leibe.

Quelle: Jast

„Ach, die alten Bäume haben schon ganz schön was auf dem Kerbholz“, sagt Kornelia Magritz weiter. Seit 22 Jahren macht sie nun schon ihre Arbeit. Und ebenso lange hat sie auch diese großen Bäume im Blick. Immer wieder habe man tote Äste aus den Kronen geschnitten und versucht, die alten „Zeitzeugen“ vor der Säge zu bewahren. Doch inzwischen sei die Standsicherheit der Eichen in der Nähe des Krugparks und der Krugparkschule nicht mehr gewährleistet.

Die Bäume seit zwei Jahrzehnten im Blick

Die Stämme seien krank und morsch, „fortgeschrittenen Absterbeerscheinungen im Kronenbereich sowie ein hoher Totholzanteil“ würden die Gefahr für die Passanten und Autofahrer stetig größer werden lassen. Dazu komme ein erheblicher Pilzbefall und „der Eichenprozessionsspinner hat auch ganze Arbeit geleistet“, klagt Magritz.

Zwölf fast 20 Meter hohe Bäume zu fällen, ist mit einem immensen Aufwand verbunden. Mit Hebebühnen, Blitz-Warn-Wagen und Ampelanlage rückten die Fäller an und machten sich sofort ans Werk. Schon durch die Ampelregelung kam es wiederholt zum Stau, „kurzfristigen Vollsperrungen der betreffenden Straßenabschnitte“ hatte die Stadtverwaltung bereits im Vorfeld angekündigt.

„Allein die Äste der Krone ragen bis weit auf die Straße und wenn so ein Baum fallen würde, läge er quer über der Straße“, macht die Stadtförsterin auf die Gefahren aufmerksam, die mit der Fällung einhergehen. Auch für die Baumfäller, allesamt Experten im Umgang mit der Motorsäge, sei die Arbeit in mehr als zehn Meter Höhe nicht einfach. Es sei nicht ungefährlich , die bis zu 50 Zentimeter dicken Äste dort oben abzusägen.

Eiche als Lebensraum

Es gibt bis zu 600 Arten von Eichen, die sich über Nordamerika, Mexiko, in Zentralamerika, Kolumbien, in Eurasien und in Nordafrika verteilen.

Die Eichen sind die wichtigste Laubbaumgattung der Nordhalbkugel.

Schwerpunkt der Artenvielfalt ist Nordamerika. Schon früh fiel den Menschen auf, dass Eichen eine ungewöhnliche Vielfalt von Insekten beherbergen (bis zu 1000 Arten pro Krone).

Die Eiche ist Nahrungshabitat der Raupen von vielen Schmetterlingsarten. Sie wird in Mitteleuropa nur von der Salweide übertroffen. Beide beherbergen über 100 Arten.

„Ich bin nicht nur Försterin sondern auch Naturschützerin“, sagt sie weiter. Und daher ärgere es sie massiv, dass sie und die Baumfäller immer wieder von vermeintlichen Experten zur Rede gestellt würden, welchen angeblichen Frevel sie im Fall der Fälle begehen würden.

Kein Baum, den man mit einem vertretbaren Aufwand noch retten könne, werde Opfer der Säge, versichert sie. Und bis es zum Äußersten komme, seien die Bäume in aller Regel seit Jahren beobachtet worden. Ausnahmen gäbe es nur, wenn plötzlich Gefahr im Verzuge sei, die von Bäumen ausgehe.

Vermeintliche Experten wissen alles besser

Und das passiere schon öfter als man denkt, wenn man nicht weiß, dass die Stadtförsterin in der Stadt und die Ortsteilen für die Verkehrssicherung von 120 Kilometern Straßen, Fuß-, Rad- und Wanderwegen in Wäldern zuständig ist. Nutzen lässt sich das alte Eichenholz im Übrigen nur noch als Brennmaterial. Der Stadtforst wird die Baumreste zerkleinern und dann als Brennholz verkaufen. „Das freut den Kämmerer. Die Forst macht die Einnahmen,“ sagt Kornelia Magritz stolz.

Ganz ohne Grün bleiben die Einwohner an der Ziesarer Landstraße nicht: Nach Abschluss aller mit der Fällung zusammenhängenden Tätigkeiten sind wieder Ausgleich- und Ersatzpflanzungen geplant. Was dann genau für Bäume dort gepflanzt werden, stehe aber noch nicht fest.

Von Benno Rougk

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