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Brandenburg/Havel Eigentümer verlieren Kampf um die Inselspitze
Lokales Brandenburg/Havel Eigentümer verlieren Kampf um die Inselspitze
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05:06 18.05.2018
Auf der Inselspitze vor den Balkons der Eigentümer Walter Großkopf und Peter Uhlmann soll das neue Haus mit 14 Ferienwohnungen gebaut werden. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

Vor Walter Großkopf (88) auf dem Tisch liegt der Wahlkampfprospekt von Steffen Scheller (CDU), der darin für seine Wahl zum Oberbürgermeister von Brandenburg/Havel wirbt. „Gefällt mir gut, vor allem die Passage über Lebensqualität“, sagt der Brandenburger Rentner, der mit seiner Frau in einer Eigentumswohnung in der Potsdamer Straße 4e lebt.

Die eigene Lebensqualität sehen Walter Großkopf und seine Nachbar Peter Uhlmann (63) allerdings bedroht durch das Bauvorhaben eines Investors, der auf der 1200 Quadratmeter großen unbebauten sogenannten „Inselspitze“ ein gleich hohes Haus mit 14 Ferienwohnungen errichten möchte.

Der Neubau direkt am Wasser wird mehreren Nachbarn den freien Blick auf die Havel nehmen oder ihn zumindest deutlich einschränken. Walter Großkopf spricht von einer „Teilenteignung“. Der Brandenburger beklagt einen Wertverlust seines Eigentums um 30 Prozent und fürchtet Lärm und Belästigungen, wenn künftige Feriengäste ihren Urlaub auch einmal ausgelassen genießen möchten.

Die beiden Wohnungseigentümer, die seit rund 20 Jahren an der Inselspitze wohnen, haben sich nach einem fünf Jahre langen, für sie nicht erfolgreichen Rechtsstreit in einem Brief an den inzwischen zum Oberbürgermeister gewählten Steffen Scheller gewandt und ihn um Hilfe ersucht, damit „das gute Stück Lebensqualität“ an ihrem beschaulichen Plätzchen nicht leide.

„Herr Scheller, verhindern sie die Baufreigabe!“, appellieren die Eigentümer an den Rathauschef. Dessen Antwort finden die Bürger allerdings unbefriedigend und so enttäuschend wie zuvor die fehlende Unterstützung aller Parteien in der Stadt,die sie um Hilfe gebeten hätten. Der Oberbürgermeister geht in seiner Antwort auf den Aspekt Lebensqualität nicht ein.

Er weist die Bürger darauf hin, dass sie durch das Bauvorhaben in ihren Rechten nicht verletzt würden. Das bestätige die Prüfung des Bauvorhabens und die Gerichtsentscheidung zur Klage der Wohnungseigentümergemeinschaft „Sankt Annen“ Potsdamer Straße 4-4e. Großkopf und Uhlmann räumen ein, dass die Eigentümer den Rechtsstreit verloren haben. Dem Gericht zufolge hätten sie kein Recht auf freie Sicht. Die Bewohner bedauern, dass die Gemeinschaft der 60 Eigentümer das freie Grundstück Inselspitze nicht gekauft hat, als es der Besitzer anbot und sie ein Vorkaufsrecht darauf hatte.

„Wenn schon eine Bebauung, dann wäre uns ein Altenheim lieber gewesen“, betont Walter Großkopf, der den Bauarbeiten und der künftige Nutzung mit Unbehagen entgegensieht. Gleichwohl betont er: „Wir müssen einen Weg finden mit dem neuen Nachbarn, ein Kleinkrieg würde nur zermürben.

Einen solchen Kleinkrieg hat Bauherr Attila Racz jahrelang erlebt. Allerdings sei der weniger von Eigentümern also von Mietern der Wohnblocks ausgegangen.

Der Investor hat inzwischen die Baufreigabe von der Verwaltung erhalten, muss aber vor Baubeginn noch „statische Probleme lösen“, wie er mitteilt. Die Ferienwohnungen sollten ursprünglich zur Bundesgartenschau  2015 gebaut sein. Nun rechnet Racz mit der Fertigstellung Anfang des nächsten Jahres.

Seine Millioneninvestition werde gewiss kein Schandfleck für die Stadt, verspricht der Bauherr, der die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ausdrücklich lobt. „Mit allen außer ein paar Nachbarn bin ich gut klar gekommen“, versichert er.

Von Jürgen Lauterbach

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