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Brandenburg/Havel Ein Buch voller märkischer Eulenspiegeleien
Lokales Brandenburg/Havel Ein Buch voller märkischer Eulenspiegeleien
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13:30 28.02.2018
Illustration zu „Wie Till Eulenspiegel einen Händler in den Himmel führte“. Quelle: Paul Pribbernow
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Brandenburg/H

Dass Till Eulenspiegel, der berühmte Narr, auch die Mark Brandenburg von seinen Streichen nicht verschonte, lässt sich in dem neuen Buch von Heiko Hesse nachlesen. Am Donnerstag stellte er es in der Fouqué-Bibliothek in Brandenburg an der Havel vor, das jetzt im Berliner bebra-verlag erschienen ist.

Das Durchschnittsalter des Publikums in der Kinderbuchabteilung der Bibliothek ist an diesem Abend ungewöhnlich hoch. Zwischen Regalen voller Kinderbücher, Gesellschaftsspielen und Comics sitzen die gespannten Zuhörer und warten auf den Autor Heiko Hesse. Er wird einige seiner Geschichten über Till Eulenspiegel zum Besten geben.

Altes und Neues

Im Ur-Eulenspiegel von 1515 finden sich zwei Geschichten aus Berlin und je ein Streich aus Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder). Diese vier finden sich auch in dem neuen Buch wieder, indes im Stil aller Beiträge.

Die übrigen 45 Streiche hat Autor Heiko Hesse an vielen Orten zwischen Uckermark und Elbe-Elster, Havelland und Oder angesiedelt.

Das Buch „Till Eulenspiegel zieht durch die Mark – Schelmengeschichten aus Berlin und Brandenburg“ ist im bebra-verlag erschienen, hat 224 Seiten und kostet 16 Euro.

Die nächste Lesung ist am Samstag, 1. Oktober um 17 Uhr in Rathenow – im Café Speicher. Weitere Informationen gibt es bei Facebook unter „Till Eulenspiegel zu Brandenburg“.

Nach seinem Buch „Wie Till Eulenspiegel nach Brandenburg kam“ von 2014 veröffentlicht der MAZ-Redakteur nun sein zweites Buch mit Geschichten über Deutschlands berühmtesten Schelmen. Wieder hat der Karikaturist Paul Pribbernow jede Geschichte mit einer Zeichnung illustriert. In „Till Eulenspiegel zieht durch die Mark“ ergänzt Hesse die vier überlieferten Geschichten des Ur-Buches, die sich in Brandenburg und Berlin zugetragen haben sollen, um 44 eigene Texte. Dafür ist er durch ganz Brandenburg gereist und hat akribisch recherchiert und alte lokale Geschichten und Sagen mit der Figur Eulenspiegel verknüpft.

Illustrator Paul Pribbernow (rechts) und Autor Heiko Hesse bei der Vorstellung des Buches „Till Eulenspiegel zieht durch die Mark“ am Donnerstagabend in der Fouqué-Bibliothek, Brandenburg an der Havel Quelle: Marie Will

Die Sprache in seinem Buch erinnert an den Stil des Hochmittelalters – jener Zeit, in der das berühmte Ur-Buch erschien „Ein kurtzweilig lesen von Dyl Ulenspiegel, geboren vß dem land zu Brunßwick, wie er sein leben volbracht hat. XCVI seiner geschichten“. Die Eulenspiegel-Forschung hält es für wahrscheinlich, dass es der Braunschweiger Zollschreiber Hermann Bote war, der die Geschichten um das Jahr 1500 zu Papier gebracht hatte. Nach dem Erstdruck von 1515 wurden schnell in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt und zum Bestseller.

Die Geschichten um den Schelmen

Den Menschen gefielen die Geschichten um den Schelmen, der nie Hofnarr war und doch seinen Schabernack mit den Leuten getrieben hat. „Mit Till Eulenspiegel ist es wie mit dem Brunnen mitten in Berlin, auf dem Eulenspiegel einst gethront hat. Er ist mal hier, mal dort, dann weg, aber nie ganz verschwunden.“ Schreibt Hesse in seinem Vorwort und macht dem Leser gleich zu Beginn klar: die Geschichten haben zu jeder Zeit ihre Freunde gehabt. Mit seinem Buch und seiner Lesung will er dem Schelm zu neuer Beliebheit verhelfen.

Titelseite des neuen Buches. Quelle: MAZ

Er liest drei Texte an diesem Abend. Zwischendurch erzählt er weitere seiner Geschichten und andere Überlieferungen frei nach. Hesse gelingt es besonders durch diese Zwischenspiele, den Figuren Leben einzuhauchen. So beginnt er den Abend mit einer Episode, in der Till Eulenspiegel einen Großtuchhändler in der Alten Stadt Brandenburg in den Himmel führte. Eulenspiegel hatte beobachtet, wie der Händler drei Männer hinters Licht führte, und fühlte sich sofort herausgefordert, den Täuscher selbst zu necken. Die Geschichte zeigt nicht nur die geistige Stärke des Witzboldes, sondern auch wie er für die ungerecht Behandelten eintritt und zugleich ihre Naivität ausnutzt.

Till Eulenspiegel war nicht als Unterhaltung für Kinder gedacht. So ließt Hesse eine von ihm geschriebene, nicht ganz jugendfreie Geschichte, in der Eulenspiegel durch Zufall den Spreewalder Gurken zu ihrem Durchbruch verhilft. Auch Fäkalien, die in vielen Geschichten des Ur-Buches auftauchen, machen die Geschichten noch immer sehr unkonventionell. Die Episode in Frankfurt (Oder) ist sehr kotlastig. Eulenspiegel sei eben nichts heilig gewesen, sagt Hesse. Deshalb soll auch Martin Luther seine Probleme mit dem Volksschelmen gehabt haben.

Einige hundert Jahre später wurden die Texte um Eulenspiegel dann doch etwas seichter. „Die Romantik hat sie durch den Weichspüler gejagt“, sagt Hesse. „Und hat den Protagonisten zu einem drolligen Kerlchen zwecks Kinderbelustigung verwandelt.“

Für sein Buch hat er sich den mutmaßlichen Schreiberling des Ur-Buches, Hermann Bote, zum Vorbild gemacht. Dieser habe in seinem Vorwort gesagt, er sei nicht der Verfasser der Geschichten, sondern der Sammler. An diesem Abend stehen die Geschichten aus Brandenburg an der Havel im Mittelpunkt. Auch in Potsdam, Kleinmachnow, Lehnin, Wiesenburg, Neuruppin, Oranienburg, Burg Rabenstein, Teltow, Cottbus, Genshagen und 30 anderen Orten hat er recherchiert und gesammelt. Am heutigen Samstag zeigt er den Rathenowern, welchen Bezug sie zu dem Narren haben. Los geht es um 17 Uhr im Café Speicher.

Von Annika Jensen

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