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Ein Dorf hat 20 Jahre auf Trinkwasser gewartet

Grüneiche Ein Dorf hat 20 Jahre auf Trinkwasser gewartet

Just in dem Moment, als Nachwuchs bei Familie Jungnickel aus Grüneiche (Potsdam-Mittelmark) ins Haus stand, versiegte der Hausbrunnen. Wie gut, dass die Bauarbeiten für die zentrale Trinkwassererschließung in dem 80-Einwohner-Dorf gerade beendet waren. 20 Jahre lang hatte der Ort auf sauberes Trinkwasser gewartet.

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Endlich sauberes Trinkwasser!

Quelle: dpa

Grüneiche. Endlich können die Menschen in Grüneiche bei Golzow sauberes Trinkwasser aus ihren Leitungen zapfen. Für Familie Jungnickel war das auch dringend nötig. Erst vor wenigen Wochen ist ihr Enkelkind zur Welt gekommen, das nun mit im Haushalt lebt. Der Brunnen der wachsenden Familie indes drohte zu versiegen. Ausgerechnet als es galt, ein Neugeborenes und eine Wöchnerin zu versorgen. „Das Trinkwasser kam gerade zur rechten Zeit“, sagt der Senior der Familie, Manfred Jungnickel (75) erleichtert. „Wir hätten sonst einen neuen Brunnen bohren müssen.“ 3000 bis 4000 Euro hätte das gekostet, mutmaßt seine Frau Brigitte (64). Ähnlich teuer wird nun wohl der Trinkwasseranschluss werden, vermuteten sie. Die Bescheide verschickt der Trink- und Abwasserzweckverband Freies Havelbruch erst im Sommer. „Aber der Anschluss hält ja für die Ewigkeit“, verspricht Manfred Jungnickel seiner Frau.

Das Brunnenwasser ist mangan- und eisenhaltig

20 Jahre haben die 80 Einwohner des kleinen Ortsteils von Golzow auf sauberes Trinkwasser aus ihren Leitungen warten müssen. Sie waren bisher auf Brunnenwasser angewiesen gewesen. Doch das war eisen- und manganhaltig. Die Werte gelten für Erwachsene als gesundheitlich unbedenklich. Viele der 23 Haushalte hatten sich teure Enteisungsanlagen angeschafft.

Brigitte und Manfred Jungnickel freuen sich über klares sauberes Trinkwasser aus ihrem Wasserhahn

Brigitte und Manfred Jungnickel freuen sich über klares sauberes Trinkwasser aus ihrem Wasserhahn. Der Hausanschluss war bitter nötig.

Quelle: Marion von Imhoff

Familie Paschek hatte keine Enteisungsanlage. Sie kochte das Wasser stets ab. „Es war einfach schlimm“, berichtet Annegret Paschek. „Wir hatten ganz schlechtes Wasser gehabt, richtig gestunken hat es nach faulen Eiern“. Schon sich damit die Zähne zu putzen, habe Übelkeit verursacht. „Jetzt sind wir sehr, sehr zufrieden.“ Die 59-jährige Pflegekraft in einem Hospiz hat sich nach dem Abschluss der Bauarbeiten, die im März begonnen hatten, sofort von einem Klempner die Verbindung zum Hausbrunnen kappen und das Trinkwasser anschließen lassen. Familie Paschek rechnet mit Anschlusskosten zwischen 3500 und 4000 Euro. Dass sei es wert, sagt Annegret Paschek. Die meisten Menschen in Grüneiche sähen es ähnlich.

Trinkwassererschließung in Grüneiche

Die Erschließung des Dorfes Grüneiche kostet nach Angaben des Trink- und Abwasserzweckverbandes Freies Havelbruch rund 130 000 Euro. 25 Prozent davon kamen als Zuschuss vom Land Brandenburg. Bis zum 26. Mai haben die Bewohner Zeit, ihre Zuleitungen zum Hausbrunnen kappen und das Trinkwasser anschließen zu lassen.

Viele der Haushalte haben bereits auf sauberes Trinkwasser umstellen lassen. Familie Jungnickel bestellte sich sofort nach Anschlusslegung dafür einen Klempner.

Mitte des Jahres gehen die Bescheide an die Haushalte heraus, kündigte der Verband an.

Wer indes den Tierarzt Andreas Strauch aus Grüneiche fragt, kriegt eine andere Meinung zu hören: „Es ist kein überbordendes Glücksgefühl“, beschreibt er die Situation. „Immerhin haben sich hier auch noch Nachbarn vor einem Jahr eine teure Enteisungsanlage angeschafft. Wir werden als Bürger nur ausgequetscht.“ Einige Nachbarn spielten auch mit dem Gedanken, sich eine neue Abwassergrube bauen zu lassen, angeblich weil die alten undicht seien. „Das ist das gleiche Prinzip wie mit den Enteisungsanlagen“, so Strauch.

Peter Schächter musste wie alle Menschen in Grüneiche 20 Jahre lang auf die zentrale Trinkwassererschließung des Dorfes warten

Peter Schächter musste wie alle Menschen in Grüneiche 20 Jahre lang auf die zentrale Trinkwassererschließung des Dorfes warten.

Quelle: Marion von Imhoff

Familie Schächter hat sich gerade eine neue Abwassergrube auf ihrem Hof bauen lassen. Offenbar eine Investition, die sich noch lohnt. Auf die zentrale Abwassererschließung in Grüneiche jedenfalls muss man wohl noch Jahre warten. „Da ist noch nicht absehbar, wann das irgendwann passiert“, sagt Golzows Vize-Bürgermeister Peter Schmieder. „Zumal sich der Trink- und Abwasserzweckverband in Auflösung befindet und noch nicht klar ist, wohin die Reise dann gehen wird.“ Für Annegret Paschek ist das keine gute Nachricht: „Die zentrale Abwasserentsorgung in Grüneiche wäre wichtig“, sagt sie. Die mobille Entsorgung sei ja schließlich viel teurer. Über das Trinkwasser aber ist sie nur glücklich.

Von Marion von Imhoff

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