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Ein Fest der Einheit ohne Sentimentalität

Horst Teltschik im Brandenburger Dom Ein Fest der Einheit ohne Sentimentalität

Festredner Horst Teltschik (76) war am 26. Jahrestag der Deutschen Einheit nicht der Mann, der in Wendeerinnerungen schwelgte. Der Zeitzeuge der damaligen Ereignisse von 1990 gab den rund 500 Zuhörern im Brandenburger Dom eine Geschichtslektion mit ernüchternden Erkenntnissen.

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Der Dom war am Montagabend voll besetzt. Horst Teltschik hatte Ehefrau Gerlinde dabei.

Quelle: V. Maloszyk

Brandenburg/H. Festredner Horst Teltschik (76) war am 26. Jahrestag der Deutschen Einheit nicht der Mann, der in Wendeerinnerungen schwelgte. Der Zeitzeuge der damaligen Ereignisse von 1990 gab den rund 500 Zuhörern im Brandenburger Dom eine Geschichtslektion mit ernüchternden Erkenntnissen.

Seit 1999 feiern die Brandenburger Rotarier die deutsche Einheit jedes Jahr mit einer großen Festveranstaltung. Längst ist auch die Stadt Brandenburg Mitveranstalter der von den Brandenburger Symphonikern musikalisch gestalteten Feierstunde. In jedem Jahr spricht ein prominenter Gastredner zu den Festgästen. Mit Horst Teltschik übernahm am Montag ein Zeitzeuge diese Aufgabe, der die Wende aus nächster politischer Nähe mitbekommen und mitgestaltet hat. Der Politologe war seinerzeit ein enger Vertrauter von Bundeskanzler Helmut Kohl und dessen sicherheitspolitischer Berater.

Teltschik beim Kaffeekränzchen vor der Feierstunde

Teltschik beim Kaffeekränzchen vor der Feierstunde.

Quelle: Malo

Im Brandenburger Dom verzichtet Teltschik auf jede Rührseligkeit und sentimentale Erinnerung, er spricht deutlich weniger emotional als seine Vorgänger in früheren Jahren. Noch immer sieht er die Vergangenheit aus dem Blickwinkel eines Sicherheitsexperten, der in viele Gespräche mit den führenden Staatsmännern jener Zeit eingebunden war. Auf seine zentrale Frage, ob Deutschland, Europa und die Welt die Chancen von 1990 genutzt haben, gibt er keine positive Antwort. Er sieht eine Tendenz zur „Renationalisierung“ und kommentiert dies mit den Worten: „Welch ein Wahnsinn!“

Natürlich spricht Horst Teltschik eingangs von der „Ernte, die vor 26 Jahren eingefahren wurde“. Er schwärmt regelrecht von den „drei revolutionären Veränderungen“ jener Zeit, für die ihm der Begriff Wende viel zu schwach ist.

Vollbesetzter Dom

Vollbesetzter Dom.

Quelle: MALO

Die Vereinigung Deutschland, das damals erstmals keine Feinde mehr hatte, der Fall des eisernen Vorhangs und das Ende des bipolaren Weltsystems mit den beiden Weltmächten USA und UdSSR waren für Teltschik diese friedlich vollzogenen Revolutionen.

In der Regierung Kohl, so berichtet er, habe niemand Zweifel am Endziel Einheit gehabt, auch wenn man Anfang 1990 geglaubt habe, es könne fünf oder zehn Jahre dauern. Vorherrschend sei die Haltung gewesen, als die Mauer fiel: „Wir schaffen das.“

Festredner Horst Teltschik vor dem Brandenburger Dom

Festredner Horst Teltschik vor dem Brandenburger Dom.

Quelle: MALO

Was eine gemeinsame europäische Friedens- und Sicherheitsordnung betrifft, äußert sich Teltschik jedoch enttäuscht. Vertrauen habe 1990 geherrscht zwischen Kohl, Gorbatschow und Bush. Russland sei im Unterschied zu heute immer ein Partner auf Augenhöhe für die USA und den Westen gewesen. Inzwischen jedoch hätten die Menschenrechte für den Westen Vorrang. Für Russland stehe nach wie vor die Sicherheit an erster Stelle.

Von Jürgen Lauterbach

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