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Ein Gigant liegt im Sterben

Bohnenländer Eiche schwer beschädigt Ein Gigant liegt im Sterben

Mit etwa 500 Jahren ist sie so alt wie die Schwedenlinde auf dem Brielower Friedhof. Aber wohl nicht ganz so berühmt. Jetzt sorgt die „Dicke Eiche“ von Bohnenland für Schlagzeilen. Früher ein beliebtes Wanderziel droht das beinahe in Vergessenheit geratene Naturdenkmal im Altstädtischen Forst zu Kleinholz zu werden. Vom Stamm ist ein mächtiger Ast abgebrochen.

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Hans Lubitz vor der schwer beschädigten Bohnenländer Eiche.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bohnenland. Mit etwa 500 Jahren ist sie so alt wie die Schwedenlinde auf dem Brielower Friedhof. Aber wohl nicht ganz so berühmt. Jetzt sorgt die „Dicke Eiche“ von Bohnenland für Schlagzeilen. Früher ein beliebtes Wanderziel droht das beinahe in Vergessenheit geratene Naturdenkmal im Altstädtischen Forst zu Kleinholz zu werden. Ein Gigant liegt im Sterben.

Seit 1934 unter Schutz

In Brusthöhe hat die „Dicke Eiche“ von Bohnenland einen Umfang von fast 8,40 Meter. Damit zählt der rund 28 Meter hohe Baum zu den dicksten Eichen Deutschlands. Noch mächtiger sind zum Beispiel die tausendjährigen Eichen im mecklenburgischen Ivenack mit über 12 Meter Stammdurchmesser.

Am 20. November 1934 wurde die Bohnenländer Eiche unter Naturschutz gestellt. Damals galt noch das preußische Feld- und Forstpolizeigesetz von 1926. Für frühere Generationen gehörte die Eiche neben einem Besuch der Bohnenländer Gastwirtschaft zu den beliebtesten Ausflugszielen rund um Brandenburg.

Bohnenland wurde das erste Mal 1684 erwähnt. Aus dem ehemaligen Vorwerk wurde 1872 eine Försterei. 1881 erfolgte die Eingemeindung Bohnenlands vom Landkreis Westhavelland in die Stadt Brandenburg. 1904 gab es mit dem Bahnhof Bohnenland einen Anschluss an die Brandenburgische Städtebahn. Neben dem Naturdenkmal Bohnenländer Eiche gibt es das Bodendenkmal Schwedenwälle zu sehen.

Vom uralten Stamm aus der Zeit der Entdeckung Amerikas ist vor wenigen Tagen ein Ast abgestürzt. Und was für einer: Mit rund 15 Meter Länge und vier Meter Durchmesser an der Bruchstelle ist dieser so mächtig wie ein stattlicher Baum. Gehalten wird der Ausleger nur vom Astwerk, das auf dem Boden aufliegt. Menschen sollten Abstand halten. Lebensgefahr!

Seit 1934 unter Naturschutz

Einer der sich noch um die Eiche traut ist Brandenburgs bekanntester Gärtnermeister und Baumschulexperte Hans Lubitz (80). Im gerade wieder berufenen Naturschutzbeirat der Havelstadt ist der immer noch rüstige Senior für das Wohl und Wehe besonders geschützter Bäume zuständig. Die „Dicke Eiche“ steht bereits seit 1934 unter Naturschutz.

Immer noch grün

Immer noch grün: Die „Dicke Eiche“ von Bohnenland.

Quelle: BÜR

Der Brandenburger ist dem Bohnenländer Wahrzeichen in besonderer Weise verbunden. Zusammen mit Hermann Knape war es Hans Lubitz, der die 1943 von einem Blitz gespaltene Eiche im Jahr 1956 im Auftrag des Rates der Stadt mit Lehm füllte und anschließend vermauerte. „Zunächst schippten wir jede Menge Mull aus dem hohlen Stamm. Danach kam eimerweise Lehm in den Baum. Es waren so um die sechs Kubikmeter“, erinnert sich der Gärtnermeister. Mit Ziegelsteinen wurde der vom Blitz malträtierte Baum schließlich geschlossen.

In die Jahre gekommen

Sechs Jahrzehnte nach der Operation am offenen Baum ist die Altersschwäche offenbar nicht aufzuhalten. Die „Dicke Eiche“ kommt in die Jahre. Eine Gemengelage aus morschem Holz und Sturmböen hat wahrscheinlich zu dem August-Drama geführt. Zum baldigen Tod der „Dicken Eiche“ muss der Astabbruch nicht zwingend führen. Bei einem Rundgang bescheinigte Lubitz dem Riesen einen immer noch vitalen Gesamtzustand, sattgrünes Blattwerk und gesunde Wurzelansätze. Problem: Wird nichts getan, läuft ungehindert Wasser in den Baum. Der Zerfall beschleunigt sich.

Lubitz will die Naturschutzbehörde der Stadt alarmieren: „Ein Schlachtplan soll her. Der Baum muss entlastet, von Totholz befreit und vor eindringender Nässe geschützt werden“, schlägt er vor. Mit welchem Aufwand ist derzeit unklar. Man könnte der Natur auch ihren Lauf lassen. Doch dann wäre Brandenburg in absehbarer Zeit um eine der dicksten deutschen Eichen ärmer.

Von Frank Bürstenbinder

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