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Ein Gitarrenvirtuose im Dunkeln

Konzert in der Johanniskirche Ein Gitarrenvirtuose im Dunkeln

Frank Bungarten ist ein internatinal bekannter und gefeierter Gitarrist. Und so war das Solokonzert, das er Donnerstagabend in der Johanniskirche gegeben hat, akustisch auch ein Hochgenuss. Doch das Konzert war schlecht vorbereitet. Es gab nicht mal ein Konzertlicht für Bungarten.

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Frank Bungarten spielt in der Brandenburger Johanniskirche.

Quelle: Ann Brünink

Brandenburg. Frank Bungarten ist ein internatinal bekannter und gefeierter Gitarrist. Und so war das Solokonzert, das er Donnerstagabend in der Johanniskirche gegeben hat, akustisch auch ein Hochgenuss. Doch das Konzert war schlecht vorbereitet. Es gab keine Programme. Es gab keine Moderation. Es gab nicht mal ein Konzertlicht für Bungarten, so dass er immer mehr von der einbrechenden Dunkelheit verschluckt wurde. Während der Künstler pünktlich war, kam der Berliner Gitarrist und Organisator des Konzerts, Thomas Papenfuß, 20 Minuten zu spät. Er entschuldigte sich damit, dass er noch Teilnehmer des 5. Internationalen Gitarrentreffens vom Fluhafen hatte abholen müssen, die insgesamt aus Barcelona, Lissabon und Lille angereist sind.

Als Papenfuß schließlich mit einer Gruppe von etwa 30 reisemüden Jugendlichen in der Johanniskirche ankam, hatte Bungarten bereits mit dem Konzert begonnen, Den ersten Teil bestritt er mit einer zweihälsigen Gitarre des Wiener Gitarrenbauers Johann Gottfried Scherzer mit Werken von Johann Kasper Mertz (1806-1850), der zu den seinerzeit führenden Gitarrenvirtuosen und –komponisten zählte. Doch er lebte in einer Zeit, als die Gitarreneuphorie, die Wien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt hatte, langsam abebbte.

Aber Mertz blieb als Komponist der Gitarre treu. Während seine Zeitgenossen stilistisch eher Mozart und Haydn folgten, orientierte sich Mertz mehr an der Klaviermusik von Chopin, Mendelssohn Bartoldy oder Robert Schumann. Bungarten spielte von ihm eine „Fantasie“ in zwei Teilen. Es folgte Mertz‘ Transkription von sechs Schubert-Liedern, die als Ausnahmefall gelten und Aufsehen erregt haben, denn Mertz‘ Bearbeitungen der sechs Schubert-Lieder schöpfen die gesamten Ressourcen der Spielmöglichkeiten auf der Gitarre aus und sind technisch sehr anspruchsvoll. Nur ein Profi wie Bungarten ist ihnen gewachsen.

Doch das allein erklärt Bungartens Interesse an diesen Schubrert-Liedern nicht. Er strebt „Werktreue“ an und versucht immer mit seinen Interpretationen auf der Gitarre zu ergründen, welche Vorstellungen der Komponist von der Klangwirkung seiner Werke gehabt hat. Eine ähnliche Herangehensweise hat auch Mertz vor gut 150 Jahren gewählt. Bungarten ist ein Meister der behutsamen und leisen Töne. Und so vermittelte er ganz wunderbar, wie vielseitig die Gefühle sind, die Schubert mit seinen Liedern hörbar gemacht hat. Den ersten Teil des Programms beschloss Bungarten mit der sehr kontrastreichen „Ungarischen Fantasie“ von Mertz.

Mit glutvollen Rhythmen und sehr temperamentvoll ging es nach der Pause weiter. Im zweiten Teil des Programms hat Frank Bungarten auf einer sechs-saitigen spanischen Konzertgitarre Werke von zwei spanischen Komponisten gespielt: Frederico Moreno Torroba (1891-1982) und Joaquín Rodrigo (19011999). Joaquín Rodrigo gilt als bedeutendster spanischer Komponist seiner Generation. Er verband Neoklassizismus mit spanischer Folklore und bearbeitete auch Stücke alter spanischer Meister. Gleichzeitig orientierte er sich an spanischer Volksmusik. Für Frederico Moreno Torroba war die Gitarre das Nationalinstrument Spaniens. Mit seinen Gitarrenkompositionen wollte er eigenständige, typisch spanische Musik schaffen. Er hinterließ etwa hundert Gitarrenwerke. Beide Komponisten wären von Bungartens virtuosen Interpretationen ihrer Musik begeistert gewesen.

Von Ann Brünink

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