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Brandenburg/Havel Ein „Haus der alten Schätze“ am Dom
Lokales Brandenburg/Havel Ein „Haus der alten Schätze“ am Dom
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19:23 01.03.2018
Domarchiv-Chef Archiv-Chef Uwe Czubatynski inmitten seiner Schätze, die ungünstig gelagert sind. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Die letzte Etappe wird noch einmal richtig schwer: Beim Sanieren des Domensembles fehlen eigentlich nur noch die Ostklausur einschließlich der Spiegelburg. „Als ,Haus der alten Schätze’ werden sie als märkisches Gedächtnis an mehr als 1000 Jahre Geschichte, Kultur und Christentum östlich der Elbe erinnern“, sagt Lennart Hellberg, Chef des Dombaumeisterbüros PMP.

In einem „Haus der alten Schätze“ sollen Dommuseum und Stiftsarchiv mit allen Schau- und Arbeitsräumen, mit Büros und getrennten Depots in Ostklausur und Spiegelburg des Brandenburger Doms unterkommen. Das kostet 6,5 Millionen Euro.

Die Bezeichnung „Haus der alten Schätze“stammt von Museumschef Rüdiger von Schnurbein – er versucht immer, schwierige Sachverhalte auf griffige Formeln zu bringen – das Dommuseum nebst Depot sowie das Domstiftsarchiv mit seinem eigenen Depot sollen hier unterkommen. In einer klaren Struktur: Im Obergeschoss die Abteilung „Erhalten und erforschen“ mit Archiv, Nutzerräumen, Büros und Depots, im Erdgeschoss „Präsentieren und erklären“ mit dem Museum.

Doch bis dahin ist es noch ein längerer Weg. „Der Bauzustand ist auf dem Stand von 1980 – ein veredelter Rohbau. Ich vergleiche es immer mit der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar vor dem Brand“, sagt von Schnurbein. Die Thüringische Landesbibliothek war wahrscheinlich wegen eine Schwelbrandes in der Elektroanlage im September 2004 mitten in der Sanierung schwer beschädigt worden 50.000 kulturgeschichtlich wertvolle Bücher gingen dabei unter anderem verloren.

So etwas darf natürlich hier nicht passieren. Die alten DDR-Aluminium-Kabel wurden sämtlich abgeklemmt und durch eine provisorische Aufputzanlage ersetzt. Damit ist im Museum derzeit nur jede zweite Steckdose nutzbar, in von Schnurbeins Team sind mittlerweile alle Mitwirkenden Meister im Verstecken von Verlängerungskabeln.

Wertvolle Schätze aus 1000 Jahren

Das Dommuseum verwahrt unter anderem einen Bestand an mittelalterlichen liturgischen Textilien.

Dazu gehört das um 1290 gestickte Brandenburger Hungertuch. Es erzählt auf einer Größe von etwa 2 x 4 m die Lebensgeschichte Christi.

Das Domstiftsarchiv verwahrt unter anderem etwa 43.000 Bände, davon zwölf mittelalterliche Handschriften und 700 Bibeln.

Es gibt dazu etwa 200 Bestände an Kirchenbüchern andere Gemeinden.

Insgesamt sind es 2800 laufende Meter an Büchern und Akten.

Davon sind etwa 1800 Meter so genannte Fremdbestände, die aber dableiben.

Was die Besucher erst recht nicht sehen, ist das abenteuerliche Lagern der Archivalien. Die Materialien des Museums stehen vor den Archivalien von Archiv-Chef Uwe Czubatynski. Ein Durchkommen – möglicherweise mit dicken Archivbänden auf den Armen – ist nur schwer möglich. Die Bücher und Bände sind raumhoch in großen Eisenregalen gestapelt, es ist eng und dunkel. Zudem hat das Domstiftsarchiv nicht schwindende, sondern steigende Bestände: Immer mehr kleine Gemeinden können nicht mehr angemessen für ihre Kirchenbuchbestände sorgen. Deshalb geben sie diese in die Hände der erfahrenen Archivare. Zudem gibt es noch ein weiteres Problem: In die Bibliothek in der Spiegelburg gab es Schimmelbefall, „eingeschleppt“ durch Bücher, die hier verwahrt werden sollten. In einer aufwendigen Rettungsaktion mussten insgesamt 40.000 Bücher gereinigt und ins Stadtarchiv eingelagert werden. Doch auch das kostet laufend Geld.

Um die alten Schätze würdig auf insgesamt 1600 Quadratmetern präsentieren und erhalten zu zu können, ist viel Geld nötig. „Wir sprechen von 6,5 Millionen Euro, von denen wir nicht wissen, wo wir sie hernehmen sollen“, sagt Domkurator Cord-Georg Hasselmann.

Ganz so schlimm dürfte es noch nicht sein – nicht umsonst hat der jüngste Kapiteltag das Thema an die Spitze der Tagesordnung seiner jüngsten Sitzung gesetzt und einstimmig das Projekt „Haus der alten Schätze“ beschlossen. Museumschef von Schnurbein gibt auf Nachfrage auch zu, dass es Finanzierungszusagen von verschiedenen Seiten gibt – vor allem aus dem Kulturbereich. Diese wiederum warten auf Kofinanzierung. Im Klartext: Geben Landeskirche und Dom einen Anteil, zahlen auch Ministerien und Stiftungen.

Von André Wirsing

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