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Brandenburg/Havel Ein Känguru das kifft und philosophiert
Lokales Brandenburg/Havel Ein Känguru das kifft und philosophiert
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14:09 16.09.2018
Das Känguru alias Peter Christoph Grünberg, der Kleinkünstkler alias Steffen Roll und und Jacqueline Sophie Mendel rocken das BT. Quelle: Foto: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Marc-Uwe Kling und sein kommunistisches Beuteltier sind Kult. Die Hörbücher, die Bücher, die kurzen Radio-Sketche und das Theaterstück mit dem Namen „Die Känguru-Chroniken“ gehören fast zum kollektiven Gedächtnis junger Menschen zwischen 13 und 55. Dementsprechend frühzeitig galt es nach Bekanntwerden des Gastspiels in Brandenburg Karten zu kaufen. Denn wenn das Känguru kommt, wird der Platz meist knapp. Nicht so in Brandenburg. Da waren zwar am Freitag und Sonnabend viele junge Menschen im Theater zu sehen. Gleichwohl blieben an beiden Abende auch viele Plätze leer. Unverständlich!

Das Tier wird nie wieder freiwillig gehen!

Stellen Sie sich vor, Sie fläzen auf der Couch. Es klingelt. Sie öffnen und vor Ihnen steht ein Känguru. Dass es sprechen kann, verwundert Sie nicht so sehr. Aber, dass es Eierkuchen backen will. Warnung: Wer sich jetzt auf das Känguru einlässt und ihm die gewünschten Eier gibt, der hat verloren. Er wird das Tier nicht wieder los.

So erging es dem „Kleinkünstler“, der, ebenso wie das Känguru, aus der Feder des Autors Marc-Uwe Kling stammt. Inzwischen hat das freche Beuteltier deutsche Bühnen erobert. Besonders erfolgreich war es am Jungen Theater Göttingen, wo es, gespielt von Peter Christoph Grünberg, seit der Premiere im April 2017 äußerst erfolgreich vor etwa 10000 Menschen über die Bühne hopste. Marc-Uwe Kling hat für die Göttinger Inszenierung übrigens die Theaterfassung geschrieben.

Ein „alter“ Bekannter inszeniert: Nico Dietrich

Regie geführt hat der Intendant des Jungen Theaters Göttingen, der gebürtige Brandenburger Nico Dietrich. Er war mit den beiden Aufführungen seiner Inszenierung zu Gast am Brandenburger Theater und für viele war es ein Erinnern an die alten, schönen Zeiten am BT.

Als Kleinkünstler trat beim Brandenburger Gastspiel der Schauspieler Steffen Roll. Seine Kollegin Jacqueline Sophie Mendel verkörperte alle übrigen Rollen, wie Nazischläger, Kneipenwirtin Herta oder die Dame vom Amt.

Vielleicht war es für den Kleinkünstler ja ein Glücksfall, dass er dem Känguru begegnet ist. In dem „traurigsten Lied aller Zeiten“, das er zu Beginn der Aufführung gesungen hat (Musik/Gitarre, der Mann der niemals lacht: Marius Prill), wünschte er sich dringend ein Hobby. Da kannte er das Känguru noch nicht. Alles wäre ihm Recht gewesen, auch Tiere erschießen oder Hasskommentare schreiben. Wie gut, dass ihm das Känguru zeigt, wie spannend und doch geruhsam das Leben sein kann. Überanstrengung verhindert das Känguru mit seiner „Not-To-Do-Liste“.

Böse, gemein und herrlich komisch

Absurd? Meistens ja. Doch die Sicht eines Kängurus auf das Leben in Deutschland ist entlarvend. „Können Sie sich ausweisen?“ wird das Känguru bei der Ausländerbehörde gefragt. „Ich dachte, das machen Sie“, redet sich das schlagfertige Tier fast um Kopf und Kragen.

Der Kleinkünstler reagiert glücklicherweise schnell. So kann er dem vorlauten Känguru helfen, das in Gefahr gerät, als „unproduktiv“ abgeschoben zu werden. „Sie ähneln der Hauptfigur in dem bedeutendsten Stück von Sophokles“, besänftigt der Kängurufreund den erbosten Sachbearbeiter, der sich geschmeichelt fühlt. Er darf mit dem Känguru das Amt verlassen. „Sag mal kann es sein, dass du dem Sachbearbeiter eben äußerst subtil vermittelt hast, dass er ein Motherfucker ist“, fragt das schlaue Tier, das natürlich sofort begriffen hat, dass es sich bei der Anspielung seines Freundes um Ödipus handelte, der bekanntlich unwissentlich mit seiner Mutter geschlafen hat.

Sketche zum mitsprechen

Meistens geht es politisch zu beim Kleinkünstler. „Man kann sich halt nicht sicher sein“, sagt ein Mann, „dass in einer Gruppe Flüchtlinge nicht auch Arschlöcher sind.“ „Stimmt wohl“, sagt das Känguru, „aber immerhin kann man sich sicher sein, dass in einer Gruppe Rassisten nur Arschlöcher sind.“ Das kommt an, auch bei den Dutzenden Schülern, die die Sketche teilweise mitsprechen können.

Politisch nicht korrekt, oft sehr aktuell, immer überraschend und stets geistreich und witzig, gestaltet das Känguru sein Leben und das des Kleinkünstlers gleich mit. Die Theaterbesucher, die den Plot kannten, amüsierten sich köstlich. Zufallsbekanntschaften, die erstmals mit dem Känguru zu tun hatten, fremdelten anfangs. Dass nicht alle Zuschauer etwas zu lachen hatten, lag Freitag daran, dass nicht jeder alles gut verstand. Der Ton war mies, klagten Besucher. Doch ungeachtet dessen: Holt das Känguru wieder nach Brandenburg und macht dafür Werbung bis nach Berlin!

Von Ann Brünink

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