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Ein Mann sucht seinen Schutzengel

Brandenburg an der Havel Ein Mann sucht seinen Schutzengel

12. Mai 1978: Martin Specht arbeitet bei einem Fleischer in der Kirchhofstraße in Brandenburg. Beim Reinigen der Maschinen passiert ein Unfall, und Specht verliert seinen linken Arm. Heute, fast 40 Jahre später, sucht er nach der Frau, die ihm damals half und so womöglich sein Leben rettete.

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Martin Specht aus Cammer arbeitet als Fahrer beim Deutschen Roten Kreuz – und sucht nun seine Lebensretterin.

Quelle: Andreas Koska

Brandenburg/H. Vor fast 40 Jahren änderte sich für Martin Specht aus Cammer von einem Moment auf den anderen sein ganzes Leben. Damals war er im zweiten Lehrjahr als Fleischer in Brandenburg an der Havel tätig. Beim Reinigen geriet seine linke Hand in die Maschine, sein Arm wurde immer weiter hineingezogen. Er konnte die Maschine nicht stoppen, da er nicht mehr an den Schalter kam. Genau in dieser Situation kam die Helferin und ins Spiel: Die Frau befand sich ebenfalls in der Halle, drückte so schnell wie nur möglich den Knopf, um die Maschine zu stoppen und rettete Martin Specht damit womöglich das Leben.

Das war am 12. Mai 1978, damals war er 16 Jahre alt. Seinen Arm zu verlieren – ein unerwarteter Schock. Vielleicht auch deshalb dachte er nicht daran, sich den Kontakt seiner Lebensretterin geben zu lassen. „Das war ein Prozess. Der Entschluss, die Person zu suchen, die mir damals das Leben gerettet hat, entstand erst später. Der Gedanke ist langsam in mir herangereift“, sagt er. Vor einem Jahr entschied er sich, seinen Meister von damals zu kontaktieren. So kam er auch auf die Idee, nach der Frau zu suchen, die durch ihr schnelles Handeln vielleicht Schlimmeres verhinderte.

Er lag im Städtischen Klinikum

Nach dem Unfall sah er sie noch einmal wieder: Er lag im Städtischen Klinikum und wurde dort behandelt. Dort hatte sie ihn besucht. Auch an seinen Arbeitsplatz kehrte er noch mal zurück: Allerdings nur zur Bewältigung, wie er heute erzählt. Das Fleischerhandwerk gab er zwar nicht auf – auch heute macht er Bratwurst und Schlackwurst selbst, die er dann im eigenen Garten grillt – wählte jedoch einen anderen beruflichen Werdegang.

Er arbeitete als Wiegemeister in Golzow, später als Gemeindearbeiter. Mittlerweile arbeitet Martin Specht als Fahrer beim Deutschen Roten Kreuz und sagt darüber heute: „Mein Berufsleben war wie Salat. Ich habe viele verschiedene Sachen gemacht und der Job beim DRK ist wie das Dressing oben drauf.“ Er klingt, als wäre er voll und ganz zufrieden mit seinem Leben.

Fleischerei in der Kirchhofstraße

Sein großer Wunsch ist nun, seine Lebensretterin von damals ausfindig zu machen. Doch er hat nicht viele Anhaltspunkte für seine Suche: So wie Martin Specht arbeitete auch sie in der Fleischerei in der Kirchhofstraße (damals Rosa-Luxemburg-Straße). Das war auch der Ort, wo der Unfall passierte. Er war damals 16 Jahre alt, sie fünf bis zehn Jahre älter. Heute ist sie also zwischen 60 und 65 Jahre alt. Er erinnert sich außerdem, dass die junge Frau in Brandenburg lebte und damals frisch verheiratet war. Nun hofft er, durch Hinweise von Lesern in Kontakt mit ihr zu kommen.

„Ich möchte, dass sie sieht, dass alles gut ist. Dass ich eine wundervolle Frau habe, mit der ich seit 1980 zusammen bin. Ich habe zwei Kinder und zwei Enkel, fahre Moped und bin einfach glücklich. Ich würde mich gerne mit ihr über unsere Leben austauschen und sie zu einem Kaffee oder einer selbstgegrillten Wurst einladen.“ Seit letztem Jahr sucht er also nach ihr. Bisher hatte er mit seiner Suche leider kein Glück. Nun wolle er es noch einmal versuchen: „Ein letztes Mal – wenn sich jetzt niemand meldet, dann lasse ich es ruhen.“

Wer Lebensretterin kennt, wendet sich bitte an die MAZ-Lokalredaktion unter brandenburg-stadt@maz-online.de oder 03381/525612. Wir setzen Sie dann mit Martin Specht in Verbindung.

Von Sally-Charell Delin

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