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Brandenburg/Havel Ein Requiem für einen Brandenburger
Lokales Brandenburg/Havel Ein Requiem für einen Brandenburger
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00:24 13.11.2015
Uraufführung des Requiems in der Brandenburger St.-Gotthardt-Kirche. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

Der als Computer-Pionier bekannte Industrie- und Wissenschaftsmanager Fritz-Rudolf Güntsch lebte viele Jahre in Brandenburg an der Havel. Vor mehr als drei Jahre starb er in der Havelstadt. Der vielfältig begabte Diplom-Ingenieur soll auch ein ausgezeichneter Flötist gewesen sein. Eines seiner Lieblingswerke war Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 2 in h-Moll BWV 1067, das er als Hobbymusiker selbst blies. Das Konzert, das am Samstag in der St. Gotthardtkirche anlässlich seines 90. Geburtstags stattfand, war ein sinnvolles Zusammentreffen der Barockkomposition mit Werken von Karl Amadeus Hartmann und Karl-Heinz Wahren, zwei Protagonisten zeitgenössischer Musik. Andrea-Carola Güntsch, eine engagierte Streiterin für die Belange von Musik in der Havelstadt, hat das Konzert initiiert, das von den Zuhörern freudig aufgenommen wurde.

Die Flöte stand im Zentrum des Requiem für Fritz-Rudolf Güntsch, das der in Berlin lebende Komponist Karl-Heinz Wahren schrieb und von dem Flötisten der R, Martin Bosse-Platiére, sowie dem ebenfalls hoch motivierten Residenzorchester Berlin unter der Leitung des norwegischen Dirigenten Jon Bara Johansen zur Uraufführung kam. Wahren entschied sich für ein Requiem, das den Jahrhunderte alten Text der lateinischen Totenmesse negiert.

Andrea-Carola Güntsch am Bildnis ihres vor drei Jahren verstorbenen Mannes Fritz-Rudolf. Quelle: Volkmar Maloszyk

Warum, so fragt man sich, treibt einen Komponisten an, sich dem liturgisch-theologischen Kontext zu verschließen. Zwar befindet sich der Komponist in guter Gesellschaft mit Britten, Honegger oder gar mit Schostakowitsch, doch es fehlt die eigentliche Botschaft: Requiem aeternam – die Bitte um ewige Ruhe und ewiges Licht. Wahren hat sich in seiner dreisätzigen Trauermusik den vielfältigen Lebensstationen Güntschs zugewandt: Kindheit und Jugend, Weltkrieg und endlich Frieden, ereignisreiches Leben und stiller Abschied. Die Stationen sind sehr allgemein gehalten, könnten auch auf fast jeden Menschen zutreffen. Doch der Komponist muss Güntsch gut gekannt haben, denn die musikalischen Reflexionen und das Gefühl, eines besonderen Menschen zu gedenken, waren greifbar.

Martin Bosse-Platiére, Flötist der Brandenburger Symphoniker. Quelle: Maloszyk

Nach der von oftmals geschärften Rhythmen bedachten Musik zu urteilen, muss er ein wissensdurstiger und tatkräftiger Zeitgenosse gewesen sein, der auch den Freuden des Lebens nicht abgeneigt war – einer, der stets in Bewegung war. Auch er musste die Schrecken des Zweiten Welltkriegs durchleben. Der zweite Satz erzählt davon mit seinen expressiv-erregten Klängen, über denen die sanfte Flöte sich als Zeichen des Friedens gegen die Todesmaschinerie der Nationalsozialisten durchsetzt. Martin Bosse-Platiére hat mit differenzierter und farbiger Tongebung den anspruchsvollen Flötenpart musiziert und das Residenzorchester spielte unter der Leitung von Jon Bara Johansen ebenfalls mit eindrucksvollem Engagement. Der Beifall für die Mitwirkenden und Wahren war herzlich.

Karl-Heinz Wahren war Schüler des Münchener Komponisten Karl Amadeus Hartmann, der dem Geist des Nationalsozialismus nicht erlag, wie so manch seiner Kollegen. 19139 schrieb er eine Trauermusik, das Concerto funébre für Violine und Streichorchester. Ein sehr herbes, strenges Werk. Doch klar und formvollendet, manchmal sogar fast zerbrechlich. Die junge Geigerin Michiko Lena Feuerlein und das Residenorchester haben den Ton des Concerto wunderbar getroffen. Sie spielte mit eindringlicher gestalterischer Deutlichkeit.

Danach musizierten Martin Bosse-Platiére das Berliner Orchester unter dem Dirigat von Jon Bara Johansen die festliche, aber durchaus tröstliche Orchestersuite in h-Moll von Bach als würdiges Finale zum Gedenken an Fritz-Rudolf Güntsch.

Von Klaus Büstrin

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