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Ein Uferweg ist Spielball in der Lokalpolitik

Brandenburg an der Havel Ein Uferweg ist Spielball in der Lokalpolitik

Seit den vielen Auseinadersetzungen um Uferwege am Potsdamer Griebnitzsee wagen es landesweit keine Lokalpolitiker mehr, am freien Zugang der Bürger zu den Ufern zu kratzen. Nur in Brandenburg will Büfübü-Volksvertreter Norbert Langerwisch einen Weg am Plauer See zusperren lassen, damit die Fischer ein Grundstück besser verkaufen können.

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Mehr ein ausgetretener Pfad als eine ausgebaute Wanderroute, doch Uferweg bleibt Uferweg und immer frei zugänglich für jedermann.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Es geht vermeintlich nur um 100 Meter Uferweg – tatsächlich dreht es sich aber um eine Grundsatzfrage. Der Stadtverordnete Norbert Langerwisch (Freie Wähler/Büfübü) unternimmt gemeinsam mit der Spitze der Fischereigenossenschaft einen neuerlichen Versuch, den zum Grundstück der Wiesicke-Villa gehörenden Wegabschnitt sperren zu lassen.

„Ich bin mir der Problematik bewusst, dass die Menschen an dieser Stelle nicht mehr direkt an den Plauer See herankommen. Doch sehe ich gerade in diesem Abschnitt auch Probleme bei Hochwasser, durch Vandalismusschäden an den Hof-stellen der beiden Fischer, die dort ihre schweren Netze reparieren.“ Mittelfristig sollten der Weg geschlossen und den Fischern andere Netz-Plätze angeboten werden, sagt Langerwisch. Er handele derzeit in Eigeninitiative, sehe aber keine Probleme, seine Fraktion von der Notwendigkeit zu überzeugen.

Die Fischereigenossenschaft will das 11.000 Quadratmeter große Grundstück für 300.000 Euro an einen Berliner Interessenten verkaufen, der angeblich 1,5 Millionen Euro in die marode Wiesicke-Villa mit 600 Quadratmetern investieren will. So beschreibt es Genossenschafts-Chef Ronald Menzel. In dem Anwesen mit direktem Blick auf das Plauer Schloss hatte einst der Gartenbaumeister Wiesicke den Dichter Theodor Fontane mehrmals empfangen und nächtigen lassen.

Als „Ersatz“ für den Uferweg hatte die Genossenschaft vor zwei Monaten einen in gut 100 Metern parallel verlaufenden Weg zum Fischlehrpfad (MAZ berichtete) hergerichtet, größtenteils mit öffentlichen Mitteln aus der Fischereiabgabe.

Zur jüngsten Stadtverordnetenversammlung Ende April hatte die Büfübü-Fraktion bereits durchgesetzt, dass das städtische Wanderwegekonzept leicht verändert wurde zu Ungunsten des Uferweges. Die Trasse des offiziellen Wanderweges von Falkenbergswerder über Wendseeufer, Schlosspark, Alte Brücke zum Margaretenhof verläuft künftig entlang des Wiesicke-Grundstückes über den neuen Lehrpfad. Gleichwohl bleibt der Uferweg frei zugänglich. Das haben die Beigeordneten Michael Brandt und Steffen Scheller (beide CDU) vor den Stadtverordneten unisono bestätigt.

Die Hofstellen für die beiden Fischer seien an das Freihalten von Uferbereich und Uferweg gebunden gewesen, sagt Brandt. „Nur so war es möglich, seinerzeit diese Baugenehmigung zu erteilen. Herr Stieger hat das Mandat für die Fischer jedenfalls seinerzeit gehabt“, spricht er den Büfübü-Fraktionsvorsitzenden direkt an. „Es macht zukünftige Entscheidungen gerade auch in der Abwägung von Eigeninteressen zu öffentlichen Interessen zukünftig schwieriger, wenn diese gemeinsame Basis nach und nach aufgeweicht und am Ende verlassen wird.“

Noch klarer formuliert es Scheller. Der Fischlehrpfad könne eine gute Ergänzung zum Wanderwegenetz sein. Aber: „Und etwas ganz anderes ist es, einen Uferweg zu sperren. Das können die Stadtverordneten auch gar nicht entscheiden, weil nämlich dieser Uferweg nach dem Naturschutzgesetz durch das Recht auf den Zugang zur freien Landschaft geschützt ist.“ Das habe die Fischereigenossenschaft als Eigentümerin eines Grundstücks, über das der Uferweg verläuft, in einem früheren Rechtsstreit mit der Unteren Naturschutzbehörde „leidvoll erfahren“ müssen. „Keiner kann den Uferweg sperren“, bekräftigt Scheller.

Das Ansinnen der Büfübü-Fraktionäre massiv bekämpft hatte der SPD-Stadtverordnete Carsten Eichmüller: „Schön, dass Scheller es so klar formuliert hat. Ich freue mich für die Touristen, Wanderer und auch die Ortsteilbewohner, dass sie ihren Uferweg behalten. Der Fischlehrpfad ist eine schöne Ergänzung in der Nähe. Ich selbst bin ein Fan von Schautafeln, freue mich auch über den Industriewanderweg.“

Von André Wirsing

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