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Ein halbes Jahrhundert Jäger und Sammler

50.Trophäenschau in Seelensdorf Ein halbes Jahrhundert Jäger und Sammler

In den Wäldern des Westhavellandes fühlt sich das Rotwild wohl. Welche kapitalen Hirsche zwischen Pritzerbe und Ribbeck ihren Einstand haben, zeigt die jährliche Trophäen-und Abwurfstangenschau in Seelensdorf. Nach dem Krieg war die Population fast ausgerottet. Sieger und Verlierer hatten Hunger.

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Auf großes Interesse beim Publikum stößt jedes Jahr in Seelensdorf der lange Tisch mit den Abwurfstangen des Rotwildes.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Seelensdorf. Warum werfen Hirsche ihre Geweihe ab? Vermutungen gibt es viele. Doch endgültig ist das Rätsel um die verhornten Knochen auf dem Haupt unseres größten frei lebenden Wildtieres nicht gelöst. Jedes Jahr im Februar/März verlieren die männlichen Hirsche ihre Prachtstücke aus Kalziumphosphat, die mit jedem Lebensjahr größer und verzweigter werden.

Einmal im Jahr trifft sich in Seelensdorf die Bläsergruppe der Hegegemeinschaft „Westhavelland“

Einmal im Jahr trifft sich in Seelensdorf die Bläsergruppe der Hegegemeinschaft „Westhavelland“.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Jan Nickel aus Seelensdorf hatte das Glück eine besonders starke Abwurfstange zu finden. Für seine Entdeckung, die er Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz übergab, gebührte dem Grundschüler auf der 50. Trophäen- und Abwurfstangenschau der Nachwuchspreis. Klaus Reinhardt konnte den zahlreichen Besuchern unter dem Seelensdorfer Glockenturm zwei Passstangen präsentieren. Eine Abwurfstange mit doppelter Eissprosse, für Rotwildkenner eine Rarität, schaffte es ebenfalls auf den langen Tisch mit den vielen Fundstücken. Zu den geehrten Entdeckern gehörten unter anderem Robert und Adrian Lissek sowie Thomas Oertel.

Domstift bekommt Hegepreis

Vorsicht: Wer gezielt nach abgeworfenen Geweihen sucht, macht sich nach dem Bundesjagdgesetz strafbar, sollte keine Erlaubnis des zuständigen Jägers vorliegen. Selbst Zufallsfunde müssen von Spaziergängern oder Wanderern dem Jagdausübungsberechtigten übergeben werden.

Bei der Jubiläumsschau waren erstmals Hundeführer mit ihren vierbeinigen Begleitern anwesend. Den Besuchern wurden Stöber-, Schweiß- und Vorsteherhunde präsentiert. Darunter der weit verbreitete Deutsch Kurzhaar, Bracken, Terrier und Hannoversche Schweißhunde.

Der Hegepreis der Hegegemeinschaft „Westhavelland“ geht 2017 an das Domstift Brandenburg als Eigentümer des Seelensdorfer Domstiftsforstes. Rentmeister Wolfram Diederich nahm den bronzenen Heinrich, eine Rothirsch-Statue, entgegen.

Was 1967 im kleinen Kreis von Familien und Freunden begann, erlebte am Wochenende die 50. Wiederholung. Die Hegegemeinschaft „Westhavelland“, die sich über die drei Altkreise Brandenburg, Rathenow und Nauen erstreckt, zeigte auf der Jubiläumsausstellung anhand zahlreicher Geweihe und Abwurfstangen, wie es um den Rotwildbestand in den 66 zusammengeschlossenen Revieren bestellt ist. „Die großräumige und nachhaltig angelegte Wildbewirtschaftung hat sich ausgezahlt“, ist Domstiftsforstmeister Hinz überzeugt.

Havelsee-Bürgermeister und Steinmetz Günter Noack (l) übergibt an Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz einen granitenen  Gedenkstein zur Jubil

Havelsee-Bürgermeister und Steinmetz Günter Noack (l.) übergibt an Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz einen granitenen Gedenkstein zur Jubiläumsschau.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Nach dem Krieg war der Bestand zwischen Pritzerbe und Stechow, Ribbeck und Päwesin fast völlig ausgerottet. Sieger und Verlierer hatten Hunger. Nur langsam kehrte das Rotwild zurück, so dass es 1964 zur Gründung einer ersten Arbeitsgruppe Rotwildbewirtschaftung kam. Heute leben auf dem 40 000 Hektar umfassenden Gebiet der Hegegemeinschaft rund 250 Tiere, die nach einem streng reglementierten Abschussplan bejagt werden. In den vergangenen 50 Jahren wurden 4000 Stück Rotwild erlegt. Zum Vergleich: Die Zahl entspricht in etwa der Damwildstrecke in Potsdam-Mittelmark in nur einem Jagdjahr.

Jan Nickel zeigt stolz die von ihm gefundene Abwurfstange eines Rothirschs

Jan Nickel zeigt stolz die von ihm gefundene Abwurfstange eines Rothirschs.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Nur wenige Geweihe schaffen es zu einer öffentlichen Ausstellung wie in Seelensdorf. Diesmal war Adolf Schönborn aus Garlitz das Jagdglück hold. Er erlegte 2016/17 den stärksten Hirsch, dessen Trophäe es nach dem Bewertungssystem CIC auf 208 Punkte brachte, was einer hohen Silbermedaille entspricht. Bei einer Vorstellung der aufgesetzten Spitzengeweihe, brach Domstiftsforstmeister Hinz eine Lanze für den Begriff Trophäe, mit dem sich die Öffentlichkeit mitunter schwer tut. Absolutistische Herrscher und Diktatoren hätten die Trophäe mit ihrer Jagdwut in Misskredit gebracht. „Heute sind sie für den Jäger ein Stück Erlebnis. Und sie künden uns vom Entwicklungsstand unseres Wildes. Deshalb nützt es nichts, sich den Keller mit Trophäen voll zu hängen. Man muss sie auch zeigen“, so Hinz.

Trotz eines gesundheitlichen Malheurs ließ es sich der ehemalige Domstiftsforstmeister Robert Hinz nicht nehmen, den Gästen der 50

Trotz eines gesundheitlichen Malheurs ließ es sich der ehemalige Domstiftsforstmeister Robert Hinz nicht nehmen, den Gästen der 50. Trophäenschau für ihr Kommen zu danken.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Erinnert wurde bei spätsommerlichem Sonnenschein an die Gründerväter der Trophäen- und Abwurfstangenschau, die bis in die 1990er-Jahre an die 2000 Besucher anlockte. Der ehemalige Domstiftsforstmeister und Landesforstmeister i.R. Robert Hinz leitete die Veranstaltung 24 Jahre lang. Ein Urgestein der Hegegemeinschaft ist Fritz Weise. Und bis heute im Vorstand vertreten ist Hans-Martin Wilke.

Von Frank Bürstenbinder

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