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Ein windiges Hobby: Stormchasing

Sie haben keine Angst vor Tornados Ein windiges Hobby: Stormchasing

Erst sind sie Jäger, dann die Gejagten. Cevin Dettlaff, Julian Werder, Kevin Hennig und Steffen Lorke betreiben eines der verrücktesten Hobbys im Land – sie sind die Stormcaser Brandenburg. Sie verstecken sich nicht vor Unwettern, sondern stellen sich Blitz, Donner, Hagel und sintflutartigen Regengüssen entgegen.

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So sehen sich die Stormchaser am liebsten: Julian Werder, Kevin Hennig, Steffen Lorke und Cevin Dettlaff vor einer Unwetterfront.

Quelle: privat

Brandenburg an der Havel. Die Stromchaser fahren vor die Gewitterfront und fotografieren das Naturschauspiel. Zur Ausrüstung gehören Windmesser, Handy, Spiegelreflexkamera und HD-Video-Cam. An die 50.000 Bilder und hunderte Gigabyte Filmaufnahmen von spektakulären Wetterunbilden sind in den vergangenen sechs Jahren entstanden. Nicht nur in Brandenburg. In der Freizeit nehmen die vier jungen Männer hunderte Kilometer Anmarschweg in Kauf, um eine Gewitterzelle und ihre Folgen zu dokumentieren. Das kann auch in Bayern oder Hessen sein.

„Andere machen Bungee-Jumping. Wir spüren den Adrenalinschub, wenn wir vor einer schwarzen Wand stehen, die auf uns zurast. Oder wenn rund ums Auto Blitze einschlagen“, schwärmt Julian Werder von der nicht ganz ungefährlichen Freizeitbeschäftigung.

Erst wenn zu viel Wasser den Beobachtungsstandort zu überschwemmen droht, legen die Stormchaser den Rückwärtsgang ein. Oder wenn sich ein Tornado direkt auf die Männer im Auto zubewegt. So einer zum Beispiel, wie er am 13. Juni in Rathenow und Umgebung für Chaos sorgte. Doch an diesem Tag waren die Gewitter-Junkies in Frankfurt (Oder), weil sie dort auf ein fettes Himmelsspektakel gehofft hatten. „Trotz guter Vorbereitung können wir nicht überall sein“, sagt Cevin Dettloff, der zu den Gründungsmitgliedern der Stormchaser Brandenburg gehört.

Unwettervorhersage

Für die laufende Woche sagen die Meteorologen steigende Temperaturen von bis zur über 30 Grad voraus. Die Stormchaser sind auf der Hut, denn lokale Gewitter mit stürmischen Böen und Hagelschauern sind nicht ausgeschlossen.
Die Stormchaser Brandenburg wurden 2010 von Cevin Dettlaff und Julian Werder gegründet. Später stießen Kevin Hennig und Steffen Lorke aus Rädel dazu. Einmal im Monat wird ein Teamtreffen vereinbart. Immer griffbereit sind die Handys mit Wetterradar.
Auf ihrer Internet-Seite informieren die Stormchaser Brandenburg ausführlich über ihr Hobby, zeigen Fotos, Videos und geben Wetterwarnungen. Eine täglich aktualisierte Karte zeigt die Unwettergefahr für ganz Deutschland. Auch die kostenlose Unwetter-BB App ist dort zu haben.

Spannend wird es für die Orkan-Fans immer dann, wenn sich irgendwo über Deutschland dicke Luft zusammenbraut. Feucht und heiß muss es sein, dann herrscht bei den in Brandenburg und Rädel wohnenden Stormchasern Alarmstimmung. Zwischen Mitte April und Ende September ist die Hochzeit für Gewitterfronten.

Schon am Abend vor dem möglichen Einsatz verständigen sich die Männer auf einer Telefonkonferenz, wer wohin fährt. Manchmal sind die Stormchaser zusammen unterwegs, manchmal rasen sie den Unwettern auf getrennten Wegen entgegen. Grundlage für ihre Schlachtpläne sind Wetterkarten des Deutschen Wetterdienstes und anderer Dienstleister.

Dann berechnen die Brandenburger, wann und wo Gewitterzellen eintreffen, ob die dicke Luft das Zeug für einen Tornado hat, und ob sich Menschen vor Hagelschlägen in Acht nehmen müssen. Alles nachzulesen auf der Website der Stormchaser, wo die vier Freunde Unwetterwarnungen und Gefahrenkarten für ganz Deutschland veröffentlichen – samt kostenloser Unwetter-App. Im Internet hat das Quartett mit dem stürmischen Hobby schon viele Fans.

User aus ganz Deutschland schicken Fotos und Videos von spannenden Wetterlagen zwischen Ostsee und Alpen. Die Stormchaser belassen es nicht bei bloßen Gewitterfotos. So wie jüngst in Rathenow dokumentieren sie die Schäden, die Unwetterfronten und Tornados angerichtet haben. Für 2016 wollen die Stormchaser erstmals Kalender und Fotobücher auf den Markt bringen.

Von Frank Bürstenbinder

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