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Einbaum besteht Jungfernfahrt

Auf den Namen Hodika getauft Einbaum besteht Jungfernfahrt

Der Nachbau eines frühzeitlichen Einbaums ist wassertauglich. Hinter dem Boot, das auf den slawischen Mädchennamen Hodika getauft wurde, liegt eine erfolgreiche Jungfernfahrt auf der Havel. Ende Oktober erhält der Einbaum seinen endgültigen Platz auf dem Burghof in Ziesar. In der Nähe war vor rund 80 Jahren das Original entdeckt worden.

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Birgit Fischer (l.), Johanna Brabant-Behnke und Jacqueline Schuster auf Jungfernfahrt mit dem nachgebauten Slawenboot.

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Er schwimmt! Beifall brandete entlang der Sankt-Annen-Promenade auf, als der mit drei Frauen besetzte Einbaum den Stadtkanal passierte. Zahlreiche Schaulustige wollten sich am Sonnabend die Jungfernfahrt des nachgebauten Slawenbootes nicht entgehen lassen. Souverän meisterten Kanu-Ass Birgit Fischer, die Hallenser Archäologin Johanna Brabant-Behnke und die Drachenbootsportlerin Jacqueline Schuster aus Berlin mit ihren Stechpaddeln die Überführung des aus einem Eichenstamm gehauenen Bootes von der Regattastrecke bis zum Anlegesteg unterhalb des Pauli-Klosters.

Wechselvolle Geschichte

Der Einbaum von Ziesar war 1935 von Böttchermeister Willy Wehnemacher bei einer Grabenreinigung im Verlandungsgebiet des Alten Sees nahe der Burganlage entdeckt worden.

1939 wurde der fast neun Meter lange Einbaum aus Eichenholz als Leihgabe an das Kreismuseum Burg übergeben und gelangte 1972 mit dessen Auflösung ohne Absprache mit Ziesar nach Magdeburg, wo das Boot bis 2010 im Kulturhistorischen Museum ausgestellt war.

Nach einem von Ziesar angestrengten juristischen Tauziehen gelangte der Original-Einbaum zurück nach Brandenburg. Der Einbaum gilt als der bedeutendste Fund seiner Art zwischen dem Havelland und Hannover. Ziesar begnügt sich mit einem originalgetreuen Nachbau, der am Wochenende seine Schwimmfähigkeit unter Beweis stellte.

Doch die Leichtigkeit, mit der die drei Damen den 8,60 Meter langen und mehrere hundert Kilo schweren Koloss auf Kurs zu halten schienen, täuschte. „Das Boot neigt zum Ausbrechen. Allein würde ich es nicht unbedingt fahren wollen. Aber wir haben auf Frauenpower gesetzt. Und das hat gut funktioniert“, sagte Birgit Fischer der MAZ.

Spaßgesellschaft trifft auf Slawenboot

Spaßgesellschaft trifft auf Slawenboot.

Quelle: Rüdiger Böhme

Vermutlich haben sich schon vor eintausend Jahren die Slawen zu einer mehrköpfigen Crew zusammengetan, um sich um ihre Fischernetze zu kümmern oder Waren in das nächste Dorf zu bringen. Angehende Ur- und Frühgeschichtler der FU Berlin haben ausgerechnet, dass das 1935 bei Ziesar entdeckte Original etwa 700 Kilo tragen konnte. Ob die alten Slawen in ihrem Boot paddelten oder lieber im Stehen stakten, kann heute niemand mehr sagen.

Bärbel Melzer vom Kulturministerium und Landesarchäologe Franz Schopper taufen den Einbaum mit Met

Bärbel Melzer vom Kulturministerium und Landesarchäologe Franz Schopper taufen den Einbaum mit Met.

Quelle: Rüdiger Böhme

Nach dem problemlosen Anlegemanöver wurde der Einbaum auf den slawischen Mädchennamen Hodika getauft. „Hodika steht für den Transformationsprozess im Zuge der deutschen Vereinnahmung der slawischen Gebiete“, erklärte Christof Krauskopf vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) in Wünsdorf. Sie wurde nach 974 als Tochter eines Slawen geboren, der zum Christentum übergetreten war. Hodika brachte es in Mecklenburg zur Äbtissin eines Nonnenklosters.

Das nach ihr getaufte Boot soll an die slawische Bootsbaukunst erinnern. Es wurde in mehrwöchiger Handarbeit von einem Archäologen-Team nachgebaut und im Rahmen der „Archäotechnica“ des Archäologischen Landesmuseums zu Wasser gelassen. Vorbild war der Einbaum von Ziesar, der sich im Magazin der Landesdenkmalpflege in Wünsdorf befindet. Brandenburgs Landesarchäologe Franz Schopper hält es nicht für ausgeschlossen, dass das Original irgendwann einmal im Landesmuseum einen Platz finden wird. „Doch derzeit fehlen dafür im Paulikloster die baulichen Voraussetzungen“, so Schopper.

Der Original-Einbaum 2010 kurz vor dem Abtransport aus dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg nach Brandenburg/Wünsdorf

Der Original-Einbaum 2010 kurz vor dem Abtransport aus dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg nach Brandenburg/Wünsdorf.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Dafür dürfen sich die Einwohner von Ziesar auf den Nachbau freuen. Am 29. Oktober soll der in Brandenburg mit Met getaufte Einbaum in die Nähe der Stelle aufgestellt werden, wo das Original einst entdeckt wurde. „Wir halten den von vielen Besuchern frequentierten Burghof für einen geeigneten Platz“, kündigte Amtsdirektor Norbert Bartels an. Die Stadt Ziesar beteiligt sich mit 7000 Euro an dem Nachbauprojekt im Rahmen des Kulturland-Jahres 2016 zum Thema „Handwerk“.

Von Frank Bürstenbinder

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