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Brandenburg/Havel Eine Stadt voller Fahrradgeschichte
Lokales Brandenburg/Havel Eine Stadt voller Fahrradgeschichte
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00:20 28.01.2018
Der Sammler und Bastler Günter Bauch führt gern durch seine Ausstellung und kann zu jedem Exponat eine Menge berichten. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Völlig unscheinbar versteckt sich auf einem Hinterhof in der Rathenower Straße 8 ein wahrer Schatz für jeden Interessenten der Fahrradgeschichte der Stadt Brandenburg. Insgesamt bisher 22 Räder zeugen hier von einer Zeit „Als Brandenburg noch eine Fahrradstadt war“. So steht es auf einem Schild über dem Treppenaufgang zum Museum, dessen Ausstellungsstücke ebenso interessant sind wie die Entstehungsgeschichte des Museums.

Leiter Günter Bauch hatte die Räume von seinen Kindern zu Weihnachten 2016 geschenkt bekommen, nachdem seine liebevoll restaurierte Fahrradsammlung im Museum Dreiseitenhof in Grebs aus allen Nähten zu platzen drohte. So zogen die in der Stadt Brandenburg hergestellten Räder der Sammlung in das Haus in der Rathenower Straße, das ab 1895 als Werkstatt eines Tischlermeisters diente, und sich nun seit zwei Jahren in Familienbesitz befindet.

In Brandenburg an der Havel gab es einst eine Vielzahl von Fahrradbauern. Günter Bauch kennt ihr Geschichte und hat zahlreiche Produkte von Brennabor, Corona, aber auch kleineren Betrieben aufbereitet und zeigt sie nun.

Bereits der Torweg ist gespickt mit Bildern zur Stadtgeschichte. Zu sehen sind Motive vom Viertel rund um die Rathenower Straße, Baufunde wie Schlüssel und Schlösser, die während der Renovierungsarbeiten ans Tageslicht traten, aber auch eine Kopie des ältesten Stadtplans Brandenburgs. Einmal im Jahr, zum Höfefest Mitte August, wird der Torbogen zu einer Galerie, in der regionale Künstler ausgestellt werden.

Steigt man daraufhin die Stufen zum Museum empor, erwartet den Besucher eine zunächst überschaubare Sammlung an Fahrrädern aus den verschiedenen Epochen. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich der Sinn fürs Detail, den diese Ausstellung ausmacht.

Vier öffentliche Termine

Die Ausstellung befindet sich in der Rathenower Straße 8 in der Brandenburger Altstadt.

Geöffnet ist sie am 13. Mai von 14 bis 18 Uhr (Internationaler Museumstag), am 18. August von 13 bis 20 Uhr (Höfefest), am 9. September von 10 bis 16 Uhr (Türmetag und Tag des offenen Denkmals) sowie am 27. Oktober von 13 bis 20 Uhr (Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“). Der Eintritt ist frei.

Gruppen und Schulklassen können Termine vereinbaren unter 033207/70861.

Schulklassen bekommen eine Extraführung mit kleinem Quiz zur Fahrradgeschichte der Stadt, das im Anschluss ausgewertet wird.

An den Fahrrädern findet man originale Einkaufsnetze, gefüllt mit Milch- und Bierflaschen sowie Waschmittel vergangener Tage. An einem anderen Drahtesel aus den 30er Jahren hängt ein schwerer Lederkoffer. „Das ist unser Arztfahrrad“, sagt Günter Bauch. Wenn man den Koffer öffnet, befindet sich darin historische Arztutensilien. Doch auch Innenlenkerbremsen, ein klappbarer Kettenschutz, Carbitlampen und eine Kerzenlichtlampe sind zu bestaunen. Anfassen ist hier durchaus erwünscht. Im Museum darf man selbst entdecken, ausprobieren und natürlich auch Fragen stellen.

Die Ausstellung zeigt Fahrräder der Brennaborwerke, die ab den 1880er Jahren Zweiräder herstellten, der Excelsior-Fahrradwerke, die zwischen 1896 bis 1945 produzierten und der Corona-Werke, die 1891 bis 1932 Drahtesel fabrizierte. Neben den drei größten Herstellern gibt es aber auch Fahrräder von weniger bekannten Werken wie Recordia, Europa, Libelle und Trommler zu sehen. Besonders stolz sei Bauch auf ein Exemplar der Corona-Werke von 1899. „Es ist unser ältestes Stück und weltweit das einzige noch existente Fahrrad dieser Marke“.

Teilweise jahrelange Ersatzteilsuche

Er selbst habe sämtliche Fahrräder renoviert und nach mühsamer und teilweise jahrelanger Ersatzteilsuche wieder zusammen geschraubt. Die Sammelleidenschaft traf Bauch vor etwa 40 Jahren jedoch ganz zufällig. „Ich sah irgendwann ein altes Fahrrad in einem Container, das mir vollkommen unbekannt war. Ich nahm es mit und begann zu recherchieren.“ Seitdem hat ihn das Thema Fahrrad nicht mehr losgelassen.

Bauchs Lieblingsfahrrad ist das Modell „Kardinal“ der Excelsior-Werke von 1935. Nicht etwa wegen seiner einzigartigen Form, sondern wegen der Details. Am Fahrrad befindet sich eine Bierhalterung, eine Kiste mit einer Sichel und – sehr pikant – ein Zeitungshalter am Lenker mit einem Magazin der 20er Jahre mit leicht bekleideten Schönheiten. „Man kommt nicht umhin, sich vorzustellen, wie dieser Kleingartenfreund vor 80 Jahren in den Garten fuhr, sich bei ein paar Bieren die Sonne auf den Bauch schienen ließ und in diesem Heftchen blätterte“, sagt Günter Bauch und schmunzelt.

Fahrradmarken der DDR

Momentan wird an einer zweiten Ausstellung im ersten Obergeschoss gearbeitet. Sie wird den Titel „Fahrradland DDR“ tragen und außer Diamant- und Mifa-Rädern auch andere Fahrradmarken der DDR zeigen. Wie gewohnt mit viel Sinn für das Detail.

Von Tobias Wagner

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