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Brandenburg/Havel Eine authentische Prinzessin
Lokales Brandenburg/Havel Eine authentische Prinzessin
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00:24 18.12.2015
Lilly kann nicht richtig schlafen: Sie spürt eine Erbse im Rücken. Quelle: Melanie Höhn
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Brandenburg an der Havel

Was ist das Wesen einer wahren Prinzessin? Sind schöne Kleider ein Muss? Darf sie sich auch für scheinbar männliche Sportarten wie das Fechten interessieren? Das Weihnachtsmärchen „Lilly oder Die Prinzessin auf der Erbse“ möchte Antworten darauf geben und gängige Rollenbilder auflösen. Etwa 450 Grund- und Förderschuler der Region sowie eine Gruppe von Fliedners Wohn- und Werkstätten haben sich am Montagim Brandenburger Theater in die Welt der quirligen Lilly (Nora Decker) hineinversetzt: Sie akzeptiert nicht die gängigen Klischees und möchte sich nicht so verhalten, wie man es von ihr erwartet.

Deckers Spiel ist selbstbewusst und fröhlich, sie verkörpert Lilly als eigenständiges Mädchen, die macht, wonach ihr der Kopf steht und immer ihren Degen dabei hat. Die Prinzessin ist vorlaut, mag keine langen Kleider, trägt Stiefel und ist ständig auf der Suche nach neuen Abenteuern. Ihrer großen Leidenschaft, dem Fechten, möchte sie weiter nachgehen. Ihrem Kindermädchen Albertine (Kristin Graf) gefällt das gar nicht, trotzdem bricht diese mit der jungen Frau zu den großen Schwertkampfmeisterschaften auf. Unterwegs werden sie von Räubern überfallen, die Lilly jedoch nach einem eindrucksvollen Fechtkampf überwinden kann – aufwendige Kostüme, spannende Musik und wechselnde Lichteffekte begeisterten dabei die Kinder im Saal, die lauthals mitfieberten, als Lilly und Albertine schließlich flüchten müssen. Sie erreichen nur das nächstgelegene Schloss.

Dort ist Prinz Lucas (Anton Spieker) auf Prinzessinnen-Schau. Doch irgendwie war für ihn bisher nicht die Richtige dabei: Dornröschen gähnt ihm zu viel und Aschenputtel findet er albern, weil sie immer ihren Schuh verliert. Er wünscht sich eigentlich eine Prinzessin und Partnerin auf Augenhöhe, mit eigener Meinung und dem Herzen am richtigen Fleck. Da kommt die lebhafte Lilly gerade zum richtigen Zeitpunkt. Doch ganz so einfach ist es nicht, Hindernisse lauern überall. Der engstirnige Sekretär des Königs (David Kramer) glaubt nicht, dass Lilly eine Prinzessin ist, denn sie trägt keine prunkvollen Kleider und verhält sich wie ein Mann.

Doch der Zauberer Theobald (Julian Mehne), dessen magische Kräfte gerade durch einen schlimmen Schnupfen außer Gefecht gesetzt sind, sieht in ihr etwas Besonderes: „Ich glaube, es hat etwas mit ihren Augen zutun“, sagt er zu Prinz Lucas: „Eine wahre Prinzessin hat gute Augen. Sie sieht mehr als andere.“ Und tatsächlich: Obwohl es ihr keiner sagt, sieht Lilly den kleinen Buchstaben „Z“ auf seinem Ring und schlussfolgert, dass Theobald nur ein Zauberer sein kann. Als die Prinzessin auf zehn Matratzen übernachtet und dennoch eine Erbse spürt, ist er restlos überzeugt: Nur eine wahre Prinzessin kann so feinfühlig sein. Als der Prinz in ihre grünen Augen schaut, merkt auch er, dass er die Richtige gefunden hat. Doch noch immer sind seine Mutter und der Sekretär des Königs gegen diese Verbindung. Ob sie es schaffen, sie umzustimmen?

Die Aufführung ist für Kinder ab sechs Jahre geeignet. Durch das dynamische, ständig wechselnde und farbenfrohe Bühnenbild und die starken Charaktere bietet das Stück aber auch für große Zuschauer gute Unterhaltung.

Verantwortlich für die Regie und die Theaterpädagogik der Inszenierung war Kerstin Kusch, Tanja Hofmann kreierte das Bühnenbild und die Kostüme. Die Dramaturgie entwickelte Helge Hübner. 2004 wurde „Lilly und die Erbse“ im thüringischen Meiningen uraufgeführt.

Die Vorlage für die Weihnachtsgeschichte von Carolin Jelden schuf der Dichter Hans Christian Andersen schon im Jahr 1837. Der Schriftsteller wurde mit insgesamt 156 Märchen weltberühmt. Als Sohn eines Schusters und einer Wäscherin verbrachte er seine Kindheit in großer Armut. Er wollte unbedingt Schauspieler werden und ging deshalb nach Kopenhagen. Dort hatte er dann das große Glück, Geschichten für das königliche Theater zu schreiben, denn der König von Dänemark erkannte sein Talent. Andersen verfasste zahlreiche Romane, Gedichte und Theaterstücke und wurde der bekannteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks. Carolin Jelden studierte Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaften in München und absolvierte eine Ausbildung zur Jugend- und Heimerzieherin in Heidelberg. Seit 2002 arbeitet sie als freie Autorin und schreibt für Film und Bühne Drehbücher und Kindertheaterstücke.

Info: Weitere Vorstellungen des Stücks werden noch bis Freitag gezeigt, sie beginnen immer um 10 Uhr im Großen Haus des Brandenburger Theaters. Karten gibt es ab 5 Euro, wenige Restplätze vorhanden. Zu bestellen unter  0 33 81 51 11 11.

Von Melanie Höhn

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