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Einer der letzten Fischer auf der Havel

Berufsfischerei Einer der letzten Fischer auf der Havel

Zander und Aal machen sich rar. Dennoch liebt Jörg Mehlhase seinen Beruf. Der 57-Jährige aus Briest (Potsdam-Mittelmark) gehört zu den letzten Berufsfischern auf der unteren Havel. Seinen Arbeitsplatz hat er vom Küchenfenster aus immer im Blick.

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Jörg Mehlhase bei der Arbeit auf der Havel.

Quelle: Bussmann

Briest. Andere müssen pendeln, Jörg Mehlhase (57) hat seinen Arbeitsplatz immer im Blick. Vom Küchenfenster schaut er hinaus auf die Havel vor der Briester Festwiese, wo sein Arbeitsboot für die nächste Ausfahrt bereit liegt. Auch im Hochsommer macht sich der Berufsfischer jeden Tag mit 20 PS auf den Weg zu seinen Stellnetzen und Reusen, die auf überlieferten Fangplätzen zwischen der Plauer Brücke und Bahnitz sowie auf dem Pritzerber See verstreut sind. So weit reichen die eigenen und zugepachteten Fischereirechte. Insgesamt rund 250 Hektar Wasserfläche. Die Gewässerstrecken stehen Mehlhase nicht allein zu. Oft bestehen mehrere Fischereirechte in der so genannten Koppelfischerei.

Was ihn beim Einholen der Fanggeräte erwartet, weiß Mehlhase nie. Es kann Sternstunden geben, wie der 2,20 Meter lange und über 50 Kilo schwere Wels, der vor einigen Jahren die Flossen strecken musste. „Doch der Alltag sieht anders aus. Aal und Zander, die sich gut verkaufen lassen würden, machen sich rar“, berichtet Mehlhase. Und einen starken Hecht gibt es auch nicht alle Tage. Wer brät sich schon noch eine Plötze oder hängt einen Blei in den Räucherofen? Und Camper, die Barsche gleich ab Boot kaufen, gehören auch zur Geschichte. Nicht nur die Fanggründe sind in Bewegung. Die Verbrauchergewohnheiten haben sich ebenso radikal verändert. Größter Feind der Havelfischer ist auch in diesem Jahr das explosionsartig aufwachsende Kraut. „Einige Bereiche sind nicht mehr erreichbar. Stellnetze machen dort keinen Sinn. Es wird immer schwieriger“, weiß der Fischer, der seinen Beruf von der Pike auf gelernt hat. Als einziger übrigens in der alteingesessenen Briester Familie, die einst von Landwirtschaft und Gastwirtschaft lebte. Etwas anderes als Fischer werden, wollte Mehlhase nie: „Ich hatte schon immer eine Wassermacke und will bis heute im Urlaub nicht in die Berge.“ So schwierig die Rahmenbedingungen für seinen Ein-Mann-Betrieb geworden sind, eintauschen möchte er die Freiheit auf der Havel nie und nimmer mit einer Werkhalle oder einer Bürojob.

Weil sich die Fänge rückläufig entwickeln, kauft der Briester Fischer Seefisch dazu und veredelt Heilbutt, Rotbarsch und Lachs zu Fischplatten für festliche Buffets. Heimische Arten will die Kundschaft am liebsten küchenfertig oder als Filet kaufen. Außerdem räuchert Mehlhase regelmäßig Forellen – und natürlich Aale, wenn das Glück mitspielt. Auf Glück allein will sich der Berufsfischer allerdings nicht verlassen. Die Netze müssen ständig in Schuss gehalten, Reusen regelmäßig hochgenommen und getrocknet werden, sollen sie nicht zuwachsen. „Auf mein Fanggerät muss ich mich verlassen können“, so Mehlhase. Angst vor langweiligen Wintern hat er deshalb nicht. Wenn andere einkaufen fahren, verzieht sich der Fischer lieber in seinen Schuppen und flickt Reusen. In Briest übt neben Jörg Mehlhase auch Rainer Puhlmann den Beruf eines Fischers aus.

Von Frank Bürstenbinder

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