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Einheitsfeier: Ein Festakt voller Mahnungen

Brandenburg an der Havel Einheitsfeier: Ein Festakt voller Mahnungen

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit im Brandenburger Dom: Die Redner haben allesamt nachdenkliche Töne angeschlagen. Festredner war Matthias Platzeck, einst Ministerpräsident Brandenburgs. Er forderte eine partnerschaftliches Verhältnis zu Russland und einen besseren Staat.

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Festakt zum Tag der Deutschen Einheit: Matthias Platzeck spricht im vollen Dom, oben im Hochchor warten die Symphoniker auf ihren nächsten Einsatz.
 

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H.  Jubilierende Klänge kamen von den Brandenburger Symphonikern unter der Leitung von Peter Gülke, die Redner indes schlugen nachdenkliche, zuweilen besorgte Töne. Bei aller Freude über die vor 27 Jahren vollzogene Einigung der beiden deutschen Staaten wiegen heute die Bedenken schwer. Das ist aus den Ansprachen beim Festakt am Dienstagabend im Brandenburger Dom deutlich geworden.

Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst warnte davor, dass die Gesellschaft zerfallen könnte. Auf der einen Seite der Bruchlinie stünden die jüngeren Leute. geografisch mobil, offen, in der Welt unterwegs. Ihnen gegenüber stünden die Sesshaften, die sich in der Verantwortung für ihre Umgebung sähen. Es gelte, diese Lager miteinander zu versöhnen. Dafür warb sie: „Die versöhnte Verschiedenheit, das ist das Modell. für das die evangelische Kirche steht.“

Die Prominenz in der ersten Reihe

Die Prominenz in der ersten Reihe.

Quelle: Rüdiger Böhme

Eim weiteres Mal haben der Brandenburger Rotary-Club und Inner-Wheel-Club mit der Stadtverwaltung diesen Festakt auf die Beine gestellt. Es sei wichtig, sich immer daran zu erinnern, „dass wir diesen Tag friedlich und gemeinsam begehen können“, betonte Rotary-Präsident Bernhard Hoier.

Festredner Matthias Platzeck, einst Ministerpräsident des Landes Brandenburg, erinnerte die Zuhörer im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom an die Anstrengungen, die die Menschen in den letzten Monaten vor dem Mauerfall erlebt hätten. Ihm sei eigentlich der 9. Oktober als Einheitstag lieber. Am 9. Oktober 1989 demonstrierten in vielen ostdeutschen Städten die Menschen gegen das Regime. „An diesem Tag entschied es sich“, ist Platzeck überzeugt.

Gespannt lauschten die Zuhörer

Gespannt lauschten die Zuhörer.

Quelle: Rüdiger Böhme

Heute machten ihm zwei Entwicklungen Sorge: „der Erhalt des Friedens auf unserem Kontinent und der Zustand der Demokratie“. Mit Blick auf das Verhältnis zu Russland warb Platzeck ein weiteres Mal dafür, den großen Nachbarn nicht zu verurteilen, sondern ihn auf Augenhöhe anzunehmen und mit gemeinsam die Zukunft Europas zu gestalten. Er habe wahrlich manches an der russischen Staatsführung auszusetzen. Doch ohne gleichberechtigtes Miteinander könne es passieren, „dass sich Russland in einen Nationalismus zurückzieht“.

Mahnende Worte von Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst

Mahnende Worte von Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst.

Quelle: Rüdiger Böhme

Bei der Demokratie sorge er sich , dass Menschen sie ablehnen, weil sie vom Rest der Gesellschaft auf der Strecke gelassen würden, sagte Platzeck. In den Gesprächen mit den Menschen im Land habe er in den vergangenen Wochen viel von ihrem Frust erfahren, von ihren Ängsten. „Für alle, die diesen Menschen zugehört haben, war das Ergebnis der Bundestagswahl so überraschend nicht.“ Er mahnte die Parteien, alle Menschen anzunehmen und ernstzunehmen. Und er bat die Gesellschaft, sich in Parteien zu engagieren und die ehrenamtliche Arbeit der Parteimitglieder in den staatstragenden Gremien anzuerkennen.

In lockerer Runde nach dem Festakt

In lockerer Runde nach dem Festakt.

Quelle: Rüdiger Böhme

Auch habe er von den Leuten auf der Straße und den Wahlkampfauftritten einiges über ihre Sorgen über zu viele Hürden und Regularien gehört. Er teile die Bedenken. Viele Belange seien zu verrechtlicht und überreguliert worden. Deshalb „sollten wir darüber nachdenken, einen zulassenden Staat zu machen als einen alles regeln Wollenden“, sagte Platzeck.

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann versicherte, dass sie ihre Erfahrungen aus dem Wahlkampf in ihre neue Arbeit im Bundestag mitnehmen werde. Die Parteien hätten den Menschen bisher zu wenig zugehört und zu selten deren Sorgen und Ängste wahrgenommen. „Es ist leider wirklich so, dass sich Menschen als Bürger zweiter Klasse empfinden“, sagte sie.

Von Heiko Hesse

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