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Einmal Damaskus und zurück

Edith Meifert-Al-Tilouni auf Heimatbesuch Einmal Damaskus und zurück

Edith Meifert wurde vor 75 Jahren in Ziesar geboren. Während ihrer Ausbildung lernte sie als junge Frau einen Syrer kennen, lieben und ging mit ihm in das arabische Land. Seit drei Jahren lebt die Rentnerin wieder in Deutschland - und schaute jüngst wieder mal in der Heimat vorbei.

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Wo die Heimat am schönsten ist: Edith Meifert-Al-Tilouni schippert mit ihrem Bruder Willi auf der „Pegasus“ über märkische Gewässer.

Quelle: A. Brünink

Brandenburg an der Havel. Ihre Liebe begann in der Leipziger Thomaskirche vor dem Denkmal von Johann Sebastian Bach. Ende der 50er-Jahre war das. Es hat sofort gefunkt zwischen der jungen Edith Meifert, die sich in Leipzig zur Kindergärtnerin ausbilden ließ, und Gelal Hassaki, der 1957 nach Leipzig gekommen war, um seine Facharztausbildung zum Chirurgen zu absolvieren. Sie ist 1940 in Ziesar geboren und aufgewachsen. Er hat 1922 in Damaskus das Licht der Welt erblickt.

Die beiden wären sich nie begegnet, wenn es nicht das Ausbildungsabkommen zwischen der DDR und dem jungen syrischen Staat, der 1948 unabhängig geworden war, gegeben hätte. Schon bald war den beiden klar: Wir wollen heiraten. 1960 haben sie sich getraut und lebten als Ehepaar in Leipzig. Aber nicht lange.

Abenteuer Syrien

„Dableiben in der DDR war nie ein Thema. Für junge syrische Staatsangehörige war es damals ein Ideal, nach abgeschlossenem Studium nach Syrien zurückzukehren und beim Aufbau des Staates zu helfen“, erzählt Edith Meifert-Al-Tilouni, verwitwete Hassaki, die seit 2012 in Kaiserslautern lebt.

1961 war es so weit: Das junge Ehepaar zog nach Syrien zur Familie von Gelal Hassaki, die in Damaskus ein großes Stadthaus besaß mit wunderschönem Innenhof. „Eine andere Möglichkeit hatten wir nicht, denn wir hatten kein Geld“, erinnert sich Edith Meifert. Ihr Ehemann hatte in Leipzig zwar so gut verdient, dass sie meistens gar nicht wussten, wie sie das Geld ausgeben sollten. Nach Syrien mitnehmen durften sie es aber nicht, so dass sie dort völlig mittellos ankamen.

Mittelloser Neustart

Um möglichst schnell finanziell auf eigenen Füßen zu stehen, nahm Gelal Hassaki eine gut dotierte Stelle als Arzt im jungen Staat Algerien an. Was das Ehepaar vorher nicht wusste: Die Ehefrau durfte nicht mit ihm gehen, weil es nach der Unabhängigkeit in Algerien große Unruhen gab. Edith Meifert blieb also allein bei der Familie ihres Mannes in Damaskus zurück. Sie nutzte die Zeit, um Arabisch zu lernen und sprach es bald fließend. Damit erregte sie Aufsehen, weil es für Ausländer ausgesprochen ungewöhnlich war. Einige Jahre später hat sie nach entsprechender Qualifizierung am Goethe-Institut Deutschunterricht gegeben.

„Die Menschen machen sich Vorstellungen vom Leben in einem arabischen Land, die oft von vielen Vorurteilen geprägt sind“, hat Edith Meifert-Al-Tilouni festgestellt. Es gibt in Syrien keine Harems, Vielehen sind verboten. Frauen dürfen sich frei bewegen, müssen sich nicht verschleiern. Das Ehepaar Hassaki hatte einen großen Freundeskreis, darunter viele Deutsche aus Ost und West.

In den Jahren 1964 und 1967 sind ihre beiden Söhne geboren, die zweisprachig aufgewachsen sind. Ihr erster Ehemann Gelal Hassaki ist 1992 70-jährig gestorben. Auch in zweiter Ehe ist sie verwitwet.
Obwohl einer ihrer beiden Brüder – Willy Meifert (Jahrgang 1936) – noch lebt und mit seiner Frau Margrit in Wusterwitz wohnt, ist Edith Meifert-Al-Tilouni 2012 zu guten Freunden nach Kaiserslautern gezogen.

Umzug nach Kaiserslautern

„Ich kenne sie schon so lange, wir waren schon seit Jahren in Syrien befreundet“, erklärt sie. Ihren Bruder treffe sie bei jeder möglichen Gelegenheit, zuletzt anlässlich der Bürgerreise der Kaiserslauterer Delegation vor wenigen Tagen. Drei Dutzend Pfälzer hatten die Gelegenheit der Bundesgartenschau genutzt, die Partnerstadt Brandenburg an der Havel zu besuchen. Bereits Ende Juni wird Edith Meifert allerdings wieder bei ihrem Bruder in Wusterwitz zu Gast sein. Dann feiert sie nämlich in Ziesar ihre diamantene Konfirmation.

Trotz des Bürgerkriegs habe sie lange gezögert, Syrien zu verlassen und war ursprünglich auch nur als Gast nach Kaiserslautern gekommen. Doch nachdem der Bürgerkrieg in ihrer zweiten Heimat Syrien immer heftiger tobte, hat sie sich in Kaiserslautern schließlich eine eigene kleine Wohnung genommen.

Eine Rückkehr nach Syrien schließt sie mittlerweile aus. Ob ihre Wohnung in Damaskus, in der sie ihren gesamten Hausstand zurück gelassen hat, noch existiert, weiß sie nicht.

Von Ann Brünink

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