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Eisbrecher nimmt Kurs auf neue Abenteuer

1904 in Brandenburg gebaut Eisbrecher nimmt Kurs auf neue Abenteuer

Der Historische Hafen ist um eine Sehenswürdigkeit reicher. An der Kaimauer vor der ehemaligen Wiemann-Werft hat der Eisbrecher Tümmler festgemacht. Er wurde 1904 in Brandenburg gebaut. Das Schiff heißt seit ein paar Wochen Professor Otto Lidenbrock. Künftig fährt es neuen Abenteuern entgegen.

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Hafenmeister Kurt Lukat im Steuerhaus des 112 Jahre alten Eisbrechers.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Kurt Lukat hat in seinem Leben schon so manches große Rad gedreht. Doch auf diesem Schiff greift der ehemalige Wasserschutzpolizist mit Ehrfurcht zum Handlauf. Lukat ist Hafenmeister im Historischen Hafen am Packhof. Er steht im Steuerhaus eines deutschen Eisbrechers, der an seinem Geburtsort festgemacht hat. Die Tümmler ist zurück! Für Brandenburg eine kleine Sensation.

Arbeitsreiches Leben

Gebaut wurde der Eisbrecher Tümmler 1904 in der Schiffswerft der Gebrüder Wiemann in Brandenburg an der Havel. Neu getauft wurde das Schiff am 19. Dezember 2015 auf den Namen Professor Otto Lidenbrock an der Kaimauer der ehemaligen Werft, jetzt Heimatort des Vereins „Historischer Hafen Brandenburg an der Havel.“

Ab 1904 Einsatz von Hitzacker aus als Eisbrecher und Schlepper auf der Elbe. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gesunken und 1947 gehoben, in Havelberg instandgesetzt und 1948 der Deutschen Seebaggerei in Rostock unterstellt. Ab 1955 wurde das Schiff vom Wasserstraßenamt Wittenberge wieder auf der Elbe eingesetzt.

Für den Umbau zum Motorschiff wurde die Tümmler 1962 außer Dienst gestellt. Mit einem Schiffsdieselmotor des Typs SKL 8 NVD 36 und einer Leistung von 240 kW kam das Schiff 1964 wieder zum Wasserstraßenamt Wittenberge.

1980 Übernahme durch den Wasserstraßenbetrieb Magdeburg und bis August 2015 im Einsatz für das Wasser-und Schifffahrtsamt Magdeburg. Anmeldungen unter kontor@hanse-crew.berlin

Was dieses 26 Meter lange Schiff in seinem Arbeitsleben geleistet hat, würde ein Regal voller Tagebücher füllen. Als Baunummer 41 lief es im Werftbetrieb der Gebrüder Wiemann vom Stapel. 1904 stellte die Königliche Elbstrom-Bauverwaltung die Tümmler in Dienst. Von Hitzacker aus musste das Schiff Made in Brandenburg als Schub- und Schleppschiff sowie als Eisbrecher malochen. Immer unter Feuer die zweizylindrige Dampfmaschine mit 130 Pferdestärken.

Das alles ist lange her. Vor wenigen Wochen erst hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg die Tümmler in Rente geschickt. Sie machte Platz für moderne Nachfolger. Neuer Eigner des immer noch rüstigen Schiffes ist die Hanse Crew Berlin, eine Vereinigung Gleichgesinnter, die sich sowohl dem maritimen Erbe als auch touristischen Dienstleistungen mit einer ganzen Flotte von Booten verschrieben hat.

Der in Brandenburg gebaute Eisbrecher im Historischen Hafen am Packhof

Der in Brandenburg gebaute Eisbrecher im Historischen Hafen am Packhof.

Quelle: Volkmar Maloszyk

„Einen Ruhestand wird es für die Tümmler nicht geben. Im Gegenteil, wir haben mit dem Schiff noch viel vor“, erklärt Schiffsführer Aaron Bolt, der Gäste wie Kurt Lukat vom Verein Historischer Hafen, nicht ohne Stolz durch die Wiemann-Aufbauten führt. Das neue Leben der Tümmler fängt beim Namen an. Seit der Übernahme heißt der Schlepper Prof. Otto Lidenbrock. Ein langer Name für ein kleines Schiff, doch dahinter steckt Programm. Die Hanse Crew Berlin hat sich bei Jules Verne bedient. Professor Otto Lidenbrock ist die eigenwillige Hauptfigur im Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. So weit muss es die frühere Tümmler nicht schaffen, aber abenteuerlich soll es in Zukunft durchaus zugehen.

Die frühere Tümmler im Einsatz auf der Elbe

Die frühere Tümmler im Einsatz auf der Elbe.

Quelle: Privat

Der Wiemann-Bau soll unter anderem als Expeditionsschiff auf Reisen gehen. „Wir denken da an Filmprojekte oder wasserbegeisterte Menschen, die für einige Zeit an Bord kommen, um Flusslandschaften zu erkunden“, berichtet Schiffsführer Bolt. Für junge Menschen kann die Prof. Otto Lidenbrock zur Bewährungsprobe werden. Wenn sie zum Beispiel lernen müssen auf engem Raum miteinander zurechtzukommen.

Zunächst jedoch wird der Eisbrecher auf der Havel in Brandenburg überwintern. So lange haben Freunde der historischen Schifffahrt die Möglichkeit der Prof. Otto Lidenbrock nach Anmeldung einen Besuch abzustatten. Dass der Schlepper ausgerechnet vor der ehemaligen Wiemann-Werft Station macht, ist Zufall. Die Hanse Crew Berlin hat das Schiff in Magdeburg erworben und vor der Überführung nach Berlin zur Genthiner Werft gefahren. Dort wurde alles abgearbeitet, was zur Beibehaltung des vollständigen Attests als Schub- und Schleppschiff sowie als Eisbrecher erforderlich war. Fast mängelfrei ist das Schiff in alle Prüfungen gegangen.

Eine Reparatur gab es am Propeller, wo fehlendes Material aufgeschweißt wurde, um die Flügelgeometrie wieder herzustellen. Angst vor Eisgang muss die Prof. Otto Lidenbrock nicht haben. Ihr Boden wurde beschallt und für mängelfrei befunden. Bei bis zu elf Zentimetern Bodenstärke hat die einstige Tümmler Eisdicken auf Elbe und Oder von bis zu 50 Zentimeter Stärke geknackt. Der Zwischenstopp in Brandenburg kam auf Einladung des Vereins Historischer Hafen zustande. „Für den Standort eine tolle Bereicherung“, findet Hafenmeister Lukat. Noch einmal dreht er am großen Steuerrad.

Von Frank Bürstenbinder

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