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Eisenbahner-Chor besteht seit 95 Jahren

Kirchmöser Eisenbahner-Chor besteht seit 95 Jahren

So streng sind die Sitten schon längst nicht mehr. Wer vor 95 Jahren die wöchentliche Gesangstunde in Kirchmöser schwänzte, zahlte eine Mark Strafe. Unpünktlichkeit kostete 20 Pfennige Strafe. Auf solche Ideen würde Vereinschef Dieter Engelbrecht sicher nicht mehr kommen. Der Eisenbahner-Männerchor empfängt jeden frühen oder späten Sänger mit offenen Armen.

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70 Jahr, volles Haar, so sitzen sie vor uns, die sangesfrohen Männer des Eisenbahnerchores in Kirchmöser. Der Verein wird 95 Jahre alt.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Kirchmöser . So streng sind die Sitten schon längst nicht mehr. Wer im Gründungsjahr vor 95 Jahren die wöchentliche Gesangstunde in Kirchmöser schwänzte, zahlte eine Mark Strafe. Unpünktlichkeit wurde mit 20 Pfennigen geahndet. Auf solche Ideen würde Vereinschef Dieter Engelbrecht sicher nicht mehr kommen. Der Eisenbahner-Männerchor empfängt jeden frühen oder späten Sänger mit offenen Armen.

Mit dem „Fest der Chöre in Kirchmöser“ begehen die singenden Eisenbahner am 15. Oktober in der „Stube“ ihr 95-jähriges Vereinsbestehen. Der Männerchor ist der letzte Kulturverein in Brandenburgs größtem Ortsteil.

„In Kirchmöser fehlt es den Sängern an Nachwuchs“, schrieb die MAZ vor 25 Jahren. Die damalige Schlagzeile ist noch immer aktuell. Seit rund zehn Jahren bleibt der Nachwuchs aus. Trotzdem geben die 17 Sänger aus Kirchmöser, Plaue und Wusterwitz niemals die Hoffnung auf, wieder jüngere Leute für die neben Fußball schönste Nebensache zu begeistern.

„Wir haben unser Repertoire inzwischen moderner gestaltet und singen auch Karaoke“, versichert der schon seit 1971 amtierende künstlerische Leiter Peter Baasner (74), der seit 50 Jahren Chormitglied ist. In seiner Studiengruppe hatte der gelernte Chemielaborant einst den Spaß am gemeinsamen Singen entdeckt.

Gründung mit 26 „Männern der Sangeszunft“

Der Eisenbahner-Männerchor ist dem Bahn-Sozialwerk angegliedert. Der Betriebschor besteht überwiegend, aber nicht ausschließlich aus ehemaligen Eisenbahnern.

Laut Gründungsprotokoll versammelten sich am 9. Oktober 1921 abends um 7 Uhr in der „Gaststätte des Herrn Riede, Kirchmöser II, Freunde und Männer der Sangeszunft, um einen Gesang-Verein zu gründen“.

24 aktive und zwei passive Sänger erklärten sich zur Mitarbeit bereit, die sie sich zwei beziehungsweise drei Mark Beitrag im Monat kosten ließen.

Einen Frauenchor hat es in Kirchmöser soweit bekannt nie gegeben, wohl aber einen gemischten Chor, der sich allerdings schon vor mehr als 40 Jahren aufgelöst hat.

Andere Mitglieder wie Horst Zibbat (80), der seit 1963 seine Stimme im Männerchor hebt, sind durch Arbeitskollegen zum Gesang gekommen. „Früher war es auch üblich, dass ein Vater irgendwann seinen Sohn mit zu den Proben gebracht hat“, erzählt das Urgestein des Chorgesangs in Kirchmöser. So ähnlich war der Weg bei Dieter Engelbrecht, der bei den Chorproben seines Vaters in Wusterwitz Blut leckte.

Das der Funke generationsübergreifend überspringt, das ist ebenso vorbei, wie die Anfangsjahre des Vereins, der sich bei der Gründung am 19. Oktober 1921 „Männergesang-Verein Liederfreund Brandenburg-West“ nannte und schon bald darauf rund 120 Mitglieder zählte.

Trotzdem, der Spaß und die Inbrunst sind geblieben. Die Genugtuung, wenn das eigene Programm ankommt bei den rund zwanzig Auftritten im Jahr. Die Gewissheit, dass nicht nur das heimliche Lieblingslied „Der Bajazzo“ sitzt und der Chor alle männlichen Stimmlagen aufbieten kann. Und das Selbstbewusstsein, bekannte Melodien mit eigenen Texten eine besondere Note zu geben.

Wer 95 wird, der hat die hundert Jahre bestimmt schon vor dem geistigen Auge, auch wenn der Vorsitzende lieber auf dem Teppich bleibt als ihn vorzeitig auszurollen. „Wir denken von Jahr zu Jahr“, sagt Engelbrecht. Sein Chorleiter Baasner ist gelernter Optimist, er meint: „Wir feiern das Hundertjährige, wenn wir dann noch mit Freude angehört werden. Wir singen, bis es keinen Beifall mehr gibt.“

Eines ist sicher, der Chorgesang in Kirchmöser macht nicht nur Spaß, sondern fördert oder erhält auch den Haarwuchs, Peter Baasner ist das beste Beispiel. Hohe Stirn ja, Glatze nein. der Männerchor singt sich zwar seit Jahr und Tag die Seele aus dem Leib, doch ohne sich dabei die Haare zu raufen.

Information: Der Eisenbahner-Männerchor probt immer mittwochs um 17 Uhr in der „Stube“ in der Bahnhofstraße. Sein Jubiläumsfest der Chöre steigt am 15. Oktober um 14.30 Uhr ebenfalls in der Stube, mit dabei sind der Chor der Magnus-Hoffmann-Schule und der Volkschor Brandenburg..

Von Jürgen Lauterbach

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