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Brandenburg/Havel Architekt wirft der Gemeinde Korruption vor
Lokales Brandenburg/Havel Architekt wirft der Gemeinde Korruption vor
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10:54 19.02.2018
Das Deetzer Sport- und Vereinshaus am Parkstadion nach der Fertigstellung. Quelle: Marion von Imhoff
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Deetz

Der Architekt Chris Rappaport hat am Mittwochabend im Kulturausschuss der Gemeinde Groß Kreutz (Havel) im neuen Deetzer Sporthaus für einen Eklat gesorgt. Er wirft im Zusammenhang mit dem just fertig gestellten Sporthaus der Gemeindeverwaltung Groß Kreutz (Havel) Korruption, Begünstigung und Erschleichung von Fördermitteln vor. Franz Herbert Schäfer (CDU), Ausschussmitglied und Vorsitzender der Gemeindevertreter, wies die Vorwürfe scharf zurück.

Der Groß Kreutzer Bürgermeister Reth Kalsow (CDU) schloss am Donnerstag strafrechtliche Schritte gegen Rappaport nicht aus. „Ich bin entsetzt über die völlig falschen Anschuldigungen.“

„Hier spricht jemand, der enttäuscht ist, dass er den Auftrag nicht bekommen hat“, so Schäfer im Ausschuss. Er könne die persönliche Enttäuschung Rappaports verstehen, „aber das ist ganz miserabler Stil, Chris“. Rappaport, der als sachkundiger Bürger im Kulturausschuss sitzt, wirft der Gemeinde vor, Rechnungen ungeprüft überwiesen zu haben. Die Baukosten hätten sich verdoppelt zu den ursprünglichen Kalkulationen. Er sprach von Planungsfehlern. „Es kann nicht sein, dass Handwerker doppelt so hohe Rechnungen stellen wie geplant“. So habe eine Firma das Fundament anfangs falsch gelegt und nicht berücksichtigt, dass es sich bei dem Grundstück um eine Hanglage handele. Ein zweiter Handwerker habe das ausgeglichen, aber beide seien bezahlt worden, so Rappaport.

Chris Rappaport macht der Gemeinde Groß Kreutz (Havel) schwere Vorwürfe. Quelle: privat

Das Gebäude ist für 455 000 Euro gebaut worden (MAZ berichtete). Nach Angaben von Marlis Siegemund vom Bauamt der Gemeinde, übersteigt es mit rund 50 000 Euro die ursprünglich kalkulierten Kosten. 304 969,23 Euro kommen nach Gemeindeangaben aus dem EU-Leaderförderprogramm für ländliche Entwicklung. Der offizielle Titel des Bauvorhabens lautet denn auch: „Ländliches Gesundheitshaus in Deetz“. Am Eingang prangt nun das Schild „Sporthaus am Parkstadion“, umrahmt von dem Vereinslogo des FC Deetz, das auch sämtliche Fenster verziert.

Leader-Fördermittel angeblich erschlichen

„Kein Raum hier ist für die Gesundheit“, sagte Rappaport. „Ich habe den Eindruck, das die Förderstelle betrogen werden sollte.“ Er wünsche sich nicht, dass die Gemeinde Fördergeld zurückzahlen müsse. Aber der Name des Bauvorhabens „war der Fehler von Anfang an“.

Franz Herbert Schäfer (CDU) ist Vorsitzender der Groß Kreutzer Gemeindevertreter. Quelle: Jens Steglich

Während Norbert Stein, in der Gemeindeverwaltung zuständig für die Bauleitplanung, zu Rappaports Anklage durchweg schwieg, hielt Schäfer weiter dagegen: In drei Gemeindevertretersitzungen seien die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker von der Verwaltung über die Kostenentwicklung des Baus informiert worden. Das bestätigte auch Ausschussvorsitzender Thorsten Rocksch (CDU). Es gebe keine Verdoppelung der Kosten, so Schäfer. „Du hast wohl lange keinen Auftrag gehabt, sonst wüsstest du, wie die Handwerkerkosten angezogen haben“, griff Schäfer Rappaport an.

Gemeindevertreter widersprechen Rappaport

An das Gremium gewandt sagte er: „Dann soll er (Rappaport, Anm. d. Red.) Anzeige erstatten und die Staatsanwaltschaft klärt das.“ An den Vorwürfen sei nichts dran. Rappaport ziehe ein wichtiges Gemeindeprojekt in den Dreck und rede es herunter. „Das geht überhaupt nicht.“ Silvia Beich (CDU), Ortsbeirätin in Schenkenberg, verteidigte die Baukosten: „Das ist alles nicht prunkmäßig gebaut, sondern funktional.“

Dennie Rufflett, Vorsitzender des FC Deetz mit 240 Mitgliedern und Gastgeber an diesem Abend, berichtete von der vollen Auslastung des Hauses mit Sportaktivitäten. Am 18. Mai soll das Gebäude offiziell eingeweiht werden. „Wir sind glücklich, dass wir jetzt dieses feste Haus haben. Wir haben hier über 20 Jahre eine Riesenanlage aufgebaut, die nun mit dem Haus weitere Jahrzehnte hält.“ Der neue Anbau des bestehenden Vereinshauses ersetzt mehrere Container.

Von Marion von Imhoff

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