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Nur 16 Stromfahrer düsen durch Brandenburg

Elektromobilität Nur 16 Stromfahrer düsen durch Brandenburg

Nur rund 30.000 batteriegetriebene Autos sind auf Deutschlands Straßen unterwegs, die Bundesregierung ist weit entfernt von ihren Zielen. Auch für die Stadt Brandenburg sind die Zahlen ernüchternd. Hier sind laut Verwaltung lediglich 16 reine Elektrofahrzeuge zugelassen.

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Carsten Stelzig und sein E-Smart sind morgens immer startklar.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020, das war schon 2009 ein ziemlich ambitioniertes Ziel, als es die Bundesregierung erstmals formulierte. Sechs Jahre später sind in ganz Deutschland gerade einmal rund 30 000 batteriegetriebene Autos auf den Straßen und Pessimisten bezweifeln, dass diese sich jemals durchsetzen werden.

Auch für die Stadt Brandenburg sind die Zahlen mehr als ernüchternd: „In der Stadt Brandenburg an der Havel sind derzeit 16 reine Elektrofahrzeuge zugelassen“, teilt Verwaltungssprecherin Angelika Jurchen mit. Immerhin ist die Tendenz auf sehr niedrigem Niveau leicht steigend. Das erste E-Auto hat die Zulassungsstelle im Jahr 2009 registriert.

Im folgenden Jahr gab es keinen Zuwachs und in den Jahren 2011 bis 2013 nur jeweils ein einziges Elektroauto. Der kleine Schub kam 2014 mit vier E-Autos und 2015 mit sieben Fahrzeugen. In diesem Jahr ist in der Stadt Brandenburg ein Auto hinzugekommen.

Ernüchternde Zahlen in der Stadt Brandenburg

Ein überzeugter -E-Autofahrer ist der Brandenburger Carsten Stelzig (57). Als ein auf Photovoltaikanlagen spezialisierter Unternehmer hat er schon von Berufs wegen eine Nähe zu alternativer Energienutzung. Tanken beziehungsweise aufladen ist für ihn kein Problem. Zu Hause füttert er seinen E-Smart allabendlich kostenlos mit dem Strom der eigenen Photovoltaikanlage, so dass der Wagen am nächsten Morgen wieder startklar ist.

„Das Fahren als solches macht ganz anders Spaß als mit anderen Autos“, schwärmt der Solarunternehmer. An Ampeln und Kreuzungen überlegt das Elektroauto keinen Moment lang, ehe es weiter geht. „Die Motorkraft ist sofort da“, berichtet der Diplom-Ingenieur. Er schätzt das ruhige Beschleunigen, die ganze Handhabung, das „schöne Fahren ohne Motorengeräusche“ mit einer Geschwindigkeit von bis zu 125 Stundenkilometern.

Carsten Stelzig räumt ein, dass E-Autofahrer ihre Touren planen und bei langen Strecken vorab feststellen müssen, wo sich Ladestationen befinden. Eine Stromladung reicht bei seinem Wagen im Sommer etwa 120 bis 140 Kilometer weit, im Winter sind es mit geöffneter Heizung weniger. Die Reichweite liegt bei 80 bis 100 Kilometern.

Kostenloses Parken noch nicht geplant

Seit Juni 2015 steht es den Kommunen frei, Nutzern von E-Autos kostenloses Parken oder die Nutzung von Busspuren zu gestatten. Da die Zulassungszahl der E-Autos derzeit noch sehr gering sei, gewährt die Stadtverwaltung solche Vergünstigungen bisher nicht, heißt es.

Tesla ist der weltweit erfolgreichste E-Autohersteller, allein 2015 hat das Unternehmen weltweit mehr als 50 000 Fahrzeuge verkauft. Allerdings sind diese Autos teuer. Der Einstiegspreis liegt in Deutschland bei etwa 70 000 Euro.

Der Vorschlag, Käufer von Elektrofahrzeugen mit 5000 Euro zu unterstützen, hat sich beim Elektromobilitäts-Gipfel der Bundesregierung Anfang Februar nicht durchgesetzt.

Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) gab es im Dezember 2014 in Deutschland 5553 öffentliche Ladestationen für das Normalladen und 102 Stellen zum Schnellladen. Für das Jahr 2020 hat die NPE einen Bedarf von 70 000 öffentlichen Ladepunkten und 7100 Schnellladesäulen ermittelt.

Mit einer „Ladesäulenverordnung“ will die Bundesregierung nun eine Standardisierung für öffentlich zugängliche Ladestationen erreichen. Ziel ist es, bis 2020 28 000 normale und 7000 Schnellladestationen aufzubauen, vor allem entlang der Autobahnen und in Ballungsräumen.

Mit der heimischen Zapfsäule, den Ladestationen der Stadtwerke am Packhof und am Hauptbahnhof sowie der Aral-Tankstelle in Wollin kommt er in der näheren Umgebung gut zurecht, zumal er seine Arbeit so gestalten kann, dass mehrstündiges Aufladen kein Problem darstellt.

„Pendler in einem Umkreis von 20 bis 50 Kilometern sind für das E-Auto prädestiniert“, sagt Carsten Stelzig. Die Anschaffungskosten für das kleine E-Auto liegen bei 22- bis 25 000 Euro. Strom ist trotz des aktuellen Preisverfalls günstiger als Benzin oder Diesel. Wo es keine kostenlosen Ladestationen gibt, bezahlt der E-Autofahrer für 100 Kilometer etwa vier bis fünf Euro Stromkosten, also nur etwa die Hälfte von Benzinern.

Kosten sind geringer als bei Benzin-Autos

Seit 2014 hat Carsten Stelzig seinen E-Smart, Reparaturen wurden noch nicht fällig. Die Bremsen werden mit Elektorantrieb geschont und halten länger. Der Akku ist für 50 Euro gemietet und wird getauscht, wenn er unter 85 Prozent abfällt.

Während sich der Brandenburger landauf, landab stromschnurrend fortbewegt, kommt die Stadt im Gegensatz zu etwa Königs Wusterhausen, Trebbin und Ludwigsfelde noch nicht im Elektrorhythmus voran. Auf die Brandenburger Verwaltung seien keine Elektrofahrzeuge zugelassen und sie habe auch keine Elektrofahrzeuge mehr in Gebrauch, teilt Angelika Jurchen mit.

Allerdings nutze die Verwaltung derzeit zwei E-Bikes wetterabhängig für Kurzstrecken im Stadtgebiet. Es handelt,sich um Leihgaben der Stadtwerke. Die Verwaltungssprecherin: „Über künftig veränderte Ausrichtungen zur Nutzung von Fahrzeugen mit anderen als benzin- oder dieselbetriebenen Motoren werden derzeit in der Verwaltung strategische Überlegungen angestellt.“

Von Jürgen Lauterbach

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