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Brandenburg/Havel Elias’ Mörder in die JVA Brandenburg verlegt
Lokales Brandenburg/Havel Elias’ Mörder in die JVA Brandenburg verlegt
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00:24 30.09.2018
Vor zwei Jahren wurde Silvio S., Mörder der Kinder Elias und Mohamed, im Landgericht Potsdam zu lebenslanger Haft verurteilt. Quelle: Julian Stähle
Brandenburg/H

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Elias-Mörder Silvio S. (35) musste aus der JVA Luckau-Duben verlegt werden. Seit etwa zwei Wochen verbüßt er seine Haftstrafe in Brandenburg/Havel. Der Grund: Einer der beiden berüchtigten „Störche“, also die Strafgefangenen, über die vor fünf Jahren Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) gestürzt ist.

Am 26. Juli 2016 hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam den aus Jüterbog stammenden Silvio S. für den Mord an dem sechsjährigen Elias aus Potsdam sowie dem vierjährigen Mohamed aus Berlin zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Seine Strafe verbüßte der Kindermörder seither im Gefängnis Luckau-Duben, das im jüngsten Vollstreckungsplan des Justizministeriums als „Langstrafenanstalt“ vorgesehen ist.

Gründe der Verlegung bislang unklar

Warum Silvio S. dort nicht länger bleiben konnte, verrät das Ministerium nicht. Ein Sprecher begründet das mit dem Persönlichkeitsschutz, was eine ganz übliche behördliche Erklärung in schwierigen Fällen ist.

Aus informierten Kreisen verlautet gleichwohl, dass der Grund für die Verlegung des Elias-Mörders dessen allzu enger Kontakt zu Detlef N. (61) gewesen sei.

„Die Störche“: Hochzeit im Knast

Detlef N. verbüßte bis 2013 seine lange Haftstrafe in der JVA Brandenburg/H., wo er seine sieben Jahre jüngere Mitgefangene Rene N. heiratete. Beide sind Schwerverbrecher, beide bauten eine Hausmacht im Knast auf. Gemeinsam hatten sie neben vielen anderen Verbrechen im Jahr 1999 ein 13-jähriges Mädchen entführt, gefoltert und vergewaltigt.

Im Brandenburger Knastleben war das Verbrecherpaar ausgesprochen einflussreich. Die beiden genossen in der JVA auf dem Görden den Ruf, permanent andere Gefangene in ihre Abhängigkeit zu bringen und zum eigenen Vorteil unter Druck zu setzen. Der knastinterne Spitzname entstand schon zu DDR-Zeiten: „die Störche“.

Detlef N., der große Storch, musste den Görden und seinen Partner im Winter 2013 verlassen, während René N. dort in der Sicherungsverwahrung zurückblieb. Etwa zur gleichen Zeit trat der damalige Justizminister Volkmar Schöneburg zurück. Beides hängt zusammen.

Im Landgericht Potsdam fand der Prozess gegen Silvio S. statt.

Der „große Storch“ hat Silvio S. unter seine Fittiche genommen

 Denn dem ersten linken Justizminister im Land war seine allzu große Nähe zu den beiden Schwerverbrechern, die in seiner Zeit als Rechtsanwalt seine Mandanten waren, zum Verhängnis geworden.

Was genau in der JVA Luckau-Duben vorgefallen ist in Bezug auf den Mörder des kleinen Elias, das ist nicht bekannt. Nach zuverlässigen Informationen der MAZ hat der „große Storch“ Silvio S. unter seine Fittiche genommen. Ob Detlef N. dabei eine Beziehung zu dem Mitgefangenen eingegangen ist oder ihn im Gefängnis gar anschaffen geschickt hat, darüber gehen die Angaben auseinander.

Die JVA Brandenburg ist eigentlich nicht der richtige Platz für den zu lebenslangem Gefängnis verurteilten Silvio S. Denn dorthin sollen Sexualstraftäter mit Freiheitsstrafen nur bis zu zehn Jahren zugewiesen werden.

Die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen

Die MAZ hat alle wichtigen Informationen zu den Mordfällen Elias und Mohamed auf einer Sonderseite zusammengefasst, beginnend mit dem Tag im Juli 2015, als Elias entführt wurde.

Der Mörder der beiden Kinder Elias und Mohamed muss für wahrscheinlich mindestens 25 Jahre im Gefängnis bleiben.
Am 28. Juni 2017 verpflichtete der Bundesgerichtshof in Leipzig das Landgericht Potsdam zu entscheiden, ob gegen den 34-Jährigen Sicherungsverwahrung verhängt wird. Die Potsdamer Richter hatten in ihrem Urteil die von der Ermittlungsbehörde geforderte Sicherungsverwahrung verweigert.

15 Monate nach der BGH-Entscheidung hat die zuständige 5. Strafkammer des LG Potsdam noch keinen Termin zur Verhandlung über die Sicherungsverwahrung bestimmt. Derzeit sei auch nicht absehbar, wann die Kammer ein Zeitfenster haben wird, teilt Gerichtssprecher Sascha Beck mit.

Die sozialtherapeutische Abteilung (Sotha) in der JVA Brandenburg, die auch Sexualverbrecher mit langen Haftstrafen behandelt, kommt für Silvio S. eigentlich zu früh.

Denn das einschlägige Justizvollzugsgesetz sieht vor, dass die Unterbringung in der Sotha zu einem Zeitpunkt erfolgen soll, „der entweder den Abschluss der Behandlung zum voraussichtlichen Entlassungszeitpunkt erwarten lässt oder die Fortsetzung der Behandlung nach der Entlassung ermöglicht“.

Silvio S. hat erst einen Bruchteil seiner Haftstrafe verbüßt

Beides liegt noch so fern. Silvio S., bei dem die Richter die besondere Schwere der Schuld festgestellt haben, hat erst einen Bruchteil seiner Haftstrafe verbüßt. Zudem steht noch die Entscheidung aus, ob er über die 20, 25 oder noch mehr Haftjahre hinaus in Sicherungsverwahrung genommen wird und in dem Fall auf unbestimmte Zeit hinter Gittern bliebe.

Dennoch durchläuft der Brandenburger Neubürger Silvio S. an seinem neuen Heimatort zu diesem frühen Zeitpunkt ein Motivationstraining für die Sozialtherapie, die sich in seinem Fall gegebenenfalls über 15 oder 20 Jahre erstrecken müsste.

Dabei ist unklar, wie lange der 35-Jährige in der JVA Brandenburg bleiben wird. Das Ministerium äußert sich auch zu diesem Punkt nicht.

Alle Infos zur Suche nach Elias unter maz-online.de/elias

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