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Elli Schröder hält ganz Gollwitz zusammen

Filmreife Zeiten Elli Schröder hält ganz Gollwitz zusammen

Was steht in Gollwitz, ist seit mehr als zwanzig Jahren geschlossen, öffnet trotzdem immer wieder und wird von einer guten Seele zusammengehalten? Das Gasthaus Schröder in der Schlossallee erzählt viele Geschichten. Elli Schröder, vor gut 90 Jahren im Ort geboren und dort aufgewachsen, kennt sie alle.

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Elli Schröder (Bildmitte) im Kreise ihrer Weggefährten von der Volkssolidarität.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Gollwitz. Was steht in Gollwitz, ist seit mehr als zwanzig Jahren geschlossen, öffnet trotzdem immer wieder und wird von einer guten Seele zusammengehalten? Das Gasthaus Schröder in der Schlossallee erzählt viele Geschichten. Elli Schröder, vor gut 90 Jahren im Ort geboren und dort aufgewachsen, kennt sie alle.

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Gollwitz ist mit Wust der jüngste Ortsteil der Stadt Brandenburg und der zugleich der am weitesten an der östlichen Stadtgrenze gelegene Ortsteil. Er hat etwa 470 Einwohner, die Bewohnerzahl war in den vergangenen Jahren leicht steigend. Bedeutendes Bauwerk ist das Schloss Gollwitz, das im April 2009 nach einer Komplettsanierung eröffnete.

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Die Silberhochzeiten im großen Saal gefielen der Ur-Gollwitzerin immer besonders. „Bei den grünen Hochzeiten kannten sich die Gäste noch nicht richtig, das war 25 Jahre später ganz anders, da herrschte Hochstimmung“, erzählt die Gastwirtin. Eine bestimmte grüne Hochzeit ist ihr gleichwohl in Erinnerung geblieben, weil die beiden Schwiegerväter aufeinander losgegangen waren und Ehemann Werner Schröder die Streithähne trennen musste.

Elli führte Gastwirtschaft im Zentrum

Am 1. Mai 1964 öffneten Elli und Werner Schröder, die 1947 geheiratet hatten, ihre Gastwirtschaft im Zentrum des Dorfes, die Vorgängerin sei bankrott gegangen. Das Gollwitzer Paar baute das Lokal aus, schuf den Saal mit offiziell 165 Plätzen, später auch die Veranda. Bei machen LPG-Erntefeiern drängten sich im Saal bis zu 250 Gäste.

„Die ganzen Genossen kamen, aus Brandenburg und von weit her“, erinnert sich Elli Schröder. Von den vielen LPG- und Familienfesten, die sie im Laufe der Jahrzehnte bewirtet hat, wünschte sich die 90-Jährige Filmaufnahmen. „Die würde ich mir jeden Abend ansehen“, versichert die Frau, der man für mindestens 15 Jahre jünger halten würde.

Dabei war aller Anfang schwer. „Es gab ja niemanden, der mich in die neue Tätigkeit eingeführt hätte“, sagt Elli Schröder. Ihr Ehemann war Fleischer, also auch nicht unmittelbar vom Fach. Elli Schröder erwarb den Kellnernachweis und qualifizierte sich als Gaststättenleiterin. Die Familie erlebte sehr schöne Jahre in ihrer Gaststätte. Sohn Lothar kam später hinzu, als gelernter Koch war der Küchenchef und „Lehrmeister“ seiner Mutter.

Aller Anfang war einst schwer

„Meine Lunge müsste eigentlich schwarz sein“, sagt die Seele des Dorfes. Vor lauter Rauch habe sie vor allem Freitagabends die Theke nicht gesehen. Gegen 17 Uhr kam der erste Gast, Stunde um Stunde füllte sich das Lokal. Jeder versicherte, gleich wieder nach Hause zu gehen. „Um Mitternacht standen sie aber immer noch am Tresen“, erzählt die Nichtraucherin.

Einige der Gäste zogen sich zurück nach hinten. Dort gab es eines der zu DDR-Zeiten wenigen Telefone im Ort. Man telefonierte in den Westen und wurde dabei in Ruhe gelassen.

Von Elli Schröders Erfahrung und den großzügigen Räumen profitieren viele Gollwitzer noch heute. Auch wenn der Gaststättenbetrieb nach dem Tod des Ehemannes und des Sohnes in den neunziger Jahren längst geschlossen ist, wissen viele Dorfbewohner, dass Elli Schröder ihre Tür zur guten alten Zeit gelegentlich gern öffnet.

Einmal im Monat treffen sich die Alten

Einmal im Monat kommen etwa 20 betagte Bürger, die jüngsten von ihnen Mitte bis Ende 70. Ingeborg Zeidler, Herbert Schenk, Helmut Konrad und die anderen früheren Aktiven der Volkssolidarität treffen sich zu Kaffee und Kuchen bei Elli Schröder.

Die Feuerwehr, von der die Chefin in den höchsten Tönen schwärmt, feiern Fasching im großen Saal, der Anglerverein trifft sich in der ehemaligen Gaststätte zum Preisskat, an manchen Sonnabenden regiert Rommé und wenn die eigene Enkeln Jugendweihe hat, wird natürlich auch bei Elli Schröder gefeiert.

Das Dorf hat noch 500 Einwohner

Gollwitz hat 500 Einwohner, das hat Elli Schröder schon einst in der Schule gelernt. „Gollwitz hat sich bautenmäßig verändert, aber die Einwohnerzahl ist unverändert“, sagt sie zu recht, sieht man einmal von einem zwischenzeitlichen Knick ab.

Von den „Alten im Dorf“, das sind rund 120, kennt die Frau mit ihren 90 Jahren Gollwitz-Erfahrung alle. Und wer kommen konnte – von den Feuerwehrleuten bis zu den Anglern –, der kam am 13. November 2015 in die Schloßallee 58, um der fitten Nachbarin zum 90. Geburtstag zu gratulieren. Ihre Eier muss Elli Schröder nicht im Supermarkt kaufen, die bezieht sie noch immer von den eigenen zehn Hühnern.

Von Jürgen Lauterbach

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