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Ensikats Texte aktueller denn je

Brandenburg an der Havel Ensikats Texte aktueller denn je

Im Gelben Salon des Fontane-Klubs in Brandenburg an der Havel haben die Schauspieler Bastienne Voss und Wolfgang Winkler am Samstag Texte des 2013 verstorbenen Satirikers Peter Ensikat vorgetragen. Rund 50 Zuschauer hörten zu und stellen fest, dass die Beiträge nicht an Aktualität verloren haben.

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Wolfgang Winkler und Bastienne Voss trugen die Texte vor.

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg/H. Manches stößt auf. Zu Zeiten ihrer Entstehung sollten sie die gesellschaftlichen Zustände satirisch kommentieren. Manchmal hören sich Textpassagen von Peter Ensikat allerdings an wie Hasskommentare auf Facebook, gegen die der Staat dieser Tage versucht vorzugehen. Ist das Klatschen des Publikums bei jenen Texten, die den Rassismus in den 1990er Jahren aufs Korn nehmen möchte, deswegen so zögerlich? Und dennoch: dem Zuhörer wird durch die radikale und offene Sprache der Dialoge, in denen Ensikat besonders Texte zu jenem Thema konzipiert hat, die Absurdität des Fremdenhasses sehr bewusst. Sie mögen deswegen aufstoßen, weil sie nach über 25 Jahren aktueller sind denn je.

Auf dem Podium im Gelben Salon des Fontane-Klubs lasen am Samstagabend der Schauspieler Wolfgang Winkler und seine Kollegin Bastienne Voss Dialoge, Gedichte und Lieder des verstorbenen Kabarettisten Peter Ensikat. Die Beiträge sind in dem Sammelband „Glaubt mir kein Wort“ erschienen und entstanden in den Jahren 1969 bis 2008 für das Berliner Kabaretttheater Distel. Voss hatte es als Ensikats einstige Lebenspartnerin im Herbst 2015 selbst herausgegeben.

In den 1970er und 80er Jahren war Peter Ensikat der meistgespielte Kabarettautor der DDR. Er wurde mit Preisen überhäuft und gastierte zu jener Zeit auch im Westen. Von 1999 bis 2006 war er zudem künstlerischer Leiter der Distel. Im Jahr 2013 starb er in Berlin.

„Guter Beschreiber der deutsch-deutschen Nachwendezeit“

Der Mensch kommt in Ensikats Texten selten gut weg, der Staat schon gar nicht. Etwa dann, wenn er Anfang der 90er schreibt, ARD und ZDF werden abgeschafft und der Bundesnachrichtendienst bestimmt fortan, welche Nachrichten die deutschen Bürger zu interessieren haben. Da berichtet er etwa, dass die Angleichung der Lebensqualität in Ost und West große Fortschritte macht – in München lebte es sich demnächst wie in Bitterfeld.

Immer wieder wird die Aktualität der Beiträge bewusst. „Ich weiß, wie sehr man sich irrt, wenn man fest daran glaubt, im Recht zu sein“, schrieb er 1993 und kommentierte mit dem Beitrag, aus dem diese Sätze stammen, den Solidarpakt. „Die einzige historische Wahrheit, die bisher unwiderlegt ist, heißt: Irren ist menschlich. Ich denke – also bin ich ein Irrtum.“

Die etwa 50 Zuschauer waren begeistert. „Ich finde ihn gut“, sagte Detlef Herbst aus Werder. „Mir haben besonders die Gesangseinlagen gefallen. Er war einfach ein guter Satiriker und Beschreiber der deutsch-deutschen Nachwendezeit.“

Von Annika Jensen

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