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Brandenburg/Havel „Entführung aus dem Serail“ in Brandenburg
Lokales Brandenburg/Havel „Entführung aus dem Serail“ in Brandenburg
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00:17 24.05.2017
Die Leiter ist die rettende Idee: Szene aus „Die Entführung aus dem Serail“ am Wochenende im Brandenburger Theater. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Das weite Meer ruft zur Flucht. Aber zunächst muss dem türkischen Serail entkommen. Kein Zaun oder eine Mauer, kein Schlupfloch ist in der großen Halle des Palastes von Bassa Selim zu finden. Alle Türen und Tore haben verschlossene schwere Eisengitter.

Auch in der Aufführung von Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ des Staatstheaters Cottbus, die am Freitag und am Sonntag im Brandenburger Theater gezeigt wurde, ist eine überdimensioniert große Leiter die rettende Idee. Über sie steigen die gefangenen Frauen Konstanze und Blonde ihren Liebhabern Belmonte und Pedrillo in die Freiheit versprechenden Arme.

Treue und Standfestigkeit werden auf die Probe gestellt

Doch das Glück scheint nicht auf ihrer Seite zu sein. Der Haremswächter Osmin nimmt sie in seine Fänge. Er will blutige Rache an den Christenmenschen. Blonde, die mit Konstanze und ihrem Liebhaber Pedrillo von Piraten gefangen genommen und am Bassa Selim verkauft wurden, gibt dem Peitsche schwingenden Osmin selbstbewusst in Sachen Liebe eine Absage. Konstanze entwickelt aber gegenüber Bassa Selim durchaus Liebesgefühle. Treue und Standfestigkeit werden auf die Probe gestellt.

Blumen am Boden. Quelle: JACQUELINE STEINER

Konstanzes Zerrissenheit steht im Mittelpunkt der Inszenierung von Staatstheater-Intendant Martin Schüler. Er macht klar: So einfach ist es mit der Liebe nicht. Mozarts nur scheinbar harmlose „Türkenoper“ wird nicht vordergründig in die gefährliche Gegenwart übertragen, um die Konflikte zwischen Muslimen und Christen, zwischen Morgen- und Abendland in den Blick zu nehmen.

Dies gelingt einleuchtend, weil die ernste Problematik nicht überzogen wird und die Balance zwischen heiteren und bedrohlichen Szenen gewahrt bleibt. Gundula Martin hat dazu ein Bühnenbild entworfen, das Einblick in eine edle architektonische Kultur in der Türkei gibt. Sebastian Wirnitzer spielt den in Architektur verliebten Bassa Selim, der aber ein gefahrlicher Machtmensch mit Macho-Allüren und gefühlvoller Vater seiner Kinder ist. Solange Konstanze sich seinem Werben gegenüber offen zeigt, gibt er sich großzügig. Er wird allerdings sofort aggressiv, wenn sie sich ihm entzieht.

Szene aus der Oper. Quelle: JACQUELINE STEINER

Laila Salome Fischers Konstanze-Darstellung versucht das Hin und Her ihrer gemischten Gefühle sichtbar zu machen, doch es gelang ihr vor allem mit der Stimme. Der Rolle wurden wohl einige der schwierigsten Arien der Oper von Mozart zugeordnet. Besonders bei dem Paradestück „Martern aller Arten“ nimmt sie die Koloraturen und hohen Töne mit Leichtigkeit.

Kraftvoll und nuancenreich

Ihre Zofe Blonde ist bei Ludmila Lokaichuk nicht minder kämpferisch, dazu keck und witzig. Und sie singt ihre Partie jenseits von Soubretten-Gehabe, sondern klar und verführerisch. Der Belmonte ist in dieser Inszenierung eher ein Langweiler, doch Garrie Davislim singt ihn kraftvoll und nuancenreich.

Blondes Verlobter Pedrillo wird von Hans Kittelmann gespielt, der für seinen Cottbuser Kollegen Hardy Brachmann einsprang. Er macht das mit seinem munter-pfiffigen Spiel und beweglich- noblen Gesang einfach großartig. Ein Höhepunkt das unwiderstehliche Saufduett mit Osmin. Ingo Witzke singt den gefährlichen Haremswächter mit voluminösen Bass, bei dem vor allem die Tiefe beeindruckt.

Ein Stück, das nachdenklich macht. Quelle: Marlies Kross

Den differenziert musizierenden Brandenburger Symphonikern, die unter der umsichtigen Leitung des Cottbuser Kapellmeisters Ivo Henschel spielten, machten es hörbar Freude wieder in einer Oper mitzuwirken. Sie entwickelten gemeinsam mit dem Dirigenten ein ausbalanciert stimmiges Klangbild, das der Mozart’schen Besonderheit gerecht wurde.

„Die Entführung aus dem Serail“ ist ein Werk, das im Gewand der zu Mozart-Zeiten modischen Türkenoper Probleme anspricht, mit denen sich noch unsere Gegenwart herumschlagen muss: Vorurteile, alltäglicher Rassismus und soziale Unterschiede Der Schluss der Oper zeigt, dass manchmal einfach jemand anfangen muss mit Versöhnung und interkultureller Verständigung, auch wenn ihm der Sinn danach nicht steht. Eine heimliche Flucht-Leiter, um in die Freiheit zu gelangen, war nicht mehr nötig.

Von Klaus Büstrin

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