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Erfolgreiches Konzert trotz Türkei-Protest

„Aghet“ in Brandenburg an der Havel Erfolgreiches Konzert trotz Türkei-Protest

Die Brandenburger sind zum Knutschen. Zumindest diejenigen, die Gesicht gezeigt haben und zu Hunderten zum Konzert aghet-agit in die Gotthardtkirche geströmt sind. „Mit dieser überwältigenden Resonanz haben wir nicht gerechnet“, sagte der Intendant der Dresdner Sinfoniker Markus Rindt. Am Schluss war klar: Musik ist die universelle Sprache der Seele.

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Die Musiker bei ihrem Konzert in der Brandenburger Gotthardtkirche.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Manchmal könnte man die Brandenburger einfach knutschen. Zumindest diejenigen, die am Sonntagnachmittag Gesicht gezeigt haben und zu Hunderten zum Konzert aghet-agit in die St.Gotthardtkirche geströmt sind. „Mit dieser überwältigenden Resonanz haben wir nicht gerechnet“, sagte der Intendant der Dresdner Sinfoniker Markus Rindt in seiner Begrüßung des Publikums in der voll besetzten Kirche. „Wir dachten, dass wir bestenfalls vor fünfzig bis sechzig Zuhörern spielen würden.“ Am Schluss war klar: Musik ist die universelle Sprache der Seele. Sie kann vermitteln, was Worte nicht ausdrücken können. Das Publikum spendete begeisterten Applaus für ein wunderbares, virtuos dargebotenes und sehr anrührendes Konzert.

Die Idee dieses Kammerkonzert in Brandenburg stattfinden zu lassen, stammte von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der damit für den ersten Besuch der Dresdner Sinfoniker in der Havelstadt verantwortlich ist. Das Kammerkonzert ist Teil des Konzertprojektes aghet-agit, das dieser Tage bundesweite Aufmerksamkeit erhalten hat, als die Türkei bei der EU intervenierte und verlangt hat, dass Brüssel die Förderung des Projektes einstellt. Erfolglos, denn die EU hat sich geweigert, diesem Ansinnen nachzukommen. Ziel des Projekts, das die Dresdner Sinfoniker gemeinsam mit dem Gitarristen Marc Sinan initiiert haben, ist das Gedenken an den Völkermord an den Armeniern vor hundert Jahren, und Versöhnung.

Der Armenier Vache Sharafyan ist ein international anerkannter Komponist, dessen Werke auf der ganzen Welt gespielt werden und die auch schon in der New Yorker Carnegie Hall zu hören waren.. Von ihm erklang zu Beginn des Konzerts sein Geigen-Trio „Look lovingly, O merciful Father“. Im Hintergrund des sehr ruhigen Stückes ist leise ein unruhiges Klanggewusel zu hören, das überlagert wird von den klaren, reinen Streicherklängen im Vordergrund, die am Schluss ganz leise verklingen.

Äußerst vielseitig, kraftvoll und faszinierend ist Sharafyans Konzert „Surgite Gloriae“ für Viola, Duduk, Horn, Bariton/Altus und kleines Streichorchester. Die beiden Soloinstrumente, die Bratsche, gespielt von Matthias Worm, und das armenische Nationalinstrument, die Duduk, gespielt von Araik Bartikian, stehen für die Dissonanzen zwischen West und Ost, so der Komponist, der dem Konzert beigewohnt hat. Die in lateinischer Sprache dargebotenen Gesangspassagen von Carl Thiemt, Bariton/Counter, erinnern an die christlich-orthodoxe Tradition der Armenier. Die Komposition vermittelt eindrucksvoll die seelische Zerrissenheit und Traurigkeit, das erstarkende Selbstbewusstsein und die Hoffnung auf Versöhnung des armenischen Volkes.

Araik Bartikian hat bereits zuvor die Zuhörer in der Gotthardtkirche mit Impovisationen auf der Duduk begeistert. Mit einer Ausnahmegenehmigung durfte er oben auf der Kirchenkanzel spielen. Die warmen, orientalischen Klänge des armenischen Nationalinstruments, die sich melancholisch und auch traurig anhören, schwebten betörend durch das Kirchenschiff und machten deutlich, welch eine beglückende Bereicherung die Musik fremder Kulturen für deutsche Ohren sein kann.

Auch der Komponist und europaweit gefragte Bratscher für Weltmusik und Neue Musik, der Türke Cenk Erbiner, hat sich mit seiner Komposition „In letzter Sekunde“ für Bratschen-Duo an dem Projekt aghet-agit beteiligt. Nach langem, besinnlichem Auftakt liefern sich die beiden Instrumente einen furiosen Tanz. Die Musik wird schriller, löst sich auf in abgerissene Fetzen und setzt immer wieder von neuem ein. Begeisterter Applaus.

Von Ann Brünink

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