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Brandenburg/Havel Ergebnisse wurden übers Knie gebrochen
Lokales Brandenburg/Havel Ergebnisse wurden übers Knie gebrochen
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00:16 18.07.2017
Direkt vor dem ersten Schnitt verständigen sich Chefarzt Roland Becker (2. von links) und sein Operationsteam noch einmal über zentrale Informationen des Eingriffs am Knie. Quelle: Klinikum Brandenburg
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Brandenburg/H

Statistiken können die Wahrheit sagen und doch in die Irre führen. Beispiele dafür finden sich im Krankenhausspiegel für das Land Brandenburg, den Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) vor wenigen Wochen vorgestellt hat. Wer sich die Ergebnisse im Internet anschaut, könnte auf die Idee kommen, bei Operationen im Brandenburger Klinikum ginge öfter mal was schief.

Das „Team-Timeout“ vor der Operation dauert nur etwa eine halbe Minute. Alle Ärzte und Schwestern stehen um den OP-Tisch, der Patient liegt vor ihnen. Der Brandenburger Cheforthopäde Roland Becker oder ein anderer Hauptoperateur geht alles noch einmal durch: Wer ist der Patient, wie alt ist er, welcher Eingriff wird gemacht, wo genau befindet sich die zu operierende Stelle, liegen die OP-Instrumente bereit, ist mit der Narkose alles in Ordnung?

„Erst wenn alle Fragen beantwortet sind, setze ich den ersten Schnitt“, erklärt Becker. Dieses kurze Sammeln vor dem Operieren habe sich bewährt. Trotzdem hat der Cheforthopäde des städtischen Klinikums seit einigen Wochen ein Problem, das dem seiner Berufskollegen im Pritzwalker Krankenhaus ähnelt.

Das erwähnte elektronische Klinik-Nachschlagewerk bescheinigt beiden Fachkliniken unter der Rubrik „Qualitätsergebnisse“ eine auf den ersten Blick hohe Komplikationsrate bei bestimmten Kniegelenkoperationen: 27,3 Prozent in Brandenburg/Havel und 37,5 Prozent in Pritzwalk.

Ehe Leser künftig ungerechtfertigt einen Bogen um die Orthopäden beider Häuser machen, sollten sie das Ergebnis samt dem Kleingedruckten lesen und verstehen, findet Roland Becker. Das bringen durchaus auch die Autoren des Krankenhausspiegels zum Ausdruck, die keinerlei Grund sehen, den beiden Kliniken Vorwürfe zu machen.

Der Brandenburger Medizinprofessor erklärt, was es mit der Komplikationsrate auf sich hat. Es gab im Jahr 2015, das im Fokus des Krankenhausreports steht, gerade einmal elf Patienten im Brandenburger Klinikum, deren alte künstliche Kniegelenke durch neue ersetzt wurden.

Bei drei dieser elf Patienten traten nach der Operation Blutergüsse auf. Das gilt als Komplikation, beeinträchtigt aber nicht den Behandlungserfolg.

Die Brandenburger Orthopädie muss solche Auffälligkeiten registrieren. Denn als seit 2014 zertifiziertes Endoprothetikzentrum unterwirft sie sich jährlich strengen Prüfungen und einheitlichen Qualitätsanforderungen. Dazu gehört, nicht nur alles zu dokumentieren, sondern auch alle Daten an eine zentrale Datenbank zu melden.

Das städtische Klinikum stimmte zu, dass die Landeskrankenhausgesellschaft die Daten für ihren Krankenhausspiegel verwenden darf – mit dem Resultat, dass das Klinikum so prompt wie unverhofft öffentlich Schelte bekam.

„Eigentlich dachten wir, dass wir mit unserer Transparenz etwas Gutes tun“, sagt Klinikum-Geschäftsführerin Gabriele Wolter. Sie sieht die eigene Orthopädie in einem falschen Licht dargestellt, wo im übrigen alle anderen Ergebnisse des Vergleichsportals ein gutes Licht auf sie werfen.

Von den mehr als 200 Patienten, die erstmals ein Kniegelenk eingesetzt bekamen, wurden bei nur bei zweien Komplikationen festgestellt. Das können nach Angaben von Professor Becker außer Blutergüssen zum Beispiel auch Blutansammlungen im Gelenk oder Störungen der Wundheilung sein, die nicht auf Fehlern beruhen.

Richtig gut schneiden die Brandenburger Orthopäden im Krankenhausspiegel übrigens bei ihren Operationserfolgen ab. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus konnten 98,5 Prozent der operierten Patienten ihre Knie gut bewegen. Bis auf einen konnten alle 216 Patienten mit ihrer Knieprothese anschließend gut laufen.

Mit diesen Resultaten steht Brandenburg/Havel im Vergleich zu den anderen zwölf erfassten Fachkliniken oben in der Liste. Ähnlich unauffällige und damit gute Ergebnisse werden im Krankenhausspiegel notiert für die gut 200 Hüftoperationen im Klinikum Brandenburg.

Von Jürgen Lauterbach

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