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Brandenburg/Havel Ernte lohnt nicht – Äpfel verfaulen am Boden
Lokales Brandenburg/Havel Ernte lohnt nicht – Äpfel verfaulen am Boden
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17:41 08.11.2016
Ein trauriger Anblick: Diese Äpfel pflückt niemand mehr. Quelle: Privat
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Schmergow

Ein Bild zum Heulen: Reife Äpfel werden nicht gepflückt. Tonnenweise fällt das Obst auf den Boden. Der Überfluss vermodert. So sieht es derzeit auf den Plantagen der Märkischen Obstbau GmbH in Schmergow aus. Die sich selbst überlassenen Früchte sind nicht zu verheimlichen, weil die Baumreihen dicht an einer Straße stehen. Passanten wundern sich. Empörung macht sich breit. Der Anblick ruft Bilder in Erinnerung auf denen Tierhalter Milch wegschütten, weil der Erlös die Kosten der Produktion nicht mehr deckt.

Der Vergleich sei nicht abwegig, räumt Manfred Seidel ein. Der Obstbauer ist Geschäftsführer der Märkischen Obstbau GmbH. Die Preise für Äpfel sind derzeit so unter Druck, dass die Plantagenbesitzer mit der Ernte Miese machen. Dabei geht es insbesondere um sogenannte Industrieäpfel, die wegen Über- oder Untergrößen, kleiner Makel oder nicht nachgefragter Sorten nur noch für die Verarbeitung in Mostereien und Keltereien taugen. Wegen sehr guter Ernten in diesem und im vergangenen Jahr herrscht eine Schwemme auf dem Markt. „Dazu kommt der fehlende Absatz durch das Russlandembargo“, beklagt Seidel die aktuelle Lage. Außerdem hat sich Polen mit EU-Förderung zum größten Apfelproduzenten Europas gemausert – bei Mindestlöhnen von 2,31 Euro. In der deutschen Landwirtschaft sind ab Januar 2017 mindestens 8,50 Euro fällig.

Auch unter diesen Bäumen sieht es nicht besser aus. Quelle: Privat

Doch ist es deshalb richtig Obst am Baum vergammeln zu lassen? „Für Außenstehende mag der Anblick schwer zu begreifen sein. Aber was sich nur zu Spottpreisen absetzen lässt, muss eben hängen bleiben“, begründet der Geschäftsführer die betriebswirtschaftliche Entscheidung. Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, kennt die Sorgen in den Mitgliedsbetrieben. Nur wenige Cent zahlt die Verarbeitungsbranche derzeit für jedes Kilo Äpfel. „Was sich im Industriebereich abspielt, rechtfertigt keine Ernte mehr per Hand“, ist Jende überzeugt. Er fordert von der Politik einen Ausweg aus der Russlandkrise, um einen wichtigen Absatzmarkt wieder zu öffnen.

Eine erhöhte Nachfrage im Inland erwartet der Gartenbauverband kaum. Im Gegenteil, der Apfelkonsum in Deutschland stagniert. Dabei liegt der wichtigste Markt für die Obstbauern in der Mittelmark und im Oderbruch vor der Tür: Berlin. Die Menge der in den wichtigsten Brandenburger Anbauregionen erzeugten Tafeläpfel reicht nicht aus, um den Bedarf der Hauptstadt zu decken. Dafür überschwemmen Importe und Obst aus dem Alten Land den Markt. Beim Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark bedauert Geschäftsführerin Silvia Wernitz die Situation in den Apfelplantagen: „Für das Image der landwirtschaftlichen Erzeuger sind solche Bilder sicher nicht schön. Sie zeigen aber auf drastische Weise die Probleme, mit denen unsere Obstbauern zu kämpfen haben.“ Roden will Manfred Seidel von der Märkischen Obstbau GmbH keine seiner Bäume: „Im Gegenteil. Wir haben in Neuanpflanzungen investiert.“ Wie den Milchbauern bleibt auch ihm nur die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Von Frank Bürstenbinder

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