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Brandenburg/Havel Gülke gibt umjubelten Einstand
Lokales Brandenburg/Havel Gülke gibt umjubelten Einstand
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09:27 29.02.2016
Große Kunst im Großen Haus des Brandenburger Theaters: die „Prinzessin des Violoncellos“ Anastasia Kobekina und Chefdirigent Peter Gülke.  Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

 Ohne aufzutrumpfen betritt er die Bühne, ohne eine „Hier-bin-ich“-Allüre. Peter Gülke bedankt sich freundlich für den Begrüßungsbeifall des Sinfoniekonzert-Publikums am Freitagabend im Brandenburger Theater. Nun tritt er sein Amt als neuer Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker an. Gut sechs Monate später wie erwartet.

Keine Werke, die das Publikum zum x-ten Mal hörte, wurden für das 4. Sinfoniekonzert ausgewählt, sondern auch solche, die relativ selten im Konzertsaal erklingen, zumindest in Brandenburg. Das hat bei den Symphonikern eine für Seele und Geist Gewinn bringende Tradition.

Von Jean Sibelius, Edward Elgar und Carl Nielsen wählte man Kompositionen, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und teilweise unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse des Ersten Weltkrieges sowie persönlicher Leidenserfahrungen bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Tod geschrieben wurden. Spätromantische Musik, die auch die Moderne im Blick hat, besonders bei Carl Nielsen

Gratulation, Peter Gülke (rechts) Quelle: J. Steiner

Die sinfonische Dichtung „Der Schwan von Tuonela“ aus der Lemminkäinen-Suite von Jean Sibelius ist dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ verpflichtet. Dass Tuonela in der Mythologie des nordischen Landes das Totenreich darstellt, will angesichts der gefühlvollen Interpretation kaum einleuchten. Die Kälte, die die geteilten Streicher hervorrufen, wird jedoch von der Schönheit des Schwanes, vertreten durch das lyrische Englischhorn (von Bettina Fritz ausgezeichnet musiziert) überstrahlt. Gülke lässt sich Zeit, gibt dem Werk eine wunderbar innige Ruhe.

Dann betritt die aus dem russischen Jekatarinenburg gebürtige „Prinzessin des Violoncellos“, Anastasia Kobekina, die Bühne. Frisch und unverkrampft nähert sich die 22-Jährige eines der anspruchsvollsten Konzerte der Cello-Literatur, das der Engländer Edward Elgar in e-Moll schrieb. Wie sie sich in jede Phrase in das hochromantische Konzert hineinkniet, ohne die Grenze des jugendlichen Überschwangs zu überschreiten, ist hoch beachtlich.

Persönlichkeit, Ausstrahlung und Autorität

Mit mehr als 80 Jahren solch eine führende Position wie die des Chefdirigenten anzunehmen, ist sicherlich ein Wagnis. Er selbst sei dabei in Bezug auf sein Alter das größte Risiko, hatte Peter Gülke (81) kurz vor seinem Engagement der MAZ gesagt. Es sollte sich bewahrheiten.

Peter Gülke musste in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres das Tal einer schweren Krankheit durchschreiten. Zwischen Hoffen und Bangen haben die Symphoniker und das Konzertpublikum den Dirigenten sehnsüchtig erwartet.

Doch er wird nun über diesen Sommer hinaus die Geschicke des Chefdirigenten leiten, bis zum Saisonende 2016/17. Bis dahin sollte ein Nachfolger gefunden sein.

Der in Weimar geborene Peter Gülke, der Musikwissenschaften und Dirigieren studierte, beide Professionen und die des Musikschriftstellers erfolgreich ausübt, vor zwei Jahren den renommierten Ernst-von-Siemens-Musikpreis erhielt, erfüllt den Anforderungskatalog eines Orchesterchefs mit Persönlichkeit, Ausstrahlung, Autorität, Erfahrung.

Simon Rattle hat recht und er wird es wohl selbst wissen, wenn er sagt: Ein Dirigent werde gut mit etwa sechzig Jahren. Ergänzen sollte man, dass manche sogar zum Magier werden, wenn sie kurz vor oder schon nach ihrem 80. Lebensjahr stehen.

Mit satten Portamenti expressive Linien ausformend, lädt Anastasia Kobekina die verschiedenen Charaktere des Soloparts deutlich nach. Die große Geste kommt ebenso zu ihrem Recht wie die verhaltene Kantilene. Ohne „Pomp und Circumstance“ bringt auch das Orchester die melancholische, nahezu intime Stimmung mit sparsamen Mitteln zum Ausdruck, ohne in Larmoyanz auszuarten.

 Leider gibt es aber im zweiten Satz zwischen Solistin und Bläser hörbar verschiedene Meinungen in puncto Zusammenspiel. Das Publikum und die Brandenburger Symphoniker feierten Cellistin Kobekina enthusiastisch. Sie bedankt sich mit einer Zugabe von Bach.

Um mitten im Ersten Weltkriieg optimistisch in die Zukunft zu blicken gab der Däne Carl Nielsen seiner 4. Sinfonie op. 29 den Titel „Das Unauslöschliche“. Peter Gülke arbeitet den großen Spannungsbogen und die teilweise überwältigenden Kontraste intensiv heraus, nimmt die Tempi insgesamt moderat, lässt die Musik ruhig atmen. Fast gespenstisch wirkt auch in dieser Interpretation das Finale mit dem fesselnden Paukenduell.

Der langanhaltende Beifall des Publikums macht klar: Peter Gülke ist in Brandenburg an der Havel herzlich willkommen.

Von Klaus Büstrin

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