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Es ist Zeit für ein neues Leben zu dritt

MAZ-Sterntaler Es ist Zeit für ein neues Leben zu dritt

Burn-Out, Essstörung, Klinik, finanzielle Not. Für Kathrin Winklbauer ging es lange Zeit bergab. Nach ihrer Kur hat sie einen Entschluss gefasst: Dieses Leben kann so nicht mehr weiter gehen. Nun hat sie ein Jahr später ihre alte Heimat verlassen, um mit ihren Töchtern ein neues Leben in Brandenburg an der Havel zu beginnen. Dort soll es wieder bergauf gehen.

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Lisbeth, Valentina und Mutter Kathrin Winklbauer (v.l.).

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg an der Havel. Seit dem Entlassungstag aus einer dreimonatigen Kur war für Kathrin Winklbauer klar, dass sie einen anderen Weg einschlagen will und muss. Das war im September 2014. Nun hat sie ein Jahr später ihre alte Heimat Cottbus verlassen und zog mit ihren Töchtern vor ein paar Wochen in die Havelstadt, Rosa-Luxemburg-Allee. „Ich bin gewaltig ruhiger hier. In Cottbus hatte ich ein schlechtes Umfeld, von meinen vielen so genannten Freunden sind noch sechs übrig geblieben“, erzählt die 44-Jährige, die ursprünglich aus Forst in der Lausitz kommt. „Mit der Wohnung hier möchte ich einen Neuanfang wagen, für mich und meine Kinder.“

Derzeit ist sie in der Tagesklinik in Werder in Behandlung. Valentina (13) geht in die sechste Klasse der Pestalozzi-Schule; Lisbeth (13), besucht die zehnte Klasse in der Havelschule. Eigentlich wollten die drei nach Werder ziehen, es war jedoch schwierig, dort eine Wohnung zu finden. Nun ist es Hohenstücken geworden und die Familie fängt langsam an, ihre Umgebung zu entdecken. In Berlin wohnt ihre älteste Tochter Saskia, der Sohn lebt bei seinem Vater in Cottbus und ihre 18-jährige Tochter Johanna ist inzwischen selbst schon Mutter.

Eigentlich wollten sie nach Werder

Das Schicksal der Familie: Mutter Kathrin hatte 2012 ein Burn-Out und konnte seit Mai desselben Jahres nicht mehr arbeiten. Es dauerte noch zwei Jahre, bis sie einen Behandlungsplatz in der Asklepios-Klinik in Lübben bekam. Über zehn Jahre lang war sie Buchhalterin in der Hausmeisterservice-Firma ihres Mannes und kümmerte sich um Jahresendabrechnungen und Finanzen. 2003 hatte sie sich sogar ins Steuerrecht eingearbeitet, über das Jobcenter bildete sie sich 2010 im kaufmännischen Bereich weiter.

Doch der finanzielle Druck wurde irgendwann zu groß, hinzu kam eine Essstörung, die sich auch auf einige ihrer Kinder übertrug. „Ich habe rund um die Uhr gearbeitet, trotzdem hat es nach allen Abzügen am Ende nicht gereicht, wir mussten sogar noch aufstocken,“ erzählt sie von ihrer schwierigen Zeit. Auch die Ehe zu ihrem Mann zerbrach. Als auch das Umfeld nicht mehr passte und sie sich ungerecht behandelt fühlte, wusste sie, dass sie einen Neuanfang wagen muss.

Finanzieller Druck wurde zu groß

Inzwischen ist Kathrin Winklbauer arbeitsunfähig und bekommt EU-Rente. „Es ist ein komisches Gefühl, denn ich war es immer gewohnt, viel zu arbeiten“, äußert sie sich. „Aber man muss das akzeptieren. Man darf nicht in der Vergangenheit hängen.“ Als Berufsalternative hätte sie sich vorstellen können, die Büroarbeit in einem Altenheim zu erledigen. Doch nach vielen Tests wurde festgestellt, dass sie nur noch etwa zwei Stunden am Tag voll belastbar ist. Mit der Rente kann sie einigermaßen leben, obwohl sie anfangs nur 78 Euro bekommen sollte. „Ich ließ das überprüfen und siehe da: In diesem Betrag war noch nicht einberechnet, dass ich fünffache Mutter bin.“

Die Familie versucht nun, so gut es geht ein normales Leben zu führen, dafür sorgt auch ihre Betreuerin Anna-Elisa Gernlein: „Ich gebe Tipps in Erziehungsfragen und bringe ihnen bei, nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern im Hier und Jetzt.“ Die beiden Mädchen haben schon einigermaßen Anschluss in der Schule gefunden. „Aber ich vermisse meine alten Freunde“, erzählt Lisbeth. „Vor allem Bridget, meine beste Freundin. Schön war aber, dass sie mich sogar schon hier besucht hat.“ In den Osterferien will Valentina ihre Freundin Jessica in Cottbus besuchen.

Schon Anschluss in der Schule gefunden

Froh sind die beiden Schwestern, dass sie sich haben: „Egal wie oft wir streiten, ich freue mich, dass sie hier ist“, sagt Lisbeth, die auch schon mehrmals versucht hat, sich das Leben zu nehmen und deshalb auch in der alten Heimat Cottbus ein paar Jahre im Käthe-Kollwitz-Haus in Cottbus lebte. „Ich bin froh, das gelbe Haus mit dem grünen Zaun nicht mehr sehen zu müssen.“ Die inzwischen eher schüchtern wirkende Lisbeth war damals aggressiv und hilflos. Die beiden Schwestern haben viele Zukunftspläne und sehen optimistisch in die Zukunft: Valentina möchte Friseurin oder Stylistin werden und will ihr Zimmer schön einrichten. Lisbeths Traum ist eine Ausbildung zur Tierpflegerin. Sterntaler können helfen, sie diesen Zielen ein wenig näher zu bringen.

Von Melanie Höhn

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