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Eugen Gliege lässt den Altkreis auferstehen

Ansichtskartenbuch Eugen Gliege lässt den Altkreis auferstehen

Es gibt ein neues Buch von Eugen Gliege. Auf 87 Seiten stellt der Autor aus Semlin den Altkreis Brandenburg-Land auf historischen Ansichtskarten vor. Für den Erfolg seiner vielen Heimatbücher hat der Kritiker einer neuerlichen Kreisgebietsreform eine Erklärung.

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Eugen Gliege stellt am Sonnabend in Brandenburg sein neues Buch vor.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Brandenburg/H. Ein Herr mit Zylinder auf einem Hochrad, die Landfrau mit dem Korb auf dem Rücken, der Bahnhofsvorsteher mit der Kelle in der Hand. Detailverliebt haben sich vor gut 100 Jahren Fotografen, Grafiker und Drucker an die Herstellung der in Mode gekommenen Ansichtskarten gemacht. Die gezeichneten Miniaturwelten sind nicht nur als Postsache interessant, sondern haben kunsthistorisches Potenzial. Bei Sammlern stehen die kolorierten Schmuckstücke aus dem Hause des Brandenburger Lithografen Jacob Friedländer besonders hoch im Kurs. Die Preise für sehr gut erhaltene Exemplare kennen nur eine Richtung – nach oben. Je kleiner das Dorf, desto seltener und wertvoller die Belege.

Vom Lehrer zum Pressezeichner

Eugen Gliege wurde 1949 in Nauen geboren, wuchs in Quermathen auf, besuchte vor dem Abitur die Zentraloberschule in Groß Behnitz. Nach dem Studium war Gliege zunächst Lehrer an der Humboldt-Uni. Seine erste Zeichnung erschien 1971 im Bauern-Echo. Seit 1981 war er freiberuflicher Pressezeichner für NBI, Frösi, MV und FF-dabei. Zusammen mit Ehefrau Constanze produziert Gliege für große Verlage zahllose Karikaturen und ganze Rätselseiten.

Für die Brandenburger Region erschienen von Gliege bisher drei Bände mit Heimatsagen, sowie zwei Bücher mit Geschichten und Ansichten rund um den Beetzsee sowie aus der Stadt Brandenburg. An diesem Sonnabend stellt der Autor ab 15 Uhr in der Brandenburger Thalia-Buchhandlung sein neues Ansichtskartenbuch über den Altkreis Brandenburg-Land vor.

Pressezeichner, Karikaturist und Autor Eugen Gliege (66) aus Semlin bei Rathenow brauchte sich für sein neuestes Heimatbuch keine eigene Sammlung aufbauen. „Das möchte ich in meinem Alter auch nicht mehr. Dafür haben mir viele Liebhaber historischer Ansichtskarten bei der Entstehung des Buches geholfen“, berichtet der Verfasser zahlreicher Sagenbücher aus dem Havelland, dem Fläming und der Altmark. An diesem Sonnabend stellt Gliege in der Thalia-Buchhandlung in der Brandenburger Sankt-Annen-Galerie seine aktuelle Arbeit vor.

Eine wahre Augenweide ist diese schmucke Karte aus Tieckow

Eine wahre Augenweide ist diese schmucke Karte aus Tieckow.

Quelle: Sammlung Wolfhard Gerlach

Auf 87 Seiten lässt der Autor den Altkreis Brandenburg-Land auferstehen. Dieser existierte zwar erst weit nach der ersten Blüte der beschreibbaren Dorfpanoramen, nämlich von 1952 bis 1993. Doch die Eingrenzung macht mit Rücksicht auf ein überschaubares Sammelgebiet Sinn. Außerdem hat ein großes Publikum den Kreis Brandenburg-Land als gelebte Heimat noch in konkreter Erinnerung. Hauptsächlich entführt uns Gliege mit einem bunten Potpourri in die Dörfer der Kaiserzeit. Herausgekommen ist ein Bilderbuch zum Schmökern, mit dem sich der Leser gern in den Ohrensessel zurückzieht, wenn draußen der Herbstwind pfeift.

Hier zeigt sich Prützke von seiner Schokoladenseite

Hier zeigt sich Prützke von seiner Schokoladenseite.

Quelle: Sammlung Wolfhard Gerlach

Das im Selbstverlag erschienene Büchlein kommt ganz ohne Sagen und Geschichten aus. Dafür gibt es zu jedem Dorfpanorama von Altbensdorf bis Zitz eine dreizeilige Erklärung über die urkundliche Ersterwähnung und die Bedeutung des Namens. Mehr will an dieser Stelle niemand wissen, denn die Aufmerksamkeit gilt ganz den Motiven, in denen die Macher von damals viel Liebe und Arbeit steckten. Es sind einige Postkarten mit Schwarz-Weiß-Fotografien dabei, wie zum Beispiel aus Hohenlobbese samt Karpfenteich und Gasthaus zur Erholung. Warchau bei Großwusterwitz präsentiert sich mit dem Bahnhof und aus Seelensdorf grüßt die Oberförsterei.

Als Ziesar noch eine Eisenbahn hatte

Als Ziesar noch eine Eisenbahn hatte.

Quelle: Sammlung Dieter Müller

Am Gelingen des Buches waren verschiedene Quellen beteiligt: Unter anderem Roland Pusch aus Brandenburg, Dieter Müller aus Ziesar, Gerrit Fried aus Gräben, Heiko Hesse aus Brandenburg sowie Familie Gerlach aus Göttin, die für Gliege die Sammlung des verstorbenen Wolfhard Gerlach öffnete. Seit Jahren bringt der Semliner immer wieder neue Heimatbücher auf den Markt. Und das mit Erfolg. Es ist wohl eine Mischung aus Nostalgie, wiedererwachtem Geschichtsinteresse und Sehnsucht nach überschaubaren Einheiten, die Glieges Arbeiten zu lokalen Bestsellern werden lassen.

„Mit Brandenburg-Land können viele Leute etwas anfangen. Mit dem Kunstgebilde Potsdam-Mittelmark wohl eher weniger“, vermutet Gliege, der so gar nichts von einer neuen Kreisgebietsreform hält. Mit seinem Ansichtskartenbuch will der Autor auch den immer größer und anonymer werdenden politischen Gebilden etwas entgegensetzen: „Die Menschen sollen ihre Dörfer wiederfinden. Und sei es nur auf alten Ansichtskarten.“

 

Von Frank Bürstenbinder

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