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Brandenburg/Havel Euthanasie-Morde und Kunst
Lokales Brandenburg/Havel Euthanasie-Morde und Kunst
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15:04 26.09.2017
Ein Monitor an der Wand, darunter ein Kopfhörer, so ist der Dokumentarfilm in der Kunsthalle Brennabor derzeit zu finden an den Fenstern zum Neustädtischen Friedhof. Quelle: Foto: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Ein preisgekrönter animierter Dokumentarfilm ist derzeit in der neuen Ausstellung Skills in der Kunsthalle Brennabor zu sehen. „Wegzaubern“ erhielt 2015 auf dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm die Goldene Taube. Auszeichnungen gewann der sechsminütige Streifen auch in Wien, Valencia und Genf. Wer sich in das Kunstwerk vertieft, versinkt in die Welt der Künste – und der Euthanasie. Angebracht ist der Monitor in der Kunsthalle neben einem Fenster mit Blick auf den Neustädtischen Friedhof. Über einen Kopfhörer läuft der Ton.

Die Berliner Video-Künstlerin Betina Kuntzsch hat Laterna Magica Filme aneinandermontiert zu einer Endlosschleife und spricht dazu auf Band Textfragmente aus Krankenakten von Künstlerinnen. Geeint waren diese Frauen durch ihren Aufenthalt in der Psychiatrie in den 30er und 40er Jahren. Betina Kuntzsch entnahm diese Biografien Krankenakten der Prinzhorn-Sammlung, ein Museum in Heidelberg, gewidmet den Werken von Patienten psychiatrischer Anstalten.

Video-Künstlerin Betina Kuntzsch aus Berlin Quelle: Privat

Angeschlossen ist die Prinzhorn-Sammlung dem Universitätskrankenhaus Heidelberg und dessen psychiatrischer Klinik. Dessen einstiger Leiter Carl Schneider war zu Zeiten der Nationalsozialisten Oberbegutachter der Aktion T4. Das Kürzel T 4 steht für Tiergartenstraße 4 in Berlin und für die Ermordung von 70 000 psychisch und körperlich behinderten Männern, Frauen und Kindern zwischen 1940 und 1945. Beschlossen worden waren die Euthanasie-Morde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Und hier schließt sich der Kreis, denn in Brandenburg an der Havel nahm die Euthanasie 1940 ihren Anfang und Lauf. Allein in der Stadt Brandenburg wurden 9000 kranke und behinderte Menschen auf den Befehl Hitlers hin ermordet. Und jener Carl Schneider war für die systematische Ermordung mit verantwortlich.

Ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung Skills

Bodo Rau, Kurator der Ausstellung Skills, war es besonders wichtig, dass „Wegzaubern“ wegen seines Bezuges zu einem düsteren Kapitel der Stadt Brandenburg, Bestandteil der jetzigen Gruppenausstellung wird.

Die Bilder der Endlosschleife entstanden um 1900, also in der Lebenszeit der Frauen, aus deren Krankenakten Betina Kuntzsch liest. Dabei nennt sie deren Stationen nebeneinander und keinen Namen. „Sie ist das älteste, zweite, einzige Kind aus einer großbürgerlichen, armen, bäuerlichen Familie, wächst in einer Kaufmannsfamilie, Pflegefamilie, Bauersfamilie, Architektenfamilie, Feldwebelsfamilie auf (...) Verwahrlost und voller Geschwüre, vielseitig begabt, scheu, widerspenstig (...) Schule für höhere Töchter, Köchin will sie werden, geht auf Reisen (...) Arztgattin, ledige Schneiderin, Zeichenlehrerin (...) wie sie in die Anstalt gelangt ist nicht bekannt, menstruelle Psychose, Hysterie, stumpf und wunschlos (...) sterilisiert, entmündigt, ertrinkt bei Badetherapie, wird den Euthanasietransporten zugeteilt (...) ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt (...) nur eine ärztliche Notiz auf der Zeichnung.“ So endet „wegzaubern“. Tonlos, mit Streifen wie ein Testbild.

Knatschende und quietschende Töne

„Wegzaubern“ fasst den Betrachter direkt an, ist unterlegt mit knatschenden, quietschenden Tönen, was den Verfremdungseffekt verstärkt. Mit den Bildern von einst zur Augen, werden die Künstlerinnen durch die Zitate fast wieder lebendig im Kopf des Betrachters. Diese Collage, in der vieles nur angedeutet wird an Grauen, ist sehens- und hörenswert.

„Wegzaubern“ in der Ausstellung Skills der Kunsthalle Brennabor, zu sehen bis zum 13. Oktober, mittwochs bis sonntags von 11 Uhr bis 18 Uhr.

Von Marion von Imhoff

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