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Ex-Brandenburgerin schreibt Auswandererfibel

Viel mehr als Sonne, Strand und Wellen Ex-Brandenburgerin schreibt Auswandererfibel

Christiane Sternberg, viele Jahre Lehrerin und Journalistin in Brandenburg an der Havel, lebt und arbeitet heute auf Zypern. Für Auswanderer und welche, die es werden wollen, hat die 51-Jährige jetzt eine Fibel für Auswanderer geschrieben. Ein Büchlein, das für alle Ziele passt.

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Christiane Sternberg auf dem Weg zur Arbeit auf einer Palmenallee in der Innenstadt von Nikosia

Quelle: CIPS Marcos Gittis

Brandenburg/H. Christiane Sternberg, viele Jahre Lehrerin und Journalistin in Brandenburg an der Havel, lebt und arbeitet heute auf Zypern. Für Auswanderer und welche, die es werden wollen, hat die 51-Jährige jetzt eine Fibel für Auswanderer geschrieben.

Ein Ratgeber für Auswanderer – ist der Markt so groß, dass sich so ein Buch lohnt?

Christiane Sternberg: Der Markt boomt. Nicht erst seit den Auswanderer-Sendungen im Fernsehen. Die derzeitige Unzufriedenheit mit der Politik in Deutschland hat diesem Trend noch einen Extra-Schub beschert. Grundlegend sind es aber die Vorteile der EU-weiten Bewegungsfreiheit und die Möglichkeiten in einer globalisierten Welt, die die Leute überhaupt erst auf die Idee gebracht haben, sich in einem anderen Land niederzulassen. Sie müssen ja nicht mehr alle Brücken hinter sich abbrechen, wenn sie auswandern. Es gibt preiswerte Flugverbindungen und die Technologie macht es möglich, mit der Familie in engem Kontakt zu bleiben. So ein Buch ist also bei vielen begehrt, die mit dem Gedanken spielen, Deutschland zu verlassen.

Wie viel eigene Erfahrung stecken zwischen den Zeilen?

Sternberg: Alles, was ich persönlich erlebt habe oder von Freunden und Bekannten erfahren habe, ist in diese Fibel eingeflossen. Den Aufwand, einen Umzug nach Australien zu absolvieren, oder die Schwierigkeit, seine Kinder plötzlich dem starken Einfluss der Kirche ausgesetzt zu sehen, habe ich aus erster Hand zu hören und zu sehen bekommen. Trotzdem ist daraus keine Sammlung von Anekdoten geworden. Es war mir wichtig, die Bedingungen so zu verallgemeinern und zu beschreiben, dass sie jeder auf seine eigene Situation anwenden kann.

Gab es einen konkreten Anlass für diese Fibel?

Sternberg: Der Anlass war, dass ich im Winter Zeit hatte, mich dem Projekt zu widmen. Ich schreibe seit Jahren Tagebuch und einen Blog, in denen ich Begebenheiten, Reinfälle, Aufreger oder Skurrilitäten notiere. Da man hier im Gespräch mit Reisenden tatsächlich immer darauf angesprochen wird, wie toll es doch wäre, dort zu leben, wo andere Urlaub machen, dachte ich, ich bündele meine Antworten mal zu einem Buch. Viele gehen viel zu leichtsinnig an solche Lebensentscheidungen heran. Man sieht hier in Zypern Menschen mit großen Erwartungen kommen und mit gescheiterten Plänen gehen. Das ist in anderen Ländern ähnlich.

Was hat Sie bewogen, Brandenburg an der Havel und Deutschland den Rücken zu kehren?

Sternberg: In der Stadt Brandenburg habe ich eine aufregende Zeit erlebt. Nach der Wende blühte hier eine Kunst- und Kulturszene, die mich inspiriert hat. Daran bin ich gewachsen und vielleicht wollte ich deshalb auch weiter, in eine größere Stadt. Ich komme ja aus Berlin und vermisste irgendwann das Großstadtflair. Das Leben in Deutschland schien mir später zu reglementiert, schon vor zehn Jahren. In Zypern ist alles ein bisschen weniger streng. Aber um gleich mal ein Geheimnis zu verraten: Auch das nervt manchmal.

Welche Auswandererfehler haben Sie begangen?

Sternberg: Ich bin am Anfang oft angeeckt, weil ich – sehr preußisch – auf Pünktlichkeit und Einhaltung von Terminen gepocht und das auch direkt angesprochen habe. Das kommt nicht gut an. Wenn ich in dem Glauben war, nur ehrlich meine Meinung zu sagen, wurde es von meinem Gegenüber als Affront angesehen. Meinen Ruf als unhöfliche Deutsche hatte ich bei einigen schnell weg. Ich habe gelernt, dass es durchaus andere Wege gibt, ans Ziel zu kommen. Dabei muss ich mich nicht verbiegen und der andere fühlt sich nicht heruntergeputzt.

Warum fiel die Wahl auf Zypern und auf den griechischen Teil? Für zwei Wochen Urlaub ist die Insel ja prima, aber für ein ganzes Leben?

Sternberg: Journalistisch gesehen ist die geteilte Insel eine Fundgrube, es gibt immer etwas zu berichten. Im griechischen Teil genieße ich zudem die Vorzüge der Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU. Man sollte außerdem die Größe eines Landes nicht an seinen Quadratkilometern messen und sich einen Blick für Geheimnisse bewahren, dann bleibt es spannend. In Zypern wird zum Beispiel der älteste Wein der Welt produziert, darüber haben wir ein Buch gemacht. Etwas anderes, das kaum noch jemand weiß: Im Altertum wurde jedes Jahr am Aphrodite-Tempel in Pafos ein Fest gefeiert, das heutigen Generationen die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Darüber erscheint demnächst eine Graphic Novel in unserem Verlag: „Aphrodite – die nackte Wahrheit“. Es gibt in Zypern so viel mehr als Sonne, Strand und Wellen.

In Ost-Berlin geboren und aufgewachsen, kennen Sie das Leben in einem geteilten Land. Wie erleben Sie die zypriotische Teilung?

Sternberg: Das ist ein Thema für einen ganzen Aufsatz. Kurzgefasst: Im Alltag gibt es Zyperngriechen und Zyperntürken, die sich regelmäßig auf einen Kaffee treffen und sich prima verstehen. Es gibt aber auch Zyperngriechen, die den Zyperntürken die Autos demolieren, wenn sie in den Süden kommen. Auf der großen Bühne gibt es Politiker, die sich um Verständigung bemühen und jene, die eine Wiedervereinigung hintertreiben, sich aber öffentlich als nationale Wohltäter gebärden. Ich persönlich bewege mich zwischen den beiden Landesteilen frei und ohne Einschränkungen, habe Freunde auf beiden Seiten und wenn ich einen Mokka bestelle, ordere ich im Norden einen „türkischen Kaffee“ und im Süden einen „zyprischen Kaffee“. Damit passe ich mich der Landessitte an und breche keine Diskussionen vom Zaun.

Sie raten in Ihrer Fibel jedem Auswanderer, die Mentalität der Menschen seines Neulandes zu beobachten und sich selbst zurückzunehmen. Und doch steckt jeder in seiner Haut. Was ärgert Sie bis heute an den Zyprioten?

Sternberg: Am meisten stören mich diejenigen, für die es so etwas wie Berufsehre nicht zu geben scheint. Egal welchen Job man macht, möchte man doch das beste Ergebnis abliefern. Hier erlebt man leider häufig das Gegenteil. Ein Handwerker baut Jalousien ein, die man nicht bewegen kann, ein Drucker liefert Visitenkarten ab, die mit Farbspritzern übersät sind. Vielleicht merkt es der Kunde ja nicht. Passt schon.

Mit Ihren Erfahrungen und Ihrer Sicht auf die Dinge können Sie sich jederzeit in einer anderen schönen Ecke der Welt niederlassen. Gibt es Pläne?

Sternberg: Pläne gibt es immer.

Gibt es ein Zurück nach Brandenburg? Oder nach Deutschland allgemein? Oder lassen Sie sich Ihre Rente nach Zypern überweisen, wie in Ihrer Fibel zu lesen ist?

Sternberg: Deutschland und Brandenburg sind keine Option. Vielleicht zieht es mich bald weiter. Ich habe da schon eine Idee.

Von Heiko Hesse

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