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Brandenburg/Havel Ex-Bürgermeister ist weiter dick im Geschäft
Lokales Brandenburg/Havel Ex-Bürgermeister ist weiter dick im Geschäft
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18:13 09.11.2016
Während Dietlind Tiemann auf der Expo Real mit Ministerin Katrin Schneider spricht, wirkt Bernd Kreykenbohm (rechts) im Hintergrund für die Kloster Lehniner Entwicklungsgesellschaft. Quelle: Stadtverwaltung Brandenburg
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Kloster Lehnin

Die Gemeinde Kloster Lehnin und der Anfang Juli aus dem Bürgermeisteramt geschiedene Bernd Kreykenbohm (58) können und wollen nicht voneinander lassen. Als eine Art Schattenbürgermeister ist der Ex-Chef fast täglich Gast im Rathaus und steht weiter auf der Gehaltsliste. Denn Kreykenbohm leitet die Geschicke der gemeindeeigenen Gesellschaft, die das Kasernengelände in Damsdorf entwickeln soll. Das sollte allerdings ein Geheimnis bleiben.

Wer einen Blick ins Handelsregister wirft, der staunt, wer die Entwicklungs-, Verwaltungs- und Grundstücks GmbH, Kloster Lehnin, als Geschäftsführer leitet, und zwar mit der Befugnis, die Gesellschaft allein zu vertreten, Rechtsgeschäfte mit sich selbst oder als Vertreter Dritter abzuschließen. Es ist laut Registereintrag der frisch gebackene Bürgermeisterschatten Bernd Kreykenbohm, der als parteiloser Amtsdirektor und Bürgermeister fast 25 Jahre lang politische Verantwortung in Kloster Lehnin trug.

Diesen politisch doch durchaus bedeutenden Vorgang hatte die Gemeinde, hatte der neue Bürgermeister, diskret für sich behalten und nicht nach außen kommuniziert. Kreykenbohm selbst hatte derlei im Frühsommer sogar abgestritten.

Auf die Frage der MAZ, ob er nach seinem Ausscheiden Geschäftsführer besagter Gesellschaft werde, verneinte er damals und sprach von einem „Gerücht“. Doch hoppla, aktenkundig ist das Gerücht seit dem 16. Juni 2016, bekannt gemacht am 29. Juni um 5 Uhr (Aktenzeichen Amtsgericht Potsdam: HRB 29020).

Eine Gesellschaft mit vielen Aufgaben

Die Entwicklungs-, Verwaltungs- und Grundstücks GmbH in Kloster Lehnin soll die wirtschaftliche Leistungskraft der Gemeinde Kloster Lehnin erhalten und stärken.

Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne im Ortsteil Damsdorf soll die Gesellschaft Grundstücke kaufen, freimachen, ordnen, erschließen und verkaufen, sich an der Bauleitplanung beteiligen, ansiedlungswillige und ortsansässige Unternehmen betreuen, Wohn- und Gewerbebauten errichten, modernisieren, verwalten, bewirtschaften, vermieten und anderes mehr.

Bernd Kreykenbohm (58) war von 2002 bis Juli 2016 Bürgermeister der 11 000-Einwohner-Gemeinde Kloster Lehnin, davor war er Amtsdirektor.

Uwe Brückner (54) wurde am 19. März 2016 mit 72,1 Prozent zum Bürgermeister von Kloster Lehnin gewählt.

Manfred Meske (69) ist ehrenamtlicher Gemeindevertreter aus Michelsdorf. Er war bis 2004 Amtsdirektor in Groß Kreutz/Havel und danach noch Vorsteher des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Emster.

Dieser Stand ist nach Auskunft des seit Juli amtierenden Bürgermeisters Uwe Brückner (SPD) inzwischen überholt. Im Juli habe der Aufsichtsrat der Entwicklungsgesellschaft Geschäftsführer Kreykenbohm abberufen. Diese Änderung sei nur noch nicht im Handelsregister veröffentlicht. Gleiches gelte im Hinblick auf Manfred Meske (SPD), den die Gemeinde am 20. September zum „ehrenamtlichen Geschäftsführer“ berufen habe.

Gleichwohl machen mehrere Umstände stutzig. Auf der Immobilienmesse Expo Real vom 4. bis 6. Oktober in München vertrat nicht etwa Geschäftsführer Meske die Entwicklungsgesellschaft, sondern sein Vorgänger, der abberufene Geschäftsführer Kreykenbohm, zu dem der Landrat disziplinarrechtlich ermittelt.

Als die MAZ vor einigen Wochen Fragen zur Gesellschaft an Geschäftsführer Meske richten wollte, beeilte der sich zu sagen, dass er keine Auskünfte gebe. Bürgermeister Brückner erklärt dieses ungewöhnliche Gebaren mit einem „Missverständnis“, da dem Geschäftsführer „nicht immer alle Details unmittelbar vorliegen“. Selbstverständlich sei ein Geschäftsführer befugt, Auskünfte und Erklärungen für die Gesellschaft zu geben.

Dass Bernd Kreykenbohm weiter in der Damsdorfer-Kasernen-Entwicklungsgesellschaft beschäftigt ist bestreitet Uwe Brückner nicht. Sein Amtsvorgänger werde wegen seiner profunden Kenntnisse als besonders geeignet angesehen, Aufgaben wahrzunehmen – aber nicht in Vollzeit und nicht als Geschäftsführer.

Fragen zur Aufgaben- und Kompetenzen-Verteilung zwischen Mitarbeiter Kreykenbohm und Geschäftsführer Meske beantwortet Uwe Brückner nicht. Zur Begründung weist der Bürgermeister auf die Verschwiegenheit bezüglich vertraulicher Angaben und Geheimnisse, auch privatrechtliche Verträge.

Insofern erübrigen sich Nachfragen der MAZ, ob der ehrenamtlich berufene Rentner Meske in der Gesellschaft womöglich eine Art Strohmann von Bernd Kreykenbohm ist, der in Wirklichkeit die Arbeit macht und bei Bedarf die Unterschrift des Geschäftsführer einholt.

Von Jürgen Lauterbach

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