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Ex-Minister Krause: „Ich bin nicht pleite“

Insolvenzverfahren gegen Günther Krause Ex-Minister Krause: „Ich bin nicht pleite“

Er war einer der Väter des Einheitsvertrags und einst Bundesverkehrsminister. Jetzt steckt er mit seiner Firma in einer tiefen Krise. Er schuldet Gläubigern 800.000 Euro. Dass er pleite ist, bestreitet er aber. Der Insolvenzverwalter habe aber vorhandene Vermögenswerte nicht genutzt.

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Günther Krause, Bundesminister a.D., auf seinem Sommerfest vor zwei Jahren im Garten seiner Villa mit Ziyaudin Isaev, einem Mann der russischen Gaswirtschaft.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Brandenburg/H. Obwohl das Insolvenzverfahren gegen seine Firma IBP schon seit Anfang April läuft, versichert der frühere Bundesminister Günther Krause: „Ich bin nicht pleite.“ Der berühmte Unternehmensberater wirft dem Insolvenzverwalter vor, vorhandene Vermögenswerte nicht genutzt zu haben. Seinen Arbeits- und Wohnort Kirchmöser möchte Krause mit seiner Frau bald verlassen. „Wir sind mit der Insel nicht richtig warm geworden“, begründet er den Entschluss.

Günther Krause (63) war einer der Väter des Einheitsvertrags und in den frühen 90-er Jahren unter Helmut Kohl Bundesverkehrsminister. Die politische Bühne hat der Christdemokrat nach seinem Rücktritt verlassen.

Krause lebt seit 2008 in Kirchmöser

In Mecklenburg-Vorpommern gründete er die Unternehmensberatungsfirma „Information – Beratung – Projektentwicklung GmbH“ (IBP), deren Hauptsitz er vor einigen Jahren nach Kirchmöser verlegte, einem Ortsteil von Brandenburg/Havel. Dort lebt und arbeitet er seit 2008 in einer schmucken Villa.

Fotos mit Johannes Paul II und Helmut Kohl

Der Ingenieur Günther Krause (62) war im ersten Kabinett nach der deutschen Vereinigung Bundesverkehrsminister und zuvor 1990 unter DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière Verhandlungsführer beim deutsch-deutschen Einigungsvertrag. Er trate 1993 zurück – in der öffentlichen Wahrnehmung über die sogenannte Putzfrauen-Affäre.

Eine andere Lesart, die Krause selbst favorisiert, besagt allerdings, dass er aufgrund einer Regierungsintrige stürzte. Der Ausgangspunkt: Krause wollte gegen Helmut Kohls erklärten Willen damals schon eine Pkw-Maut einführen.

Im Jahr 2008 schafft der Unternehmensberater Krause eine Dependance seiner Firma IBP in Kirchmöser. Fünf Jahre später nimmt er in der Villa in der Brandenburger Allee seinen Hauptwohnsitz und wird damit Brandenburger.

Die Villa zieren alte Fotografien von Günther Krause zum Beispiel mit Papst Johannes Paul II, Helmut Kohl, dem Dalai Lama und Angela Merkel.

Doch seine Tage an seinem bisherigen Hauptwohnsitz sind gezählt. Weil beide „mit der Insel nicht richtig warm“ geworden sind, will das Ehepaar Krause sich von der Villa und von Kirchmöser schon bald verabschieden und zurück nach Rostock gehen. Ein anderer wichtiger Grund: die Familie, drei Kinder und zehn Enkel im Nachbarbundesland.

Sein Unternehmen ist von den Sanktionen gegen Russland betroffen

Dass er die Villa aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens ohnehin nicht halten kann, verschweigt Krause nicht. Er bestätigt die vom Insolvenzverwalter angegebenen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 800.000 Euro. Gläubiger seien in erster Linie Banken, das Finanzamt und die Sozialkassen.

Sein stark osteuropaorientiertes Unternehmen sei heftig von den Sanktionen gegen Russland getroffen, begründet Krause die Schieflage. „Wir sind Opfer des Technologie-Embargos gegen Russland und haben dadurch 70 Prozent unseres Umsatzes verloren“, sagt der Unternehmer. Es benötige etwas Zeit, die Geschäftsbeziehungen auf den arabischen Raum umzustellen.

Aufgeben will Krause auf keinen Fall. Er sagt: „Ich bin nicht in einer Pleitesituation. Die Vermögenswerte der Firma sind höher als die Forderungen.“ Der Ex-Minister zeigt das Angebot von Holger Thorsten Schubart, der die Kirchmöser-Villa demnach für 585.000 Euro kaufen will.

Krause wundert sich, dass Insolvenzverwalter keine Liquidität erkennen

Dem gleiche Mann, über den sich im Internet eine Menge skeptische Beiträge finden, hat Günther Krause ein Aktienpaket des Firma Neutrino Inc. aus dem US-Staat Nevada mit einem Nennwert von einer Million US-Dollar überlassen – als Gegenwert für 700.000 Euro offene Forderungen der IBP. Zur Insolvenzabwendung hat Schubart die Summe inzwischen auf nominal 5 Millionen US-Dollar erhöht.

Krause wundert sich daher, dass der Insolvenzverwalter keine Liquidität erkennt. Kurzfristige liquide Mittel seien bei der IBP nicht vorhanden, bestätigt Insolvenzverwalter Moritz Sponagel. „Es ist schwierig, die Neutrino-Aktie zu bewerten, sie wird nicht an der Börse gehandelt und wir haben keinen Kurs für sie gefunden“, berichtet die zuständige Rechtsanwältin Nadine Wild. Vorläufig habe sie den Wert daher nur mit einem Euro angesetzt.

Günther Krause hat seinen Optimismus nicht verloren

Nadine Wild prüft Schubarts Kaufangebot für die Villa. Doch diese Prüfung sei nicht so einfach, dass sich daraus schnell ein Über-Erlös ergeben würde zugunsten der Insolvenzmasse. Zumal eine Auflassungsvormerkung für das Grundstück eingetragen ist. Die Verwalter prüfen außerdem, wie vorhandene Außenstände von Schuldner der IBP womöglich zu Geld gemacht werden können.

Günther Krause hat seinen Optimismus nicht verloren. „ich hoffe, dass wir alle Gläubiger in absehbarer Zeit zu 100 Prozent befriedigen können“, sagt er. Sein alljährliches Kirchmöser-Sommerfest wird nun allerdings im zweiten Jahr hintereinander ausfallen.

Von Jürgen Lauterbach

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