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Ex-Minister zahlte junger Mutter kein Gehalt

Günther Krause Ex-Minister zahlte junger Mutter kein Gehalt

Monatelange musste die junge Mutter Jeanette Kernbach ohne ihr Einkommen zurecht kommen. Und das obwohl sie einen Job hatte – als Assistentin der Geschäftsführung in der Firma von Ex-Bundesminister Günther Krause. Der ist mit seinem Unternehmen insolvent, was auch für seine ehemalige Angestellte Folgen hat.

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Der frühere Verkehrsminister Günther Krause.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Die Firma von Ex-Bundesminister Günther Krause in Kirchmöser ist nicht nur bei Banken, dem Finanzamt und den Sozialkassen verschuldet. Jeanette Kernbach (32) wartet schon seit anderthalb Jahren und länger auf ihr Geld.

Denn die Brandenburgerin hat neun Monate für die Firma IBP gearbeitet, doch nur für einen Monat volles Geld bekommen, für drei weitere Monate zwar Gehaltszahlungen, aber nicht die volle Summe. Ihr Prozess vor dem Arbeitsgericht ist geplatzt, weil Krauses Firma insolvent ist.

Jeanette Kernbach berichtet, dass sie im Juni 2014 ihre Arbeit als Assistentin der Geschäftsführung bei der Unternehmensberatung IBP aufgenommen hat. Für den früheren Bundesverkehrsminister Günther Krause (62) organisierte sie mit ihrem Team im August 2014 das Sommerfest mit Modenschau, das im Garten der Villa in der Brandenburger Allee stieg.

Wovon sie gelebt habe? „Von seinen Versprechungen“

Für ihre Arbeit erwartete die alleinerziehende Mutter natürlich das vereinbarte Gehalt, etwa 1300 Euro netto im Monat. Doch Professor Krause, Geschäftsführer der IBP, habe für mehrere Monate nicht gezahlt. Wovon sie dann gelebt habe? „Von seinen Versprechungen“, antwortet die Brandenburgerin mit Galgenhumor. „Ich habe mir den Allerwertesten für die Firma aufgerissen, aber er ist nicht aus der Pfütze gekommen.“

Um laufende Kosten wie die Miete zu decken und mit ihrem sieben Jahre alten Sohn über die Runden zu kommen, habe sie einen Kredit aufnehmen müssen. Auf die offenen Gehaltszahlungen angesprochen habe Krause sie immer wieder vertröstet.

Nur einmal ist Geld überwiesen worden

„Sie wissen ja, dass Politiker gut reden können“, sagt Jeanette Kernbach der MAZ. Monatelang habe sie vertraut und gehofft, monatelang. Nur einmal, für den Oktober 2014, habe ihr Chef das Gehalt überwiesen. Einen Monat später, also vor gut anderthalb Jahren, habe sie erstmals das Wort Neutrino gehört, also den Namen der Firma, auf deren Geschäftsidee und Aktienpaket Günther Krause seine Erwartungen an eine großartige Zukunft knüpft. Wie die MAZ berichtete, hat Günther Krause der Insolvenzverwalterin ein Aktienpaket dieser in Nevada ansässigen Firma Neutrino über eine Million US-Dollar vorgelegt, um damit vorhandenes Vermögen zu belegen und einen positiven Ausgang des Insolvenzverfahrens zu erreichen. Gegenwärtig allerdings taxiert die Verwalterin den Wert der nicht an der Börse gehandelten Aktie noch auf einen einzigen Euro.

Die junge Frau wird wohl leer ausgehen

Krauses frühere Assistentin hat die IBP auf Zahlung der offenen Gehaltsforderungen vor dem Arbeitsgericht verklagt. Außerdem beansprucht sie rund 800 Euro Studiengebühren, die die private Hochschule in Wismar bei ihr eingefordert habe, weil die IBP die zweite Rate für das Betriebswirtschaftsstudium nicht wie versprochen bezahlt habe.

Die junge Mutter aus Brandenburg ist wütend auf ihren früheren Chef, der ihr zudem ein schlechtes Zeugnis ausgestellt habe.

Was das Finanzielle angeht, droht die junge Frau leer auszugehen. Die 3. Kammer des Arbeitsgerichts Brandenburg beendete am Mittwoch den Prozess, weil zu Beginn der Woche das Insolvenzverfahren gegen die IBP eröffnet wurde. Damit entfällt die Anspruchsgrundlage gegen die Firma.

Junge Angestellte hat inzwischen einen Job, der bezahlt wird

Als Gläubigerin bleibt Jeanette Kernbach nun nichts anderes übrig, als sich an den Insolvenzverwalter zu halten und zumindest eine Teilbefriedigung ihrer alten Gehaltsforderung. Bei der Arbeitsagentur kann sie nun Insolvenzgeld beantragen. Das wird in der Regel für drei Monate gezahlt. Insolvenzgeld kann auch Ex-Minister Krause beantragen. Das steht ihm als angestelltem Geschäftsführer der IBP ebenfalls zu.

Inzwischen hat die junge Mutter eine neue Arbeit gefunden, die ihr nicht nur gut gefällt, sondern für die sie auch bezahlt wird.

Krause könnte auch andere Angestellte nicht bezahlt haben

Ob Jeanette Kernbach die einzige IBP-Beschäftigte ist, die noch Gehalt beansprucht, prüft Rechtsanwältin Nadine Wild aus dem Berliner Büro Dr. Sponagel, dem Insolvenzverwalter der IBP. Krause habe versichert, dass keine rückständigen Forderungen aus Arbeitsverhältnissen offen seien. Inwieweit dies zutrifft, sei Gegenstand der Prüfung.

Die frühere Assistentin Krauses, weiß von früheren IBP-Beschäftigten, die damals ebenfalls nicht bezahlt wurden. Ob sie später ihr Geld erhalten haben, weiß sie nicht.

Von Jürgen Lauterbach

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