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Ex-Neonazi schlägt zu – und wandert in Knast

Auschwitz-Lied gegrölt Ex-Neonazi schlägt zu – und wandert in Knast

Eigentlich wollte er Profiboxer werden. Doch dann verlief sein Leben in anderen Bahnen. Er verprügelte einen Stahlarbeiter brutal, grölte das Auschwitz-Lied und hat nun die Quittung für seine Taten bekommen. Der Ex-Neonazi Patrick S. muss ins Gefängnis. Die Gerichtsverhandlung zeigte, wie brutal er zuschlug und wie verpfuscht sein Leben verlaufen ist.

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Der Angeklagte kurz vor Verhandlungsbeginn.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Brandenburg/H. Viele Punkte gut gemacht hat ein ehemaliger Boxer am Dienstag in der zweiten Runde vor dem Landgericht Potsdam nicht. In der Berufungsverhandlung reduzierte Richterin Angelika Eibisch das Strafmaß der ersten Instanz und sprach eine Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten gegen Patrick S. (26) aus. Er hatte einen Stahlarbeiter zusammengeschlagen und ein schmutziges Auschwitz-Lied gegrölt.

Distanzierung von der eigenen Vergangenheit

Patrick S. versicherte im Gerichtssaal, dass er sich inzwischen von seiner rechtsradikalen Vergangenheit distanziert habe. Allerdings konnte er der Richterin nicht erklären, warum er Tunnelohrringe trägt, die eine explodierte Atombombe zeigen. Er verneinte die Frage, ob er Atombomben gut finde.

Der junge Mann, der Berufsboxer werden wollte, von der Sportschule abgelehnt wurde und sich schließlich den Hooligans von Vorwärts Frankfurt/Oder anschloss. Vor Gericht stand er wegen seines Gewaltausbruchs beim Public Viewing des WM-Fußballspiels Deutschland-Algerien am 30. Juni 2014 im Audimax der Fachhochschule Brandenburg.

Neonazis grölen das „Auschwitzlied“

Der Angeklagte und seine sieben Freunde skandieren Neonaziparolen, stimmen das „Auschwitzlied“ an: „Wir bauen eine U-Bahn von Algerien bis nach Auschwitz.“ Einem Zuschauer in der Reihe hinter Patrick S. platzt der Kragen. „Halt die Schnauze“, ruft er. Der Treffer zeigt Wirkung, der Gesang verstummt. Aber die Wut wächst.

Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte, der mehrere Jahre Gefängnis hinter sich hat und den der Alkohol aggressiv macht, lauert dem Mann am Ende des Spiels vor der Tür des Audimax auf, der ihm Widerworte gegeben hatte. Mit drei oder vier Kumpels schlägt und tritt Patrick S. auf den kräftigen Stahlarbeiter ein. Patrick S. ist nicht zu bremsen, will immer weiter draufhauen.

Täter ringt sich reumütig eine Entschuldigung ab

Als Ordner ihn endlich wegzerren und er abrückt, lässt er sich in der Gruppe als Sieger feiern. So wie einst Rocky. Doch der Sieg ist bitter. Patrick S. muss in Untersuchungshaft, wird von seiner Frau und seiner kleinen Tochter getrennt. Während der Verhandlung am Dienstag ist er kleinlaut, geständig und ringt sich eine Entschuldigung ab.

Das Opfer erlitt Knochenbrüche, Gesichtsverletzungen, eine Zerrung und einen ausgeschlagenen Zahn. Bis heute leidet der junge Mann, der mutig eingeschritten war, an schweren Schlafstörungen, Angstzuständen. Er kann noch nicht wieder richtig kauen, meidet Menschenansammlungen und musste sein Hobby, das Fußballspielen, aufgeben.

Das Gericht berücksichtigte, dass Patrick S. ein Geständnis ablegte, sich um seine Familie kümmert, eine Lehre absolviert und dem Opfer am Dienstag erstmals etwas zahlte: die ersten 20 Euro von 3000 Euro Schadensersatz.

Von Jürgen Lauterbach

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