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Fachärzte in Brandenburg arbeiten am Limit

Engpass Fachärzte in Brandenburg arbeiten am Limit

Auf dem Papier ist die Versorgung der Bürger in der Stadt Brandenburg und den umliegenden Gemeinden mit Haus- und Fachärzten gut. Doch die politische Bedarfsplanung geht am Bedarf einer immer älter werdenden Bevölkerung vorbei. In Brandenburg und Umgebung herrscht entgegen offizieller Daten ein Mangel an Augen-, Haut- und anderen Fachärzten.

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Beim Augenarzt am Nicolaiplatz werden Patienten ohne Terminvergabe behandelt. In der Ferienzeit warten etwas weniger Menschen auf der Straße, bis die Praxis öffnet.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Auf dem Papier ist die Versorgung der Bürger in der Stadt Brandenburg und den umliegenden Gemeinden mit Haus- und Fachärzten gut. Doch die politische Bedarfsplanung geht am Bedarf einer immer älter werdenden Bevölkerung vorbei. In Brandenburg und Umgebung herrscht entgegen offizieller Daten ein Mangel an Augen-, Haut- und anderen Fachärzten.

Die Zeiten, in denen vor acht, neun Jahren selbst schwer kranke Brandenburger keinen Hausarzt in der Stadt und der näheren Umgebung gefunden haben, der sie neu als Patient annimmt, sind zum Glück überwunden. Der Versorgungsgrad mit Hausärzten in der Stadt hat sich im letzten Jahr positiv verbessert“, stellt Marianne Eisenschmidt fest, die als Vorsitzende des Ärztenetzes Brandenburg/Havel etwa die Hälfte der niedergelassenen Ärzte vertritt.

Ein Grund zum Jubeln leitet sich daraus jedoch nicht ab. Denn selbst nach den gesetzlichen Vorgaben des Bundes könnte die KV noch Versorgungsaufträge für zweieinhalb Hausarztstellen in Brandenburg und Umgebung erteilen.

Trotz Werbebemühungen der KV an der Charité in Berlin fehlen jedoch die Interessenten, wie KV-Sprecher Christian Wehry berichtet. Nach den Zahlen, die Wehry vorliegen, könnte die hausärztliche Versorgung in einigen Jahren wieder zum Problem werden. Denn von 49 Hausärzten in der Stadt sind zehn älter als 60 Jahre.

Lieber lange warten als nach Berlin ausweichen

Die Ärztenetz-Vorsitzende Marianne Eisenschmidt nennt den hohen Behandlungsbedarf von alten Patienten als einen wichtigen Grund, warum viele Haus- und Facharztpraxen so gut ausgelastet sind.

Ein weiterer Grund: „Der Deutsche geht gern zum Arzt, besucht Notaufnahmen, Rettungsstellen und Bereitschaftsdienste.

Brandenburger, die lange auf einen Arzttermin warten müssen, könnten zum Beispiel nach Berlin ausweichen, wo ein Überangebot besteht. Doch viele seien nicht bereit oder objektiv in der Lage, weite Wege zum Facharzt in kauf zu nehmen, berichtet Marianne Eisenschmidt. Sie warten lieber.

Die meisten niedergelassenen Ärzte in der Stadt Brandenburg vergeben Termine an ihre Patienten. Eine Ausnahme bildet die Augenarztpraxis von Bernhard Wolff am Nicolaiplatz. Dort kommen Patienten ohne Anmeldung der Reihe nach dran.

In bestimmten Facharztgruppen besteht das Versorgungsproblem schon heute, auch wenn die Bedarfsplanung, die sich an den gesetzlichen Vorgaben orientiert, eine andere Sprache spricht. KV-Sprecher Wehry legt Daten vor, nach denen Augen-, Haut- und HNO-Patienten in Brandenburg und im Landkreis Potsdam-Mittelmark traumhafte Bedingungen vorfinden müssten.

Beispiel Augenärzte: Zwanzig Augenärzte im Plangebiet Stadt und Kreis sind mit Versorgungsaufträgen ausgestattet, die Hälfte davon in Brandenburg/Havel. Die 16 Versorgungsaufträge bedeuten nach den gesetzlichen Vorgaben, das Stadt und Kreis einen Versorgungsgrad von 120 Prozent erreichen, demnach überversorgt sind. Ähnliches gilt für die Hautärzte, für die in der Planregion aktuell ein Versorgungsgrad von 124,7 Prozent ausgewiesen ist und für HNO-Ärzte, bei denen der Versorgungsgrad angeblich bei 122,4 Prozent liegt.

Die KV, die Ärzte und die oft lange auf ihre Termine wartenden Patienten wissen, dass solche Zahlen Schall und Rauch sind, an der Realität vorbeigehen. Die Dermatologie ist ein großes Problem, weiß Wehry. Er berichtet von Orten wie Premnitz, in denen nach einem Jahr immer noch kein Nachfolger gefunden wurde.

„Der Schlüssel, mit dem die Politik den Versorgungsrad festlegt, ist realitätsfern und spiegelt nicht die demografische Entwicklung wieder mit einer Zunahme alter und sehr alter Menschen mit einem hohen ärztlichen Versorgungsaufwand“, sagt die niedergelassene Ärztin Marianne Eisenschmidt. Nur die Fallzahlen zu beachten, das verzerre das Bild.

Das Ärztenetz Brandenburg registriert erhebliche Mängel in der fachärztlichen Versorgung in der Stadt: Nicht nur bei den Augen-, Haut- und HNO-Ärzten, sondern laut Eisenschmidt auch bei Neurologen, Chirurgen und Internisten wie Rheumatologen, Lungenfachärzten, Gastroenterologen und Kardiologen.

So versorgen ambulant lediglich zwei Kardiologen in der Planregion eine Bevölkerung von 130 000 Menschen, berichtet die Ärztenetz-Vorsitzende. Die Kollegen arbeiten ihren Worten zufolge am Limit. Der hohe Bedarf an Neurologen, von denen es nur drei in der Stadt gibt, werde teilweise aufgefangen von der sehr guten Klinik in der Stadt, also dem Asklepios-Fachklinikum.

„Jede Niederlassung ist ein Gewinn“, versichert KV-Sprecher Wehry. Nach seinen worten bemühen sich die Ärztevertreter um Lobbyarbeit in Berlin, damit die Zahlen der Politik nicht nur auf Fallzahlen und damit Quantität ansetzen, sondern endlich auch qualitative Aspekte berücksichtigt werden.

Von Jürgen Lauterbach

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