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Brandenburg/Havel Fast drei Jahrzehnte Justiz als Familienfeier
Lokales Brandenburg/Havel Fast drei Jahrzehnte Justiz als Familienfeier
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17:20 30.11.2018
OLG-Chef Christoph Clavée (l.) mit den Vätern der „Justiz-Historie“ im Land Brandenburg sowie Michael Brandt (CDU,l.) als OB-Vertreter (r.). Quelle: Foto: Jast
Brandenburg/H

Es war ein Familientreffen mit der ganzen Verwandtschaft, zu dem OLG-Präsident Christoph Clavée am Freitag eingeladen hatte. „Wir standen vor der Frage, Staatsakt oder Familienfeier“, sagt Clavée vor dem vollbesetzten Versammlungsraum im Oberlandesgericht in Brandenburg. Und man habe sich für die Familie entschieden. So mit Onkeln, die Geschichten erzählen, Neffen, die Blockflöte spielen und Cousinen die Gedichte vortragen, scherzt Clavée.

Geburt der Rechtsstaatlichkeit

„Die Familie“ das klingt ein bisschen italienisch. Ist aber das Gegenteil. Nicht Rechtlosigkeit, Blutrache und Familienbande standen im Mittelpunkt des 25. Geburtstages sondern der Aufbau einer rechtsstaatlichen, unabhängigen Justiz, die mit der Gründung des Oberlandesgerichtes in Brandenburg vor 25 Jahren einen ihrer Höhepunkte erlebte.

Viele waren gekommen, um sich an die Zeitenwende damals zu erinnern. Die alten Kämpen, wie der frühere Justizminister Hans-Otto Bräutigam, sein Staatssekretärs Rainer Faupel oder der frühere OLG-Präsident Wolfgang Farke und sein Vize Hans-Jürgen Wende. Irgendwie passend trotz des roten Parteibuchs: Mit dabei der Anfang der 90er jüngste Landtagsabgeordnete, nämlich Stefan Ludwig (Linke), der sich Freitag als Justizminister an fast drei Jahrzehnte erinnerte.

Man muss sich nicht immer lieb haben in der Familie

In so einer Familie hätten sich nicht immer alle lieb, sind sich die Redner einig. Doch das Ziel, eine verhasste DDR-Justiz zu überwinden, die sich durch Abhängigkeit, Nichtverfolgung von Wahlfälschungen und parteipolitische Urteile jahrzehntelang diskreditiert habe, sei erreicht worden, machte Faupel in seiner Rede ebenso deutlich wie zuvor Ludwig. Und wie das bei Familienfeiern ist, wenn der Onkel erst einmal zu reden beginnt, dann hört er so schnell nicht auf.

Kaum die Hälfte des Programms war vorbei, als mehr als eineinhalb Stunden der „Feierstunde“ vorbei waren. Sicher, ein Vierteljahrhundert Justizaufbau in einem neuen Land und an einem neuen Standort – das Brandenburg/Havel damals das OLG bekam grenzt nach den Erzählungen von Freitag ein bisschen an ein Wunder – birgt ganze Aktenschränke voll Geschichten, Gesetzen und Anekdoten.

Ein Telefon für ein Ministerium

Und so wurde Freitag viel gelacht, etwa wenn Faupel an das eine Telefon erinnerte, mit dem man damals vom Ministerium in Potsdam aus nach Düsseldorf oder Bonn telefonieren konnte. Aber auch geschluckt, wenn an die „Schreckenskammern“ in Gerichten der DDR erinnert wurde, von wo aus die Stasi die Gerichtssäle oder auch das Büro der Gerichtschefs abhören ließ.

Und es wurde auch wehmütig, wenn die Sprache auf Wegbegleiter wie den ersten OLG-Präsidenten Peter Macke, den zweiten Nachfolger Wolf Kahl, den Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg oder zuletzt den OLG-Richter und Uni-Dekan Götz Schulze zu sprechen kam, die alle in den letzten Jahren verstorben sind. Im Falle Mackes sparte Faupel nicht mit Kritik an der Politik und der Landesregierung, die es zugelassen habe, dass Macke zu Unrecht ein wenig würdevoller Abschied aus dem Amt bereitet wurde.

Defizite bei der Erinnerungskultur

An dieser Stelle stellte sich nicht nur dem Berichterstatter die Frage: Warum hielt es das Justizministerium bis heute nicht für nötig, Erardo Rautenberg, der das Amt des Generalstaatsanwalts 20 Jahre inne hatte und mehr prägte als jeder andere Staatsanwalt im Land, entsprechend zu würdigen?

Über Vergangenheit und Zukunft wurde am Freitag noch viel und lange gesprochen, als frühere und amtierende Wachtmeister, Politiker, Richter und Angestellte nach den Feierstunden gemeinsam ins Gespräch kamen und sich erinnerten. Eben ganz in Familie mit staunendem Nachwuchs, redseligen Onkeln und Tanten, würdigen Witwen und ganz vielen alten Geschichten.

Von Benno Rougk

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