Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Fast eine Tonne Hundekot am Tag

Tretminen-Massen in Brandenburg an der Havel Fast eine Tonne Hundekot am Tag

812 Kilogramm Hundekot: So viel Darmausscheidungen von Bello, Lumpi und Co. gehen jeden Tag auf die Stadt Brandenburg nieder. Verursacht von den 4064 gemeldeten Hunden. Das ist gewaltig, entspricht es doch fast einer Tonne - oder dem Gewicht eines Kleinwagens.

Voriger Artikel
Mord am Supermarkt: DRK sammelt Spenden
Nächster Artikel
Mobbing und Dreck: Streit im Klinikum

Der Hund kann nichts dafür, sein Halter um so mehr. Den Kot muss man fix beseitigen.

Quelle: dpa

Brandenburg an der Havel. Auch wenn diese Größenordnung nach Angaben von Brandenburgs Amtstierarzt Knut Große nur eine gerundete Zahl ist, kommt sie der Realität sehr nahe. Jeder Hund hinterlässt im Schnitt 200 Gramm Kot am Tag.

Die Stadtverwaltung scheint indes kapituliert zu haben. In keinem Jahr zuvor wie 2014 gab es so wenig Anzeigen gegen Hundehalter, die den Dreck ihrer Tiere einfach liegen ließen. Zugleich teilt die Verwaltung mit: „Das Aufstellen von Hundetoiletten wird derzeit nicht als Problemlösung angesehen“. Das sagte Angelika Jurchen von der Pressestelle der Stadt.

In vielen Kommunen Deutschlands gehören Hundetoiletten fast schon zum Stadtbild. Aufsteller, denen Papp- oder Plastiktüten zu entnehmen sind, mit Abfalleimer, in dem dann die Kot-Tüten entsorgt werden können. „Wartungs- und Betriebskosten einer Hundetoilette sind wegen Vandalismus und Diebstahl sehr hoch“, sagt dazu Angelika Jurchen. Ein Versuch vor mehreren Jahren, solche Tütenspender aufzustellen, musste daher abgebrochen werden.

Keine Hundetoiletten in Brandenburg an der Havel

Hundetoiletten gibt es etwa in Potsdam mit seinen 6000 steuerlich erfassten Hunden zahlreiche. Nach Angaben von Stadtsprecher Jan Brunzlow sind es 30 dieser Tütenspender mit beigefügtem Mülleimer: „Die Tüten sind zwar immer alle weg, aber es macht die Stadt nicht sauberer.“ Potsdam setzt auf Ordnungsamtsmitarbeiter in Zivil, um Hundehalter in flagranti zu ertappen. Zudem erarbeitet die Stadt derzeit ein neues Konzept und prüft den Sinn von Hundetoiletten, ob mehr nötig sind und ob sie überhaupt etwas bringen. „An Hundehalter verteilen die Ordnungsamtsmitarbeiter auch Flyer über Leinenpflicht und das Beseitigen von Kot“, so Potsdams Stadtsprecher.

Hundekot ist ein Dauerärgernis in Brandenburg – besonders in „fast allen Nebenstraßen der Innenstadt“, so Jurchen. Mit auf den Boden gehefteten Augen, um nicht in Fäkalien zu treten, sollten Havelstädter und Buga-Gäste etwa in der Kleinen Gartenstraße spazieren gehen. Diese Straße ist die direkte Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Buga-Gelände und vermintes Gelände. Tatsächlich lagen dort auch am Mittwoch insbesondere Richtung Pauli-Kloster und auch eben dort viele Hundehaufen.

Tretminen lauern aber auch in der westlichen Neustadt und am Walter-Rathenau-Platz (siehe Infokasten). Doch auch wenn bekannt zu sein scheint, dass in diesen Straßen besonders viele Hundehalter leben, die ihren Nachbarn den Kot ihrer Vierbeiner vor der Haustür zumuten, geschieht auch dort wenig. Nur 14-mal belangte die Stadtverwaltung im vorigen Jahr Hundebesitzer, weil sie sich um den Kot ihrer Tiere einen Dreck scherten, statt ihn, wozu sie verpflichtet sind, sofort zu beseitigen. Im Jahr zuvor waren es 39 Anzeigen und damit fast ebenso viele wie 2012. Immerhin 54-mal wurden Hundehalter im Jahr 2011 zur Kasse gebeten und 42-mal 2010.

In München ist es teuer

Diese Straßen in Brandenburg an der Havel sind besonders häufig mit übel riechenden Tretminen gespickt: Jahnstraße, Franz-Ziegler-Straße, Gutenbergstraße, Linienstraße und Otto-Gartz-Straße.
Betroffen sind nach Angaben der Stadtverwaltung auch alle Nebenstraßen in der City.
Laut Brandenburger Stadtordnung ist ein Hundehalter verpflichtet, eine Tüte zur Beseitigung des Kots seines Tieres bei sich zu haben. „Die Kontrollen haben ergeben, dass fast alle dieser Vorschrift Folge leisten“, sagt Angelika Jurchen von der Pressestelle der Stadtverwaltung.
Die meist schwarzen Hundekot-Tüten , in kleine Rollen gewickelt, gibt es in jeder Drogerie, im Tierfachhandel und in Supermärkten. Einige Hundebesitzer haben die Tütenhalter schon an Halsband oder Leinen ihrer Tiere befestigt, um sie stets dabei zu haben.
Lässt ein Hundebesitzer die Exkremente seines Vierbeiners liegen, droht ihm in Brandenburg an der Havel ein Ordnungsgeld von 15 Euro. Diese Summe kann sich noch erhöhen, wenn der Übeltäter der Aufforderung, den Kot zu beseitigen, nicht nachkommt. In Berlin kostet es 35 Euro, in München bis zu 75 Euro.

Mitarbeiter des Brandenburger Ordnungsamtes kontrollieren täglich „zu unregelmäßigen Zeiten morgens und auch abends“, beschreibt Angelika Jurchen die Strategie. Und auch deren Scheitern: „Hundekot in der Stadt Brandenburg ist wie auch in anderen Städten ein Problem, für welches noch keine generelle Lösung gefunden werden konnte. “

Dabei sind die tierischen Fäkalien gar nicht ungefährlich. Die Stadtverwaltung verweist auf die Gefahr des Sturzes. Rollstuhlfahrer können Hundekot oft nicht ausweichen und kommen so mit ihm direkt in Hautkontakt, wenn sie an die beschmutzten Räder greifen.

Hundekot ist gefährlicher Krankheitserreger

Krankheiten und Parasiten können durch den Kot übertragen werden. Insbesondere für Kinder und abwehrgeschwächte Menschen birgt der Kontakt zu den Fäkalien laut Jurchen eine Gesundheitsgefahr.

Krabbelt ein einjähriges Kind über eine Liegewiese und fasst in einen Hundehaufen, droht ihm die Infizierung mit Parasiten wie dem Fuchsbandwurm. Schuld sind Wurmeier in den Bandwurmgliedern, die der Hund über seine Verdauung ausscheiden kann. Über mit Kot verschmutzte Schuhsohlen können die winzigen Bandwurmeier bis in die Wohnung getragen werden. Jeder dritte Hund gilt als infiziert mit Würmern, weil nicht alle Hundehalter ihre Tiere regelmäßig entwurmen.

Würmer bergen die Gefahr einer lebensbedrohlichen Erkrankung für den Menschen. Besonders bedenklich ist es, wenn Hundehalter ihre Tiere auf Liegewiesen oder gar Spielplätzen ausführen. Es drohen dem Menschen „Erreger gemeingefährlicher und übertragbarer Krankheiten“, sagt Angelika Jurchen. Ein Düsseldorfer Gericht verurteilte einen Hundehalter deswegen gar wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung.

Für andere Hunde stellt Kot in der Regel keine Gefahr dar. Die meisten schnuppern höchstens an Hundekot, das ist nach Angaben von Amtstierarzt Große ungefährlich.

Drastische Maßnahmen in Niedersachsen

Im niedersächsischen Einbeck griffen Bürger, die den Hundekot nicht mehr ertragen wollen, jüngst zu einem drastischen Mittel: Sie sammelten vier Stunden lang mit Handschuhen und Schutzanzügen Hundehaufen in Parkanlagen und auf Bürgersteigen ein. 250 Kilogramm, fast ein Drittel der täglich in Brandenburg an der Havel anfallenden Hundekots, kamen so zusammen.

In einem Sack hängten die Sammler dann öffentlichkeitswirksam den Kot an den Eulenspiegel-Brunnen auf dem Marktplatz in Einbeck. Mitarbeiter des Bauamtes mussten ihn entfernen. Über die Aktion berichtete sogar der NDR.

Von Marion von Imhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg