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Brandenburg/Havel Bei der Feuerwehr brennt die Luft
Lokales Brandenburg/Havel Bei der Feuerwehr brennt die Luft
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10:54 09.01.2016
Im Notfall muss die Brandenburger Berufsfeuerwehr schnell zur Stelle sein. Quelle: V. Maloszyk
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Brandenburg/H

Bei der Brandenburger Feuerwehr brennt es, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Der Leiter der Rettungsstelle musste in den Ruhestand gehen, obwohl er gern weitergemacht hätte. Im Februar erreicht der Leiter der Feuerwehr das Pensionsalter. Ob er weiter machen darf ist ungeklärt. Nachfolger für beide Positionen sind nicht in Sicht. Außerdem haben sich fünf Feuerwehrleute versetzen lassen, ohne dass schon Ersatz für sie da wäre.

Selbst der für den Brandschutz in der Stadt verantwortliche Beigeordnete Michael Brandt (CDU), der als nervenstark gilt, ist derzeit bezogen auf das Feuerwehr- und Rettungswesen nicht komplett entspannt. Im Prinzip bestätigt er Informationen, die auch von unzufriedenen und kritischen Feuerwehrmännern an die MAZ herangetragen wurden.

Unzufriedene Feuerwehrleute

Auf Nachfrage bestätigt Brandt zunächst, dass die Verwaltung ab sofort auf den Mann verzichten muss, der jahrelang das Rettungswesen in der Stadt maßgeblich organisiert hat. Peter Regorius hatte zwar beantragt, über das 65. Lebensjahr hinaus weiter beschäftigt zu werden.

Doch der Personalrat der Stadt lehnte das ab – für Regorius und auch für Brandt unerwartet. Die Oberbürgermeisterin verzichtet darauf, die Einigungsstelle anzurufen.

Nach Brandts Darstellung fehlt damit der Hauptorganisator des Rettungswesens und bleiben wichtige Aufgaben vorerst liegen. So gilt der ausgeschiedene Regorius gilt als derjenige, der als einziger durch den
Abrechnungsdschungel mit den Krankenkassen durchblickt.

Der Beigeordnete kann derzeit nicht sicher sein, dass eine zweite wichtige Personalie sich in seinem Sinne entwickelt. Detlef Wolf ist seit 1977 bei der Feuerwehr in Brandenburg und leitet sie seit 1988. Im Februar erreicht er das Pensionsalter, das im Falle der Feuerwehrbeamten bei 60 Jahren liegt. Wolf fühlt sich fit, gesund und motiviert genug, um noch zwei oder drei Jahre dranzuhängen. Auch dafür ist die Zustimmung des Personalrates erforderlich.

Seit 1977 bei der Feuerwehr

Sollte der Feuerwehrleiter in den Ruhestand versetzt werden, stünde kein Nachfolger bereit. Mehr noch: Die Personalabteilung der Verwaltung hat die Leitungsstelle noch gar nicht ausgeschrieben, weder extern noch als Aufstiegsstelle für entsprechend geeignete eigene Feuerwehrleute. Warum das nicht geschehen ist und ob eine Ausschreibung in die Wege geleitet wird, diese Fragen vermag Verwaltungssprecher Jan Penkawa bisher nicht beantworten.

Was eine externe Besetzung der Wolf-Stelle angeht ist der Beigeordnete Brandt skeptisch, dass die Verwaltung damit eine dauerhafte Lösung erreicht. Anwärter sind rar gesät, eine Berufsfeuerwehr von der Größe der Brandenburger biete sich vermutlich nur als „Durchlauferhitzer“ für Kandidaten an, die eigentlich nach Höherem streben.

Qual und Scheitern an der 75-Kilo-Puppe

Für Unruhe und Unzufriedenheit im Brandenburger Feuerwehrwesen haben in der Vergangenheit unbefriedigende Arbeitszeitregelungen geführt. Obwohl eine europäische Arbeitszeitrichtlinie die Begrenzung auf 48 Wochenstunden Arbeit vorsieht, arbeiteten die Feuerwehrleute auch in der Stadt Brandenburg 56 Stunden.

Fast alle Feuerwehrleute haben inzwischen sogenannte Opt-Out-Vereinbarungen mit ihrem Arbeitgeber getroffen. Die Arbeitszeit beträgt zwar 52 Stunden, ist aber so geregelt, dass die Dienste nicht gestückelt, sondern in festen Zeitblöcken geleistet werden.

Etliche Arbeitnehmer haben in der Vergangenheit ohne Rechtsgrundlage länger arbeiten müssen. Daher haben sie einen Anspruch auf Nachzahlungen innerhalb der Verjährungsfrist von drei Jahren. Feuerwehrchef Detlef Wolf versichert, dass seine Leute die ihnen zustehenden Nachzahlungen erhalten, ohne dass sie das Geld einklagen müssen.

In den Feuerwehrdienst zu kommen setzt die Überwindung hoher Hürden voraus. Nach Angaben von Wolf wurden zuletzt etwa 25 von 40 Bewerbern eingeladen. Nur etwa die Hälfte bestand den äußerst anstrengenden sportlichen Teil des Aufnahmeverfahrens, der aus 1000-Meter-Lauf, 20 Meter Hochsteigen auf der Feuerwehrdrehleiter und Kraftübungen besteht.

Beim Sporttest müssen in kurzer Zeit hintereinander mehrere körperlich anstrengende Übungen gemacht werden. Der Killer: Die schon ausgepumpten Bewerber müssen dann noch eine 75 Kilogramm schwere Puppe in einer vorgegebenen Zeit eine bestimmte Strecke weit schleppen. Wolf: Daran scheitern viele.

Gut gerüstet ist die Stadtverwaltung in Zeiten, in denen die Kreisfreiheit auf dem Spiel steht, offenbar nicht bezogen auf den Chefposten. Obwohl das Lebensalter des Amtsinhabers bekannt sein dürfte. Nach Wolfs Angaben würde ein interner Nachfolger aus dem gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst erst in zwei Jahren für den erforderlichen höheren Dienst qualifiziert sein.

Doch nicht nur an der Spitze gibt es Probleme. Feuerwehr und Rettungsdienst haben gerade fünf Feuerwehrleute innerhalb kurzer Zeit verloren. Das ist bei 121 Beamten und Angestellten zwar auf den ersten Blick nicht dramatisch. Doch Ersatz zu finden sei schwierig, Feuerwehrleute seien überall gesucht und könnten sich daher aussuchen, wo sie arbeiten möchten.

Nicht nur an der Spitze Probleme

Dass gleich fünf Männer auf einmal gehen, zwei davon aus dem gehobenen Dienst, versteht der Beigeordnete nicht als Abstimmung mit den Füßen. Zumindest bei drei Männern seien persönlich-familiäre Gründe oder eine Karriereperspektive ausschlaggebend gewesen. In den Gesprächen mit den Beamten, die um ihre Versetzung gebeten haben, sei zwar Kritik laut geworden. Doch Mängel mit wiederkehrendem Muster habe er den Gesprächen nicht entnehmen können.

Solche Kritik kommt allerdings von Feuerwehrleuten, die ungenannt bleiben möchten. In der In der Leitstelle fehlten seit Jahren Mitarbeiter. Die Löcher würden von den Dienstschichten teilweise gestopft. Nach Abzug des Rettungsdienstes blieben nur noch zehn Feuerwehrleute übrig, die die Fahrzeuge im Alarmfall besetzen können.

Seit Jahren fehlen Mitarbeiter

Dass Feuerwehr und Rettungsdienst mit der nun weiter ausgedünnten Personaldecke an ihre Grenzen stoßen, sieht Brandt zwar nicht. Doch bestreitet er nicht, dass der Aderlass die Arbeit der Wache beeinflussen wird. „Einfacher wird es nicht“, räumt der CDU-Politiker ein.

Richtig knapp werden könnte es dann, wenn viel Urlaub, ein hoher Krankenstand und nicht besetzte Stellen zusammentreffen. Dann würden Männer aus der Wachabteilung im Rettungsdienst eingesetzt werden.

Von Jürgen Lauterbach

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