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Flower-Power rockt das Theater doppelt

Musical „Hair“ Flower-Power rockt das Theater doppelt

Sie lachten, kreischten und machten in jeder Hinsicht deutlich, dass für einen Abend lang nicht provinzielle Piefigkeit, sondern das New Yorker Flair der Hippiejahre herrschte. Die Sänger und Schauspieler der Broadway Musical Company New York ließen mit dem Musical „Hair“ ein Wochenende lang in Brandenburg die Ära der Blumenkinder wieder aufleben.

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Ein farbenfrohes Spektakel: „Hair“ verzauberte die Brandenburger am Wochenende.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. Tumult. Sie tanzten über die Sitzreihen. Sie knutschten Zuschauerinnen, die ahnungslos den Saal im Großen Haus des Brandenburger Theaters betraten. Sie lachten, kreischten und machten in jeder Hinsicht deutlich, dass für einen Abend lang nicht provinzielle Piefigkeit, sondern das New Yorker Flair der Hippiejahre herrschte. Die Sänger und Schauspieler der Broadway Musical Company New York ließen mit dem Musical „Hair“ ein Wochenende lang in Brandenburg die Ära der Blumenkinder wieder aufleben. Und das mit ungebremster Lebensfreude und Energie, nur leider in der falschen Sprache: Gezeigt wurde die englische Originalfassung von Joseph Papp für das Shakespeare Festival Theatre New York.

Lang, lang ist es her, dass das Musical „Hair“ die biedere, konservative amerikanische Gesellschaft schockierte. Vor 50 Jahren, im Oktober 1967, hob sich der Vorhang für das Skandalstück zur Off-Broadway-Uraufführung am Shakespeare Public Theatre, New York. Die on-Broadway-Premiere folgte dann am 29. April 1968, am Biltmore Theatre, New York, Allein an diesem Theater erlebte das Musical 1873 Aufführungen. Und es hatte in der ganzen Welt Erfolg. Die europäische Erstaufführung fand im September 1968 in London statt, die deutsche einen Monat später in München.

Das legendäre Rockmusical in der Inszenierung von Michael Butler mit der mitreißenden Musik von Galt Mac Dermot hat nichts von seiner Brisanz, seiner Energie, seiner Dramatik und seiner Faszination verloren. Die knapp 180 Zuschauer im Brandenburger Theater genossen die weltbekannten „Ohrwürmer“ wie „Aquarius“, „Hare Krishna“, „I got life“ oder „Good Morning Starshine“. Die Stimmen der Sänger und die Musiker der Live-Rockband waren durchweg topp. Und so haben Manuela und Norbert Böttche aus der Stadt Brandenburg die Aufführung in vollen Zügen genossen. „Wir haben zwar die Texte nicht verstanden, aber das hat uns nicht weiter gestört, weil wir die Musik sehr schön fanden“, waren sich die beiden einig.

Vielleicht war es sogar gut so, denn manche Texte sind hart, wie folgendes Zitat auf Deutsch beweist: „Sodomie, Fellatio, Päderastie. Vater, warum klingen diese Worte so dreckig. Masturbation kann Spaß machen. Kommt alle ins heilige Kama Sutra.“ Doch den amerikanischen Hippies ging es nicht allein um Sex und Drogen. Sie engagierten sich gegen das Establishment und den furchtbaren Vietnamkrieg und für Black Power und die freie Liebe.

Auch wenn man nicht alles verstehen konnte, es gab auch so genug zu sehen auf der Bühne. Da sind zum einen die Tänze und Choreographien zu nennen, die Lebensfreude pur versprühten. Aber das Stück bot auch eine bis dahin nicht gekannte Freizügigkeit. Wohl zum ersten Mal in der Theatergeschichte wagten sich Schauspieler splitternackt auf die Bühne. Lautstark priesen sie ihre Orgien und den Drogenkonsum. Das Sternenbanner diente ihnen als Unterlage zum Gruppensex. Vor allem für die Kirche und konservative Politiker waren das überaus schockierende Szenen.

„Hair“ war das Werk zweier Schauspieler, Gerome Ragni und James Rado, die damals gerade arbeitslos waren. Sie wollten ein realitätsnahes Stück schreiben.

Von Ann Brünink

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