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Flüchtlinge: Stahlpalast ist vom Tisch

Brandenburg an der Havel Flüchtlinge: Stahlpalast ist vom Tisch

Die Vorstellung des Landes, binnen 72 Stunden den Stahlpalast als Erstaufnahmeeinrichtung herzurichten und dort 500 Menschen unterbringen ist vom Tisch. In den nächsten Tagen werden nun andere Standorte geprüft. Doch was hat gegen den Stahlpalast gesprochen?

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Der Real-Markt in der Alten Potsdamer Straße, hier kurz vor seiner Schließung, ist als Unterkunft ins Gespräch gebracht worden.

Quelle: Foto: V. Maloszyk

Brandenburg/H. So schnell ändern sich die Dinge in Sachen Flüchtlingsunterbringung: In der ersten Tageshälfte befragte die MAZ noch etliche Bürger rund um das Axxon-Hotel, was sie von dem Vorhaben der Landesregierung halten, im Stahlpalast eine Erstaufnahmeunterkunft für 500 Flüchtlinge zu schaffen. In der zweiten Tageshälfte war genau dieser Plan schon Makulatur, steuerte das Land auf dringenden Rat der Fachleute vor Ort in eine andere Richtung. „Die Vorstellung des Landes, binnen 72 Stunden den Stahlpalast als Erstaufnahmeeinrichtung herzurichten und dort 500 Menschen unterbringen, ist vom Tisch, sagte der Beigeordnete Michael Brandt (CDU) am Donnerstagabend. Zuvor hatte der Verwaltungsrat der Stadt getagt, der in Katastrophenfällen zusammentritt. Dort vertreten ist auch ein kompetenter Ansprechpartner der Landesverwaltung.

Veranstaltungen in der Stahlhalle schon gebucht

Nun ist die Flüchtlingsunterbringung in Erstaufnahmelagern zwar keine Katastrophe, doch eine gewaltige Herausforderung, für deren Bewältigung nicht die Kommune, sondern die Landesregierung Verantwortung trägt. Im Gespräch am Donnerstagnachmittag wurde laut Brandt deutlich, dass es noch Klärungsbedarf bezogen auf den Erstaufnahmestandort in der Stadt gibt und das Land die Stahlhalle als Unterkunft gar nicht sicher hat.

Diese Information deckte sich mit der Auskunft, die Andreas Theel der MAZ am Donnerstag gab. Der Geschäftsführer des benachbarten Axxon-Hotels bestritt, dass eine Freigabe der Mehrzweckhalle durch den Hotel- und Stahlhallenbesitzer Otto-Friedrich Witzel erfolgt sei. Das Gegenteil sei richtig, zumal dort schon etliche Veranstaltungen gebucht seien. An den Besitzer habe das Land im Übrigen auch keine Anfrage dazu gerichtet.

Versorgungsproblem in der Kürze

Michael Brandt zufolge werden in den nächsten Tagen gemeinsam mit dem Land mehrere andere Immobilien im Stadtgebiet auf ihre Eignung hin geprüft, die sich in privater Hand befinden. Weil zunächst also Verhandlungen mit Dritten zu führen sein werden, ist eine 72-Stunden-Lösung vom Tisch. Auch technisch könnten derart große Unterkünfte so schnell nicht bereit gestellt werden. Die Versorgung mit Trinkwasser, die Entsorgung des Abwassers müsse zunächst bewerkstelligt werden. Welche Objekte der Verwaltungsrat nun in Augenschein nimmt, wollte Brandt zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Zur Möglichkeit, den vor drei Wochen leergezogenen Real-Einkaufsmarkt in der Alten Potsdamer Straße zu nutzen, äußerte er sich nicht. Genau diesen Standort haben auch mehrere Brandenburger vorgeschlagen, die die MAZ am Donnerstag zu ihren Vorstellungen befragt hat. Die Meinungen zur aktuellen Flüchtlingssituation bewegten sich zwischen Offenheit, Angst und Ablehnung. „Irgendwo müssen wir den Menschen ja ein Dach über den Kopf geben“, lautet aber eine immer wieder gegebene Antwort von Brandenburgern.

Hätten sich die Bürger daran gestört?

Der Stahlpalast als Erstaufnahmelager hätte Marion Zaddach nicht gestört „Ehrlich gesagt ist mir das egal“, sagte die Brandenburgerin, die es aber insgesamt für keine gute Idee hält, Menschen so an einem einzigen Ort zu zentrieren. Besser wäre es, ihnen leerstehende Wohnungen zu geben, pflichtet Klaus Knetsch dieser Meinung bei.

Eine 89 Jahre alte Rentnerin erkennt sich in dem Schicksal der Flüchtlingsfamilien selbst wieder, weil sie selbst einst aus Schlesien nach Brandenburg flüchten musste. Janice Herbst ist weit mehr als 70 Jahre jünger als die Heimatvertriebene. „Ich habe nichts gegen die Erstaufnahme im Stahlpalast, ich bin da offen“, sagte die Schülerin der MAZ.

Von Jürgen Lauterbach

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