Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
„Flutlichtmasten werden zurückgebaut“

Brandenburg an der Havel „Flutlichtmasten werden zurückgebaut“

Egal, ob der Erhalt der Flutlichtmasten nun etwa 500 000 Euro kostet, wie es Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) sagte oder ob sich die Kosten 165 000 Euro für die vier Masten von Professor Dirk Werner als Maß aller Dinge erweisen: Die Stahlkonstruktion ist nicht mehr zu retten!

Brandenburg/H Stahlstadion 52.4135171 12.5010959
Google Map of 52.4135171,12.5010959
Brandenburg/H Stahlstadion Mehr Infos
Nächster Artikel
Sagenhafter Marienberg

Seit 1988 geben die vier Flutlichtmasten der Stadt Brandenburg eine letzte, weithin sichtbare Erinnerung an eine lange Tradition des Stahls.

Quelle: D. Wagner

Brandenburg/H. Egal, ob der Erhalt der Flutlichtmasten nun etwa 500 000 Euro kostet, wie es Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) jüngst beim Vor-Ort-Termin im Stahlstadion sagte oder ob sich die Kosten von 165 000 Euro für die vier Masten von Professor Dirk Werner als Maß aller Dinge erweisen: Die vier Flutlichtmasten im Stahlstadion sind nicht mehr zu retten!

Scheller schrieb jetzt Thomas Hilsenitz, der sich an die Spitze der Stahlfreunde gestellt und Geld für die Rettung der Stahlmasten gesammelt hatte: „Neben rein technischen Aspekten sind auch eine Kosten-Nutzen-Betrachtung und wirtschaftliche Fragen einzubeziehen. Das führte bei uns in der Verwaltung und in der SVV zum Ergebnis, dass ein Rückbau der Flutlichtmasten erfolgen wird.“

Dem Vernehmen nach hatte Hilsenitz noch versucht, Anbieter von Funkantennen für eine Nutzung der hohen Masten zu begeistern, um mit der Miete die vom Gutachter Dirk Werner ermittelten jährlichen Kosten von bis zu 30 000 Euro zu begleichen. Doch auch das wird die Verwaltung nicht mehr umstimmen. „Im Hinblick auf Ihre Absicht zu Gesprächen mit Unternehmen weise ich darauf hin, dass Sie nicht berechtigt sind, (...) Vereinbarungen zu treffen“, schreibt Steffen Scheller. Für den Fall, dass Hilsenitz und die Stahlfreunde die Aktivitäten fortsetzen, erwarte er mehr Objektivität. Im Übrigen weise er darauf hin, „dass ich ehrverletzende Behauptungen – gemeinhin als Verleumdung bezeichnet – gegen die Mitarbeiter der Verwaltung und/oder gegen meine Person nicht hinnehmen werde.“

Diese Kritik weist Hilsenitz zurück: „Ich sehe mich nur als Vermittler. Und ich denke, dass es mir schon zusteht, mich für die Stadt Brandenburg einzubringen. Die Auszeichnung von Frau Tiemann für ehrenamtliche Tätigkeit war ja nicht umsonst. Aber was nützt eine Auszeichnung,wenn es bei Dingen wo Geld dahintersteht,dann das Ehrenamt mit Füßen getreten wird?“ Für Hilsenitz, der ständig Zeit und Geld ins Stahlstadion investiert, ist klar: „Diese Anlage darf einfach nicht verschwinden. Sie ist ein Stück Brandenburg.“

Die Fronten sind verhärtet. Dazu tragen auch die unterschiedlichen Bewertungen der Gutachter bei. Die Stadt beruft sich auf eine über Jahre andauernde Untersuchung des Büros Köberplan. Die Masten-Retter verweisen auf andere Zahlen, die der Uniprofessor und Gutachter Dirk Werner ermittelt hat. Werner schreibt: „Für die Aussagen in diesem Gutachten bin ich natürlich bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ich bin nicht nur Beamter an der Hochschule, sondern auch Büroinhaber mit Berufshaftpflicht. Damit kann der Diskussion begegnet werden, das Gutachten wäre nur meine Meinung und hätte ansonsten keinen Wert. Das wurde so von Herrn Scheller im Termin gesagt, es ist aber nicht so!“

Völlig zu Unrecht in ein schlechtes Licht gesetzt fühlt sich derweil Guido Bäsler als Chef des Architekturbüros Köber-Plan. Den Gutachtern, die die Flutlichtmasten seit 2008 untersuchen (Bäsler: „Damals hat mich Klaus Haake darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Flutlichtmasten im Wind bewegen.“) hatten die Freunde des Stahlstadions wiederholt unterstellt, es handele sich bei der Untersuchung um ein „Gefälligkeitsgutachten zur Legitimation für den Abriss der Flutlichtmasten.“ Das sei Unsinn, so Bäsler. Bei den Flutlichtmasten handele es sich um sensible Ingenieurbauwerke, von der Wertigkeit gleichzusetzen mit Brücken oder Strommasten. Derartige Bauwerke würden ständiger Kontrolle und Wartung unterliegen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

„Das Grundergebnis der seit 2008 laufenden Untersuchungen unserer Statiker zieht die momentane Standsicherheit der Masten nicht in Zweifel. Die Wahrung dieses Zustandes bedarf jedoch dauerhaft bauwerkserhaltender Maßnahmen, die keinen Aufschub mehr dulden und über die nächsten zehn Jahre allein für den Erhalt der Masten Investitionen in sechsstelliger Höhe erfordern“, so Bäsler. Auch die theoretische Untersuchung von Professor Werner kam zu ähnlichen Ergebnissen. Aber, so Bäsler: „Die Entscheidung zur Investition obliegt dem Eigentümer der Masten, der Stadt Brandenburg. Stehen die Investitionsgelder nicht zur Verfügung, ist der Abriss der Masten in der vorhandenen Konstellation alternativlos.“

Die Köber-Plan-Leute geben die Kritik an die Stahlstadion-Freunde zurück: „Die von der Stadt seit 2012 mehrfach eingeräumte Möglichkeit zur Vorlage eines tragfähigen Erhaltungskonzeptes nutzten die Initiatoren zum Erhalt der Flutlichtmasten nicht. Da wir dieser Lösungsvariante grundsätzlich offen gegenüber standen und unsere Unterstützung jederzeit zugesichert haben, ist die Vorgehensweise der IG nicht nachvollziehbar.“

Dass der Abriss der Masten nicht mehr aufzuhalten ist und die öffentlichen Kosten für die Verhinderung des mehr ideellen als materiellen Verlustes der Stahlmasten zu hoch ist, ist den meisten in den Prozess involvierten Personen klar. So schreibt Dirk Werner: „Die Kosten sind erheblich geringer, als von Herrn Scheller vor Ort benannt. Ich weiß, das alles kommt wahrscheinlich zu spät, aber vielleicht geht ja doch noch was.“

Von Benno Rougk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg